„Am liebsten würde ich länger hier bleiben!“

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Fünf Sauerländer helfen Erdbebenopfern in Nepal

Von Natascha Kempf- Dornseifer

IMG_2196Schon der Weg in das kleine Bergdorf in Nepal, rund 80 Kilometer östlich der Hauptstadt Kathmandu, ist abenteuerlich. Er ist so steil, dass er nur mit Allrad zu bezwingen ist. An einigen Stellen liegen dicke Steine und Erde auf der Straße, weil die Hänge wieder etwas abgerutscht sind. Aber der Jeep packt die zwei Kilometer und 1000 Höhenmeter irgendwie. Rechts geht es viele Hundert Meter in die Tiefe – nichts für schwache Nerven. Gegenverkehr dürfte hier nicht kommen, dafür wäre kein Platz.

Aber die Menschen, die hier oben leben, hätten ohnehin kein Geld für ein Auto.

Verletztes Mädchen in Bergdorf

Und außer Marianne à Nijeholt aus Schmallenberg- Werpe verirrt sich selten jemand anderes hier hoch. Die Krankenschwester mit dem roten Notfallkoffer auf dem Rücken wird lächelnd von den Dorfbewohnern begrüßt. Sie will einem kleinen, dreijährigen Mädchen helfen: „Sie ist vor fünf Tagen den Kochtöpfen zu nahe gekommen, und da ist ihr heißes Wasser mit Linsen über beide Beine und einen Arm geflossen. Das war alles komplett verbrannt. Ich komme alle zwei Tage hier hoch, um ihr den Verband zu wechseln, der Weg hinunter ins Außencamp des Krankenhauses kann sie nicht laufen.“ Während die 54- Jährige den Verband löst, die Wunde reinigt, vorsichtig verbrannte Haut entfernt und Salbe aufträgt, schreit und weint das Mädchen. Es liegt in den Armen seiner Mutter, unter einem rund fünf Quadratmeter großen Gerüst aus Bambusrohren, auf dem zwei Bleche befestigt sind, die wenigstens für etwas Schatten in der glühenden Hitze sorgen. Das ist ihr „Haus“, denn ihr richtiges ist vom Erdbeben zerstört worden. Als Boden dient eine raue Matte. „Es ist schon viel besser geworden, aber hätte ich mich nicht um sie gekümmert, wäre sie wohl gestorben. Noch ein paar Mal den Verband wechseln, dann dürfte es wieder gehen“, so die Krankenschwester, die von den Menschen hier oben schon „Mami“ genannt wird, weil sie sich so über ihre Fürsorge freuen. Sie hat früher zwei Jahre in Nepal gelebt und spricht die Sprache, was ihr bei der Arbeit mit den Patienten hift.

Hilfe in Krankenhaus- Camp

Normalerweise arbeitet sie unten im Camp- einer Außenstation des Krankenhauses Dhulikhel. Während sich die Krankenschwester um das verletzte Mädchen in den Bergen kümmert, kommt dort unten auch Hilfe aus dem Sauerland an. Denn mit Marianne à Nijeholt sind vier weitere Freiwillige aus Deutschland nach Nepal gereist, die inzwischen mehr als 190.000 Euro Spenden für die Erdbebenopfer gesammelt haben. Damit das Geld auch wirklich bei den Bedürftigen ankommt, sind sie selbst für mehrere Wochen vor Ort (wir berichten).

In dem Krankenhaus- Camp installiert der Schmallenberger Thomas Bette gerade eine Wasserfilteranlage, die sie aus Deutschland mitgebracht haben: „Jetzt gibt es für die Patienten, Mitarbeiter und auch die Dorfbewohner frisches und vor allem keimfreies Wasser.“ Zudem kümmert er sich um die Stromversorgung, damit überall genug Licht vorhanden ist. Gleich nebenan baut Sanjiv Shrestha, ebenfalls aus Schmallenberg, zusammen mit nepalesischen Helfern eine Außenküche aus Bambusrohren und Wellblechen.

Wollen noch mehr Menschen helfen

Viele Menschen in den umliegenden Dörfern haben keine Häuser mehr, denn hier in der Nähe lag das Epizentrum des zweiten Erdbebens am 12. Mai. Das ist auch in weiteren Dörfern in der Nähe zu sehen, die sich Norbert Grobbel aus Olpe und der Schmallenberger Johannes Börger -beide die Hauptinitiatoren der Hilfsaktion- gerade angeschaut haben. „Wir stehen kurz vor der Regenzeit, und dann wird es für viele Nepalesen noch schlimmer. Wir werden in jedem Fall weiteren Menschen hier helfen.“

Oben in dem Bergdorf hat Marianne à Nijeholt die Wunden des Mädchens versorgt. Das Leid der Menschen geht ihr sehr nahe: „Ich darf das gar nicht so sehr an mich heranlassen, ich hab auch schon das ein oder andere Mal geweint. Wir gehen wieder, und die Leute müssen unter diesen Verhältnissen leben. Ich hab eine eigene Familie, sonst würde ich hier länger bleiben.“ Dabei stehen ihr die Tränen in den Augen.

Kommentare

  1. Tatjana Knoche meint:

    Großartig was die Sauerland in Nepal leisten.Ein Danke ist dafür viel zu wenig.
    Der Artikel treibt einem Tränen in die Augen. Und wer Marianne Niejholt als engagierte und immens kompetente Kollegin kennt, weiß was sie dort mit ganzem Herzen und ganzer Seele leistet. Tief bewegt kann man dazu nur sagen: Chapeau!!!
    Man kann den ganzen Helfern nur weiterhin viel Mut, Glück,Rückgrat und vor allem Gesundheit wünschen. Kommt alle gesund und gut wieder nach Hause!!!!!!!

  2. Uuuund wir werden immer mehr! – NEPAL WIEDERAUFBAU! PRIVATE DIREKTHILFE! AUCH AUS MEINEM SAUERLAND! – http://www.rund-um-den-biggesee.de/2015/05/04/ein-sauerlaender-in-nepal-unterstuetzung-fuer-rolf-schmelzer/ – DANKE! Rolf Schmelzer, NEPAL

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