Hasse schonn gehört? – Folge 17

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Fragen Sie Dr. Nürsel

Frage: Lieber Dr. Nürsel! Hasse schonn gehört, dass das Sauerländer Herbstwetter diesjahr wieder ziemlich össelig werden soll? Deine Moni aus Meinkenbracht

Dr. Nürsel: Jau. Was meinze, Moni, wie piepegal mir das ist. Wir Sauerländer sind schließlich nicht aus Zuckerwatte gemacht und Regen ist für uns doch eigentlich nur flüssiger Sonnenschein, oder? Für das schöne Wörtchen össelig, übrigens össelich ausgesprochen, weil bei uns das -g am Wortende seit 1266 (zwölfsechsensechzich) offiziell als ausgestorben gilt, bedanke ich mich allerdings ganz nachdrücklich bei Dir. Össelig ist nämlich besonders vielseitig einsetzbar uns bildet zusammen mit muckelig eines meiner liebsten Gegensatzpärchen: Je össeliger das Wetter, desto wichtiger der muckelige Pulli, die muckelige Wolldecke und die muckelige Wohnstube. Össelig oder usselig leitet sich übrigens laut Wortforschung von unselig ab.

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Während Meteorologen andernorts nur den Windchillfaktor messen, also den Wert für die gefühlte Temperaturdifferenz, berechnen sie bei uns im Sauerland sogar noch zusätzlich den Össel- und den Muckelfaktor. Steht man beispielsweise an einem nasskaltem Novembertag nackt inne Möhren, empfinden selbst wettergegerbte Eingeborene einen Mindestfaktor von 10 Össel auf der nach oben offenen Össelskala. Liegt man hingegen am selben Tag und genau zur selben Stunde schön warm eingemummelt und glühweinschlürfend auf dem Sofa und kuckt Tatort, wird das von Experten in Muckelwerten ausgedrückt. Faszinierend, oder? Kommt der Tatort aus Hamburg, steigt bei mir der Muckelfaktor wegen meiner Til-Schweiger-Allergie allerdings nur um Werte von 0,5 bis 1,0 und ich muss entsprechend mehr Glühwein nachgießen.

Nicht nur das Wetter kann im Sauerland össelig sein, sondern auch die Qualität

„Kuckma, Mamma, mein neues Kleid.“

„Wo hasse den össiligen Lotzen denn her?“

oder das werte Befinden:

„Ich fühl mich irgendwie össelich…“

„Und ich sach extra noch: Steinpilze haben keine Lamellen, Werner.“

Das molligwarme Wörtchen muckelig hat außer kuschelig, heimelig, warm oder gemütlich scheinbar noch eine weitere, ganz andere Bedeutung: Männer können muckelig aussehen. Das war mir bis letztes Jahr völlig unbekannt war, wurde aber so in einem Sauerländer Polizeibericht bereits amtlich verwendet und ist damit wohl offiziell. Hier dazu die Zeitungsmeldung aus Werdohl vom 22. August 2014: „Am Donnerstagabend zeigte sich gegen 20 Uhr ein Exhibitionist zwei jungen Frauen, die in einem Pkw auf einem Firmenparkplatz an der Gildestraße saßen. (…) Laut Zeugenaussagen war der Täter etwa 1,70 Meter groß, hatte eine „muckelige“ Figur, blonde kurze Haare, die er hochgestylt trug, und blaue Augen.“ Sachdienliche Hinweise nimmt auch Sprachkommissar Dr. Nürsel gerne entgegen.

Draußen fängt es gerade an zu plästern und durch meine össeligen Fenster pfeift der Herbstwind, Moni. Da mach ich lieber mal Feierabend für heute, wickle mich in eine muckelige Wolldecke und häng ´ne Stange Zimt in meinen heißen Lambrusco: Muckelfaktor 15, woll!

 

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