Schreibwerkstatt mit Manfred Theisen am Berufskolleg in Brilon

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Projekttage im Schuljahr 2015/2016

IMG_4230Seit vielen Jahren finden nun schon Projekttage statt, die sich mit der Bedeutung von Büchern, dem Lesen, dem geschriebenen und gesprochenen Wort im Zeitalter der Informationsgesellschaft auseinandersetzen. Der erste Projekttag im Schuljahr 2015/2016 fand am 10. November 2015 statt. Das Berufskolleg Brilon setzte auch in diesem Jahr die interessante und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Autor Manfred Theisen fort.

Manfred Theisen, der 1962 in Köln geboren wurde und dort Deutsch, Politik und Englisch studierte, erhielt für seine Werke bereits zahlreiche Preise und Stipendien. Darüber hinaus forschte er für das deutsche Innenministerium in der Sowjetunion, gründete einen Entwicklungshilfe-Verein in Äthiopien, arbeitete als Redakteur und leitete eine Kölner Zeitungsredaktion. Heute arbeitet er als freier Schriftsteller und verfasst vor allem Kinderbücher und Jugendromane.

Der Kontakt zu Herrn Theisen kam auf Empfehlung des Friedrich-Bödecker-Kreises NRW zustande. Dieser gemeinnützige Verein, der 1954 gegründet worden ist und nach dem niedersächsischen Pädagogen Friedrich Bödecker benannt wurde, sieht als eine seiner vorrangigen Aufgaben die Leseförderung und Literaturvermittlung für Kinder und Jugendliche. Die Veranstaltung am Berufskolleg Brilon wird darüber hinaus auch vom Förderverein des Berufskollegs Brilon und dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen finanziell unterstützt.

Die diesjährige Schreibwerkstatt stellten der Autor Manfred Theisen und die Projektleiterin des BK Brilon, Melanie Kroh, in Anbetracht der Flüchtlingskrise und -hilfe unter das Thema „Fremdenfeindlichkeit oder Willkommenskultur? – Medien vs. Realität“.

IMG_4231Im Oktober 2015 ist bspw. in den zum Schulzentrum Brilon gehörigen Turn- und Sporthallen ein Flüchtlingslager für 400 Personen eingerichtet worden. Außerdem werden spätestens ab Februar 2016 jugendliche Flüchtlinge in einer Internationale Flüchtlingsklasse im Berufskolleg Brilon unterrichtet, was in der Folge auch zu Umstrukturierungen im gesamten Stundenplan führt. Somit sind die Schülerinnen und Schüler des BK Brilon direkt von den tiefgreifenden Veränderungen in unserer Gesellschaft betroffen.

Folgende Schülerinnen und Schüler der Unterstufe der Höheren Berufsfachschule meldeten sich freiwillig, um an diesem Projekt mitzuarbeiten: Celine Niggemann, Fabienne Schilling, Aydin Düzer, Robin Füllgraf, Julian Zöllner, Eda Demirezen, Stephanie Frigger, Julian Hegener, Angelika Kari, Bari Kantar, Renas Karakoc, Seniha Mavigök.

Ziel dieses Projektes ist für die Verantwortlichen, die Schülerinnen und Schüler des Berufs-kollegs für dieses Thema zu sensibilisieren und sie zusätzlich als Multiplikatoren für eine offene, hilfsbereite und friedliche deutsche Gesellschaft auszubilden.

