Persönliche Fürwörter – Was ist das denn?

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Sauerländer Platt verstehen!

Zusammen mit dem Leiter des Sauerländer Mundartarchivs in Eslohe-Cobbenrode, Werner Beckmann, werden hier in lockerer Reihenfolge Beiträge zum Sauerländer Platt veröffentlicht.

Heute: Die persönlichen Fürwörter (die Personalpronomen)

Die persönlichen Fürwörter (die Personalpronomen) haben ihre besonderen Formen. So wurde einmal eine Rätselfrage gestellt: Man sollte den Wenfall (Akkusativ) von ‚wir’ finden – im Rätsel waren dafür drei Buchstabenfelder reserviert. Die Antwort ist eindeutig: Die gesuchte Form lautet ‚uns’. Im Plattdeutschen ist das auch so, viele Formen entsprechen denen im Hochdeutschen. Aber markante Abweichungen gibt es doch.

Bei den ersten Personen ‚ich’ und ‚wir’ gehen Plattdeutsch und Hochdeutsch parallel:

Plattdeutsch                                       Hochdeutsch

  1. Fall (Nom.) iëck                         ich
  2. Fall (Gen.) mey                          mir
  3. Fall (Akk.) miëck                       mich

 

  1. Fall (Nom.) vey                          wir
  2. Fall (Gen.) uës                            uns
  3. Fall (Dat.) uës                             uns

Auch die zweiten Personen gehen entsprechend parallel:

  1. Fall (Nom.) diu                           du
  2. Fall (Gen.) dey                            dir
  3. Fall (Akk.) diëck                         dich
  1. Fall (Nom.) ey                            ihr
  2. Fall (Gen.) ugg                           euch
  3. Fall (Dat.) ugg                            euch

Eine Besonderheit gibt es im Plattdeutschen bei ey ‚ihr’. Dazu kann ganz einfach gesagt werden: Die Plattdeutschen siezen nicht! Das heißt aber nicht, dass sie alle Leute duzen. Auch im Plattdeutschen existiert eine Höflichkeitsanrede, und die ist das ey ‚ihr’:

Wann well ey noh mey kummen?                 Wann wollen Sie zu mir kommen?

Ick hewwe Ugg doch ne Mail schicket!        Ich habe Ihnen doch eine Mail geschickt!

Se seiket Ugg all.                                              Man sucht Sie schon.

Bei den dritten Personen unterscheidet man wie im Hochdeutschen im Singular (in der Einzahl) zwischen männlich (maskulin), weiblich (feminin) und neutral (sächlich).

Plattdeutsch                                                                                     Hochdeutsch

maskulin         feminin           neutral            m         f          s

  1. Fall (Nom.) hei                        sei, se              et                    er         sie       es
  2. Fall (Gen.) iämme                  iär                   iämme            hm      ihr       ihm
  3. Fall iänne                                 iär                   et                     ihn       sie       es

Bei vielen Hochdeutschen weiblichen Geschlechts gibt ein spezifischer Gebrauch des Fürwortes et ‚es’ Ärgernis. Denn man sagt nicht: dei Lisbeth, dei Änne ‚die Lisbeth, die Änne’, sondern: dät Lisbeth, dät Änne, und das lautet wörtlich übersetzt: Das Lisbeth, das Änne.. Meistens wird, da dieses ‚dät’ unbetont ist, so gesagt: et Lisbeth, et Änne. Dieses et ist vom Klang her identisch mit dem persönlichen Fürwort et ‚es’.

Do hingen stäiht et Lisbeth. Da hinten steht (die) Lisbeth.

Mak mey’t Änne nit winges! Bring mir (die) Änne nicht in Wut!

Wenn der Name selbst nicht mehr erwähnt wird, dann heißt es einfach iät, das nichts weiter als eine besonders betonte Form des Fürwortes et ‚es’ ist und nur in dieser Funktion verwendet wird,

Do masste iät frogen! Da musst du sie fragen (nämlich eine weibliche Person)!

Hiäste iät dann nit besocht? Hast du sie denn nicht besucht?

Dieser Gebrauch von et und iät ist keineswegs eine Herabsetzung von Personen weiblichen Geschlechts. Dazu muss man wissen, dass die beiden wichtigsten Wörter im Bereich des weiblichen Geschlechts früher grammatikalisch neutral (sächlich) waren: dät Wief ‚das Weib, die Frau’ und dät Miäcken ‚das Mädchen’. Früher war das Wort Weib noch kein Schimpfwort, und im Plattdeutschen gilt das bis heute. „Et Jessica is doch en nett Weyf“ ist auf Hochdeutsch zu übersetzen mit: „(Die) Jessica ist doch eine nette Frau.“

So wurde aus: dät Weyf Lisbeth verkürzt: et Lisbeth, und desgleichen aus: dät Miäcken Änne verkürzt et Änne.

Der Plural (die Mehrzahl) der 3. Person hat wie im Hochdeutschen nur eine Form für alle Geschlechter (Genera):

  1. Fall (Nom.) sei, se sie
  2. Fall (Gen.) iänn, ne ihnen
  3. Fall (Dat.) sei, se sie

Im Plattdeutschen wird das sei ‚sie’ auch noch für das hochdeutsche ‚man’ verwendet.

Do het se näoh nicks van vertallt. Davon hat man noch nichts erzählt.

Do mott se wuat gieger maken! Dagegen muss man etwas tun!

Auch in der hochdeutschen Umgangssprache ist dieses sie in der Bedeutung von ‚man’ bekannt, wird aber nicht so häufig verwendet wie im Plattdeutschen.

Werner Beckmann erläutert die Unterschiede zwischen Hochdeutsch und Sauerländer Platt

Werner Beckmann erläutert die Unterschiede zwischen Hochdeutsch und Sauerländer Platt

Kommentare

  1. Suerländer Platt hat man in Neim gesagt

  2. Als alter (?) Fredeburger, nun in Iserlohn, bin ich dem Fredeburger Platt verbunden. Der Andersländer kann eh nicht hören, wie sich das Platt von Ort zu Ort verändert. Die Spielarten des Dialekts sind vielseitig.

  3. reinhold meint:

    wichtig ist,daß man nicht darüber spricht,sondern daß man platt spricht!!!!!!leider wird man dann aber sogar von „heimattreuen“belächelt,bzw.kritisiert:sprich vernünftiges deutsch,daß man dich auch versteht;sehr schade,finde ich…….

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