Hasse schonn gehört? – Folge 23

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Fragen Sie Dr. Nürsel

Frage:

Lieber Dr. Nürsel! Hasse schonn gehört, dass wir Sauerländer das Prinzip des Do-it-yourself erfunden haben sollen? Deine Brigitte aus Brilon Wald.

Dr. Nürsel:

Das stimmt, liebe Brigitte, und ich kann sogar den Indizienbeweis führen.

Indiz Nummer 1: Wie jeder weiß, braucht der Sauerländer außer beim Feiern, beim Mannschaftssport und beim Sex keine Partner und erledigt die Dinge lieber selbst. Das liegt zum einen daran, dass wir andere ungern um einen Gefallen bitten um danach nicht in deren Schuld zu stehen. Da leihst du dir zum Beispiel nur einmal den Rasenmäher vom Nachbarn, schon bist du unausweichlich zu einer lästigen Gegenleistung verpflichtet und ihm etwas schuld. Und Schulden, die gehen im Sauerland nu ma ganich. Also macht man es lieber alleine und schert den Rasen mit dem Elektrorasierer. Oder man lässt es ganz sein und erklärt das Grün ums Haus zum Biosphärenreservat.

Indiz Nummer 2: Wir Sauerländer waren immer schon besonders erfinderisch. Da es früher laut meiner Omma nix bei uns gab und wir alle nix hatten, mussten wir notgedrungen alles selber machen. Als beispielsweise in Arnsberg nach den Kriege die Glühbirnen knapp wurden, hängte man einfach mit Glühwürmchen befüllte Nylonstrümpfe anne Decke. Wenig später entwickelte Mömmes Siepenberg aus Endorf, weil sich keine teuren Taschentücher leisten konnte, den Saugreiniger Pömpel V-200, mit dem bei uns seitdem verstopfte Nasen und Poren behandelt werden.

Original Sauerländer Erfindergeist: Der Pömpel V-200 Illustration: Derek Pommer

Original Sauerländer Erfindergeist: Der Pömpel V-200
Illustration: Derek Pommer

Indiz Nummer 3: Sauerländer sind keine Philosophen oder Theoretiker, sondern Männer und Frauen der Tat. Wir beginnen neue Projekte stets mit einem Selbstversuch und niemals mit grauer Theorie oder langweiliger Planung. Statt „Cogito ergo sum“ (Ich denke, also bin ich) gilt bei uns „Experior ergo sum“ (Ich probier’s mal, also bin ich). IKEA packt beispielsweise schon seit 1996 bei Lieferungen ins Sauerland keine Aufbauanleitungen und Werkzeuge mehr bei, weil solcher Kokolores nur was für Amateure ist. Und Rheinländer.

Indiz Nummer 4: Der Drang zum Manuellen, der Mut zum Experimentieren und das Lieber-Selber-Machen zur Vermeidung von Schuldgefühlen haben deutliche Spuren in unserer Sprache hinterlassen. Wir frickeln anner Elektrik, fuckeln am Auto, friermeln ausgefranste Schnürsenkel durch zu enge Löcher im Schuh, prürteln in Hobbyräumen und Kellern, prockeln stundenlang an Billyregalen (oder in der Nase), wir knüstern, klüngeln, fäntern und brasseln rum, dass es nur so eine Pracht ist. Das Ergebnis muss nicht perfekt sein, Hauptsache wir haben wieder einmal ohne fremde Hilfe und Gebrauchsanleitung geschafft, dass die Karre anspringt, IKEA sein Billy nicht sofort am Aufbautag umkippt und das Eckige dank reichlich Schleifpapier letztendlich doch ins Runde passt.

All diese Indizien weisen also stark darauf hin, dass das „Do-it-Yourself“ tatsächlich seinen Ursprung im Sauerland hat, Brigitte. Es kann aber auch ganz anders sein, schließlich habe ich mir beim Schreiben meiner Antwort keine großen Gedanken gemacht, sondern lieber schnell was frei erfunden und daraus einen Text gefrickelt. Bin schließlich auch ein stolzer Sauerländer Fuckelskopp, woll.

 

 

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