Unbegleitete minderjährige Flüchlinge finden beim Sozialwerk St. Georg ein neues Zuhause

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Die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland steigt täglich und mit ihnen auch die Zahl derer, die minderjährig sind und völlig allein, ohne Eltern oder Verwandte, zu uns kommen.
Im Sozialwerk St. Georg sind es derzeit 33 junge Menschen, die hier vorerst ein neues Zuhause gefunden haben – 13 davon in der stationären Jugendeinrichtung in Bad Fredeburg, ehemals Internat.
Am 18. September, also fast ganau vor drei Monaten, kamen die ersten. Die Vorlaufzeit beträgt oft nur eine halbe Stunde, also es bleibt nicht viel Zeit für Vorbereitungen.

16 unbegleitete, minderjährige Flüchlinge im Alter von 15-17 Jahren finden derzeit in der stationären Jugendeinrichtung von St. Georg in Bad Fredeburg ein neues Zuhause

16 unbegleitete, minderjährige Flüchlinge im Alter von 15-17 Jahren finden derzeit in der stationären Jugendeinrichtung von St. Georg in Bad Fredeburg ein neues Zuhause

Überhaupt sei es derzeit schwierig, sich auf die ständig wechselnde Situation vorzubereiten, erzählen Einrichtungsleiter und Verantwortliche des Sozialwerks. „Wir brauchen neben den geeigneten Räumen auch zusätzliches Fachpersonal und der Aufbau von Plätzen scheitert oft an einfachen Dingen. So ist es derzeit sehr schwierig, ohne lange Wartezeit ein Bett oder einen Brandmelder zu bekommen“, erklärt Ludger Henkel. „Die Situation ist einfach chaotisch. Viel Kreativität war nötig, um neue Kapazitäten zu schaffen.“
Es sind ausländische Minderjährige – derzeit nur männliche – aus unterschiedlichsten Ländern mit unterschiedlichsten Vorgeschichten. Sie kommen aus dem Irak, aus Syrien, Pakistan, Albanien, Somalia oder Ägypten – eben aus allen Krisenregionen. Die Betreuung ist unglaublich zeitintensiv, wissen die Betreuer. Denn neben den Schwierigkeiten mit der Sprache sind es die oft traumatischen Erlebnisse, wie Gewalt oder Tod der Familienangehörigen, mit denen man umzugehen hat. Einige haben Ängste, Schlafstörungen oder panische Vorstellungen. Hinzu kommt die jeweilige Mentalität, die oftmals völlig andere Lebensweise der Jugendlichen. Man verständigt sich oft mit Händen und Füßen. Das funktioniert aber nur an der Stelle, wo es um materielle Dinge geht. Gefühle kann man auf diese Art und Weise nicht ausdrücken und verstehen, das ist ein großes Problem. Ein Jugendlicher, der seine Ängste nicht verarbeiten kann, der seine traumatischen Erlebnisse nicht in Worte fassen kann, mit denen er verstanden wird, fühlt sich hilflos. Doch gerade die Gespräche sind es, mit denen geholfen werden kann. Daher ist es in erster Linie wichtig, Sprachkurse anzubieten oder selbst Schritt für Schritt für Verständigung zu sorgen, denn nicht immer ist ein Dolmetscher da. Eine große Herausforderung für alle Mitarbeiter, aber auch für die Jugendlichen. Eine große Hilfe dabei sind die deutschen Klienten der Einrichtung, die sich als Paten einsetzen und die ausländischen Jugendlichen im Alltag begleiten. So können wichtige Hilfestellungen gegeben werden.
Die ausländischen Minderjährigen genießen die gleichen Rechte wie die deutschen Jugendlichen und müssen auch zur Schule gehen wie jeder andere.
Auch in der Zukunft werden einige Jugendliche psychologisch betreut werden müssen und das darf nicht mit langen Wartezeiten verbunden sein. Denn wenn die ersten Hürden gemeistert sind und etwas Ruhe einkehrt, kommen die Traumata zum Vorschein. Man weiß oftmals überhaupt nicht, welche Vorgeschichte und Erlebnisse der jeweilige junge Mensch mitbringt, wenn er nur ein Blatt Papier in den Händen hält, auf dem die wichtigsten Informationen wie Name, Alter und Herkunftsland stehen. Gelegentlich ist auch noch kurz vermerkt, was mit seiner Familie geschehen ist und welche Schulbildung er hat, aber das ist nicht immer so.
Es gibt also in vielen Bereichen große Herausforderungen und oft muss man einfach improvisieren und neue Wege gehen.
Wichtig ist, dass den Jugendlichen, falls möglich, zur Kontaktaufnahme mit der Familie oder Verwandten verholfen wird. Per Handy oder durch Skypen.
Für diese neue Ausnahmesituation sind die Jugendlichen teils in Doppelzimmern untergebracht, was bisher nicht üblich war. Das Verhältnis 25% zu 75% von ausländischen Jugendlichen zu den deutschen soll bestehen bleiben, denn derzeit ist das Zusammenleben stimmig.
Eine Aufsichtsfunktion hat das Landesjugendamt, vergleichbar mit einer Heimaufsicht.
Derzeit sind die Grenzen in Bad Fredeburg, aber auch in den anderen Einrichtungen von St. Georg in Schmallenberg und Olpe erreicht. Doch man ist bemüht, das Versprechen an die Stadt Schmallenberg, alle Anfragen zu bedienen, auch weiterhin einhalten zu können.
„Die Vergütungssätze für die Unterbringung sind auskömmlich“, sagt Ludger Henkel. Unterstützung kommt zusätzlich von der Stiftung Sozialwerk St. Georg.
Doch Geld ist nicht alles: es gibt täglich viele neue Situationen und man muss sich mit vielen unbekannten Dingen auseinandersetzen.
Bis zum Erreichen der Volljährigkeit haben die jungen Menschen die Möglichkeit, in der Jugendeinrichtung in Bad Fredeburg ein neues Zuhause zu finden. In der Hoffnung, in Frieden zu leben, ein neues Leben zu beginnen und mit dem großen Ziel, einmal wieder mit der Familie zusammen geführt zu werden.

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