Kirchhundemer mit der Gorch Fock in Dublin

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GorchFock Maik 070915_22.1Von Andreas Reinéry

Grazil, elegant und gewaltig liegt sie da am Quai im Hafen von Dublin, der irischen Hauptstadt, die Gorch Fock, der Stolz der deutschen Marine. Wer über den Steg den Weg aufs Schiff nimmt, macht auf halber Strecke Halt zum würdevollen Gruß an die Fahne, die an Bug und Achtern deutsche Hoheit ausweist. Abends wird sie mit einem Apell eingeholt, die Fahne, am Morgen neu gehisst für 220 Marinesoldaten an Bord, 26 Offiziere Stammbesatzung.
Hier besuche ich Maik Hartmann, ein Kirchhundemer Junge, der Teile seiner Offiziersausbildung auf Deutschlands schönstem Schiff absolviert, noch ein wenig sprachlos, mich tatsächlich an Bord begrüßen zu können, nachdem wir uns spontan via Facebook für Dublin verabredet hatten. Fern der Heimat sind Handschlag und Umarmung herzlich und innig.GorchFock Maik 070915_7.1
Mit dabei ist Offizier zur See for public affairs D. Köber. Er erwirbt auf der in wenigen Tagen beginnenden Fahrt nach Madeira / Portugal sein Segelschiffführer-Patent und hat noch vor wenigen Tagen bei der Hanse-Sail den Bundespräsidenten durchs Schiff geführt, geleitet nun mich und den „Neuen“ Maik Hartmann, der heute seinen zweiten Tag an Bord hat und später das Studium in München fortsetzen wird.
Köber hat mit dem Schiff die Welt gesehen, Sansibar, Afrika, Südamerika… und erklärt, dass die neuen Schiffe mit sehr viel „dünnerer Haut“ gebaut werden in der Hoffnung, dass Geschosse bei möglichen Treffern in Gefechten das Boot durchschlagen, statt im Schiff zu explodieren. 90 m lang ist die Gorch Fock mit 5 m Tiefgang, der Rumpf so stark, dass auch nördlich des Polarkreises, in arktischem Gewässer gesegelt werden kann.GorchFock Maik 070915_4.1
Wer über Bord geht, und dazu besteht jederzeit hohes Risiko, ist verloren, weil er binnen kürzester Zeit nicht mehr auszumachen ist in der See. Routine, nachlassende Achtsamkeit ist der größte Feind jedes Matrosen.
Steuer-Stände jeweils an Steuer- und Backbord, um an der jeweiligen Luv-, also der dem Wind zugewandten Seite den höchsten Punkt der Neigung nutzen und steuern zu können.
Maik absolviert hier nicht nur eine Schule der See- und Segel-Schifffahrt, sondern auch eine soziale, das sich Einfinden und Arrangieren auf engstem Raum. Er teilt sich einen mannshohen und zwei kleine Spinde mit einem Kammeraden.
GorchFock Maik 070915_9.1[1]Mit Sauberkeit, Ordnung, Disziplin, mit hohem Sicherheitsdenken, Achtsamkeit für die Situation, vor allem aber den Kammeraden gegenüber heißt es, sich zu arrangieren, privat kann hier kaum etwas bleiben. Schlafen in Hängematten, auch jeweils zwei und drei Hängematten übereinander zu etwa 25 Mann in Abschnittsräumen (Schotts) unter Deck, in der Kombüse wird auf ca. 15 Quadratmeter Platz bei 40 Grad für 220 Menschen gekocht.
Auch „Seemannsgarn“ wird hier gesponnen, aber echtes. Zur Ausbildung gehört nämlich, einen eigenen Seesack von Hand zu nähen – echtes Handwerk, so auch Pflege und Instandsetzung allen Materials in den Rahen, Seile, Segel…
In wenigen Tagen wird die Gorch Fock Segel setzen, Dublin gen Madeira verlassen und später Cadiz ansteuern. Beim Abschied beschleicht mich Wehmut, Maik, Kommandant Brandt und ich präsentieren neben der Deutschen auch die Kirchhundemer Flagge auf der Gorch Fock, die drei 45 m hohen Masten schimmern immer kleiner in der Abendsonne, see you Maik, not in Madeira maybe later in Cadiz … meine Einladung an die Crew der Gorch Fock nach Kirchhundem hat Kommandant N. Brandt gleichermaßen dankbar wie wägend angenommen…

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