Ergreifende Klänge auf Höchstniveau von Westfalen Winds

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WW Herbst 2015_00055Das außergewöhnliche Projektorchester Westfalen Winds gastierte an Allerheiligen in Bad Fredeburg mit seinem traditionellen „KlangKaffee“-Konzert im vollbesetzten Konzertsaal des Musikbildungszentrums Südwestfalen vor gut 200 Zuhörern.

Eröffnet wurde der sowohl klangreiche als auch wohlschmeckende Nachmittag mit dem ersten Satz von Ernst Tochs „Spiel für Blasorchester“. Ein modernes und zugleich buffoneskes Stück, das als tänzelnde Weise aus dem frühen 20. Jahrhundert für einen frohlockenden Einstieg sorgte.

Das darauffolgende Werk „The Speech of Angels“ von Stephen Melillo schuf eine wohlklingende wie mystische Atmosphäre, in dem sich unterhaltsame Programmmusik, filmmusikalische Einflüsse und neue Klangkonzepte für sinfonisches Blasorchester vereinen. Durch sanfte Flötenklänge und einem solistischen Horn zu Beginn des Stücks wurde an Allerheiligen der Himmel auf Erden quasi zu Gehör gebracht, bevor der Kampf zwischen Gut und Böse brillant vom Orchester in Szene gesetzt wurde.WW Herbst 2015_00069

Vor der Pause wurden noch die Schlagzeuger von Westfalen Winds im „Concertino for four Percussions and Wind Ensemble“ von David Gillingham zu Solisten. In diesem gewaltigen Stück führt das Schlagzeugregister als Protagonist durch das Werk, wohingegen das Orchester selbst den unterstützenden Auxiliarpart übernimmt. In der technisch sehr präzisen und klanglich unverwechselbaren Darbietung von Westfalen Winds könnte so Gillinghams Werk einen musikalischen Streitdialog mimen, der sich im Verlauf zunehmend in einen Kompromiss zwischen Solisten und Orchester auflöst.

„KlangKaffee“-Konzert bedeutet nicht nur Konzerte auf höchstem Niveau sondern ebenso leckerer, selbstgebackener Kuchen und aromatischer Kaffee. 2001 schuf der niederländische Dirigent der „Königlichen Harmonie Orpheus“, dem Partnerorchester von Westfalen Winds, Hardy Mertens ein Werk, das bereits heute allgemein als eines der größten Werke für sinfonisches Blasorchester gilt. In seinem Werk „Variazioni sinfoniche su ‚Non potho reposare‘“ werden die Zuhörer durch musikalische Diskrepanzen zwischen kammermusikalischen Passagen und monumentalen, fast schon Bruckner-haften Instrumentierungen auf eine imposante und bedeutungsvolle Reise mitgenommen, in der Heimat, das Heimweh und die Einsamkeit in der Fremde durch den Zwiespalt von differenzierter Rhythmik zu agogischer Ergriffenheit hervorragend vom westfälischen Orchester umschrieben wurde.

WW Herbst 2015_00050Der Beifallssturm und die mehrfachen „Bravo!“-Rufe zeugten von der erstklassigen Musik in einem atemberaubenden Konzert. Westfalen Winds wurde erst nach minutenlangem Standing Ovation und zweier weiterer Zugaben von den Zuhörern dankbar entlassen.

Dabei hielt die zweite Zugabe einen letzten Glanz- und zugleich wunderbaren Kontrapunkt bereit: Westfalen Winds verabschiedete sich ganz bedächtig mit einer vierstimmig filigran gesungenen Version des Chorals „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Johann-Sebastian Bach und formte zu Allerheiligen mit unbeschreiblicher Wärme einen krönenden und wundersam lauschigen Konzertabschluss.

 

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