Hasse schon gehört? – Folge 25

Print Friendly

Fragen Sie Dr. Nürsel

Frage:

Lieber Dr. Nürsel! Hasse schonn gehört, dass das Fastfood nicht von Mac Dingens, sondern im Sauerland erfunden wurde? Dein Stefan aus Stimmstamm

Dr. Nürsel: Das habe ich nicht nur gehört, Stefan, das stimmt sogar, wie mir führende Meisterköche und anerkannte Fressforscher im Zuge meiner Sauerlandrecherchen bestätigten. Fastfood wurde bei uns inne Gegend aus akutem Zeitmangel erfunden, denn wer sich im Dauerregen tagtäglich mit Bären kloppt und Mammuts erlegt, der hat ständig Kohldampf und null Bock auf langwierige Nahrungszubereitung. Also sparten sich unsere jagenden und sammelnden Vorfahren lästiges Gedöns wie Holzsuche, Feuermachen oder Schaschlikspieße schnitzen und erfanden die wichtigsten Fastfood-Utensilien, den großen Fleischwolf und die dazugehörige Lochscheibe. Da schoben sie oben einfach ein rohes Schwein rein und drehten solange an der Kurbel, bis unten lecker Mett rauskam. Dazu ein Humpen mit gegorenem Pfützenwasser, fertig war das Festmahl. Im Laufe der Jahrhunderte kam noch die rohe Zwiebel hinzu und unser kulinarisches Weltkulturerbe, der Original Sauerländer Mettigel (OSM) , entstand. Das Pfützenwasser wurde an Lenne und Ruhr dann nach und nach durch Pils ersetzt. Wer neugierig ist und wissen will, wie Sauerländer trübe Pfütze wohl schmeckte, dem empfehle ich einen Besuch der Düsseldorfer Altbierbrauereien.

Wahrscheinlich eine Sauerländer Erfindung: Das Reinhauen. Illustration: Derek Pommer

Wahrscheinlich eine Sauerländer Erfindung: Das Reinhauen.
Illustration: Derek Pommer

Neben dem Mettigel überzeugt auch unser zweites Nationalgericht, die berühmte CPM, durch hohes Verzehrtempo und noch höheren Fettgehalt. Nein, Stefan, mit CPM sind nicht die drei Buchstaben gemeint, die am Dreikönigstag auf den Türrahmen gekrickelt werden, denn schließlich hieß keiner von den Königen Palthasar, woll. Vielmehr handelt es sich bei dem C um Currywurst, beim P um Pommes und beim M um Majo. CPM schmeckt nicht nur super, sondern geht auch super schnell und beugt schmalen Hüften vor. Das ist wichtig. So wie beim nächsten regionalen Fast-Food-Klassiker, der „Sauerländer Grillwurst a la Onkel Kurt“. Hier unser Familienrezept:

„Grillkohle mit einer ganzen Flasche Brennspiritus übergießen und lässig mit dem Zigarrenstumpen entzünden. Brandsalbe einwirken lassen und warten, bis Tante Erikas Lachkrampf abklingt. Dann die tiefgefrorenen Rostbratwürste direkt auf die Holzkohle legen, weil der Grillrost noch vom Vorjahr verklebt ist und das Zeugs nicht mehr abgeht. Würste einmal wenden. Schwarze Kruste mit grober Drahtbürste entfernen. Verbliebene Wurstrohmasse dick mit Senf beschmieren und am besten erst mal die Omma probieren lassen – guten Appetit!“

Sprachforscher sind sich übrigens sicher, dass neben dem Fastfood auch das Fastfuttern bei uns erfunden wurde. Schließlich werden so ein Mettigelchen schnell grau und die Pommes rupptitupp kalt, daher hat der Sauerländer keine Zeit für langsamen Genuß. Das spiegelt sich ganz deutlich in unserer Umgangssprache wieder: Wir hauen Knifften rein, kloppen Heringstipp hinter die Kiemen, knallen Pellemänner weg, mampfen Mettwürstkes, verdrücken halbe Hühner, verkasematuckeln Ommas Potthucke, pfeifen uns Schnitzel rein und friätten, was immer auf dem Teller liegt und halbwegs gar ist. Unsere Neigung zum Schnellfuttern legt die Vermutung nah, dass auch der segensreiche Doppelwacholder (das „ Verteilerken“) im Sauerland erfunden worden sein muss.

Jetzt hab ich beim Schreiben richtig Schmacht gekriegt, Stefan. Und da bei Mac Dingens die össeligen Frikadellen im Wattebrötchen noch flacher sind, als unser Omma ihre Waffeln, spare ich mir die Fahrt zum Fastfoodkönig und hau mir stattdessen eine leckere Mettwurst vom Metzger meines Vertrauens rein. Mett statt Mac: I am loving it, woll.

 

 

 

Deine Meinung ist uns wichtig

*