Der Projekttag begann zunächst damit, dass Herr Theisen sich und seine Arbeit vorstellte. Er berichtete von seiner täglichen Arbeit und bspw. von der Zusammenarbeit mit einem jungen Afghanen, den er vor mehr als drei Jahren kennenlernte. Die persönliche Geschichte dieses Jungen inspirierte ihn zu einem Buch, das damals bei den Verlagen nicht ankam. Ein Druck rückte in weite Ferne. Der Junge war als Neunjähriger nach dem Tod des Vaters, den die Taliban erschossen hatten, mit seiner Mutter in den Iran geflohen. Zwei Jahre später starb auch die Mutter und der Junge musste sich als Vollweise und als billige Arbeitskraft im Iran durchschlagen. Nach einer schweren Messerattacke, von der er eine Schulterverletzung davontrug, entschloss er sich, sich allein auf den Weg nach Europa zu machen. Sein Ziel war Schweden, weil er dort afghanische Flüchtlinge kannte. Er kam aber nach Deutschland – und blieb! Mittlerweile ist er 17 Jahre alt, besucht die Schule und steht kurz vor seinem Schulabschluss … Und ein Verlag, bei dem Herr Theisen ehemals angefragt hatte, bekundete nunmehr angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingssituation großes Interesse, diesen Roman zu veröffentlichen!

Anschließend las Herr Theisen einen Auszug aus diesem Roman, „Checkpoint Europa“, vor.

Danach bat er die Schülerinnen und Schüler sich vorzustellen und Auskunft darüber zu geben, ob sie bereits eigene Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen haben. Diese Stellungnahmen und Berichte nahm er in der Folge zum Anlass, erste Schreibaufträge zu verteilen. Die Schülerinnen und Schüler mit eigenen Erfahrungen forderte er auf, diese schriftlich festzuhalten. Die anderen Projektteilnehmer sollten sich mittels Youtube mit dem Thema „Flüchtlinge“ auseinandersetzen. Sie recherchierten Bild, Ton- und Filmmaterial und arbeiteten heraus, wie die Flüchtlinge in den einzelnen Beiträgen dargestellt werden und welche Kommentare dazu eingestellt worden sind.

Nach der Präsentation der Textbeiträge zu den eigenen Erfahrungen mit Flüchtlingen und den Ergebnissen der Recherche auf Youtube wurde vertieft und arbeitsteilig weitergearbeitet: die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten unterschiedliche Textsorten und differenzierten auch zwischen dem von den Medien vermittelten Flüchtlingsbild und dem eigenen, zwischen einem distanzierten oder emotionalen Zugang, zwischen theoretischem Wissen und Gefühl.

Die Arbeitsergebnisse am Ende des Projekttages fielen dann auch sehr unterschiedlich aus, z.B.: ein potentieller Erlebnisbericht eines jugendlichen Flüchtlings und der Blick auf seinen Neuanfang in der Fremde, die zur „Heimat“ werden soll; einen Dialog zwischen einem potentiellen Arbeitgeber (Deutscher) und einem möglichen Bewerber (Flüchtling); einen Bericht über die Wahrnehmung der Nachrichtenmeldungen zu Flüchtlingen; Reportagen über das Aufeinanderzugehen von Einheimischen und Flüchtlingen während der Briloner Kirmes, oder dem Fußballtraining; Leitartikel über die Ursachen für Vertreibung und Flucht sowie über das Ankommen von Flüchtlingen in Spielfeld (Österreich) und zum Befinden unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppierungen in Deutschland … Schließlich wurden die Arbeitsergebnisse auch eingesprochen und zu Bild-Text-Montagen zusammengefügt.

 

IMG_4233Nicht nur der Leiter der Schreibwerkstatt, Manfred Theisen, auch die Schülerinnen und Schüler und die Projektleiterin waren begeistert und zugleich erstaunt ob der ausgezeichneten Ergebnisse, die auf der Homepage des BK Brilon veröffentlicht werden.

Aus diesem Grund ist es allen an der Schreibwerkstatt Beteiligten eine Herzensangelegenheit sich ausdrücklich bei den Organisationen zu bedanken, ohne deren finanzielle Unterstützung diese den Schulalltag bereichernden Veranstaltungen nicht stattfinden könnten!!

Das Berufskolleg Brilon bedankt sich ebenfalls ganz herzlich bei Herrn Manfred Theisen für diesen ungewöhnlichen Vormittag und hofft, dass noch viele Projekte dieser Art folgen!

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