Dafür gehe ich durchs Feuer

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Feuerlauf in Mecklinghausen – Ein Erfahrungsbericht

Von Claudia Wichtmann

Feuerlauf1Vor mir, auf meinem Schreibtisch, steht ein Glas mit Kohle. Es ist Kohle, über die ich mit meinen nackten Füßen gelaufen bin, als sie knapp 900 Grad heiß war und feuerrot glühte. Jetzt ist sie kalt und schwarz und erinnert mich an ein Erlebnis, das ich wahrscheinlich nie vergesse: Meinen ersten Feuerlauf.

Der Feuerlauf findet an einem Samstag in Mecklinghausen im Medien-Seminarhaus von Detlef und Marita Springob statt. Es ist elf Uhr vormittags und ich sitze mit völlig fremden Menschen in einem Seminarraum, modern, harmonisch und klar strukturiert eingerichtet. Wir sind 22 Frauen und Männer, ab 40 Jahre aufwärts, und sitzen im Kreis. Es ist eine angenehme, freundliche Stimmung. Von der ersten Minute an verbindet uns alle eins: Wir wollen heute Abend barfuß über 500 Grad heiße glühende Kohlen laufen. Jeder hat eine andere Motivation und doch haben wir das gleiche Ziel. Der Feuerlauf ist um 20 Uhr. Was machen wir bis wohl dahin, frage ich mich.

Ein Mann steht auf, mittelgroß, graue Haare, grauer Bart, warme Augen, freundliches Lächeln. Er heißt Konrad Gruber, sagt er im tiefsten Bayerisch und stellt sich als unser Trainer vor. Er ist Feuerlauftrainer, Pädagoge und Astrologe. Er bittet uns, uns vorzustellen und zu erzählen, warum wir den Feuerlauf mitmachen. Und wir alle erzählen der Reihe nach. Menschen, die sich nicht kennen, lernen sich kennen. Alle haben andere Erwartungen. Einige Beweggründe sind emotional, einige sachlich.Feuerlauf2

Konrad Gruber beschreibt in mitreißenden Worten, was uns beim Feuerlauf erwartet und was wir damit erreichen können. Durch diese Grenzerfahrung entsteht Selbstvertrauen, der Gang über die Glut unterstützt eine Neuorientierung und erleichtert es, sich neue Ziele zu setzen; der Feuerläufer gewinnt Mut zur Veränderung. Konrad will uns den ganzen Tag mental darauf vorbereiten. Er spricht davon, was wir mit der Kraft unserer Gedanken erreichen können. Ich schwanke zwischen Skepsis und Glaube. Was nun folgt, sind über acht Stunden mentales Training, in denen wir lernen, wie unsere Gedanken uns beeinflussen. Positiv, aber auch negativ. In Gruppenübungen lernen wir die Kraft der Vorstellungsbilder kennen und trainieren das Visualisieren in einzelnen Übungssequenzen. Dabei werden die Prinzipien des Mentaltrainings angewendet, die von Folgendem ausgehen: Das Unterbewusstsein kann nicht unterscheiden zwischen einem „Vorstellungsbild“ und einem „realen Bild“, das der Mensch wahrnimmt. Es denkt in Bildern, sodass sich ein Mensch das gewünschte Ziel vorstellen und dadurch wahr werden lassen kann.

Mittagspause. Detlef und Marita Springob haben für uns gekocht. Das Buffet ist üppig und abwechslungsreich. Alles selbst gemacht, alles frisch, alles lecker. Zum ersten Mal in meinem Leben esse ich veganen Matjes-Salat. Im Anschluss an die Pause fassen wir die Übungen zusammen und werfen unsere Eindrücke in den Raum, die Konrad an ein Flipchart schreibt:

„Alles ist möglich, wenn ich daran glaube!“

„Mein Kopf setzt mir Grenzen, die ich verändern kann!“

„Gedanken haben eine enorme Kraft!“

„Sei achtsam, was Du denkst!“

„Vertraue ins Leben, es geht schon gut!“

Danach erhalten wir eine rote Karte und eine blaue. Auf die rote Karte schreiben wir alles, was wir innerlich ändern oder loswerden möchten. „Das schenke ich dem Feuer“ ist die Überschrift. Auf der blauen Karte steht: „Dafür gehe ich durchs Feuer“ und darunter schreiben wir, was wir uns wünschen, was wir erreichen möchten, wofür wir durchs Feuer gehen. Wir sind jetzt voller Tatendrang. Wir wollen über die glühenden Kohlen gehen. Wir meditieren gemeinsam, stellen uns einen Glut-Teppich vor, der sich wie Moos anfühlt und über den wir in wenigen Augenblicken gehen sollen.

Feuelauf3Dann endlich geht es los. Wir laufen zu einer Wiese und bauen ein Holzscheit auf. Konrad zündet ihn an und es dauert über eine Stunde, bis er herunter gebrannt ist. Das Feuer ist gewaltig, das Wetter auch. Es ist windig und es regnet. Dadurch lodern die Flammen noch höher. Konrad schätzt, die Glut erreicht dadurch eine Temperatur von circa 900 Grad. Mir wird mulmig. Am liebsten möchte ich jetzt das Feuer löschen und nach Hause gehen. Aber dann hätte sich das alles unbeendet angefühlt. Ein CD-Player spielt „Hallelujah“. Die Atmosphäre ist packend, irgendwie energiegeladen. Wir meditieren noch einmal, bereiten uns auf den Gang über den heißen Kohleteppich vor.

Als es dunkel ist, ist das Holz bis auf die heiße Glut heruntergebrannt. Vor uns liegt ein drei Meter breiter und vier Meter langer, roter Glutteppich, der sich anfühlen soll wie Moos unter meinen Füßen. Konrad macht den Anfang. Er hält seine Karte hoch und ruft: „Dafür gehe ich durchs Feuer!“ und läuft los, als wäre nichts dabei. Die Stimmung ist im wahrsten Sinne aufgeheizt. Jeder will endlich durch die Glut laufen. Es gibt kein Halten mehr. Auf einmal packt mich einer der Teilnehmer an der Hand: „Machst Du mit mir den ersten Gang?“ und ehe ich realisieren kann, was passiert, laufe ich mit ihm über den Glut-Teppich. Als wäre es Moos. Ich bin überwältigt, wie einfach es sich anfühlt. Und ich laufe noch mal und noch mal.

Am Ende sitzen wir noch einmal alle zusammen und erzählen, wie wir den Feuerlauf erlebt haben. Meine Füße kribbeln angenehm und ich fühle mich leicht und stark. Alle sind glückselig. Inzwischen ist es 23 Uhr. Die zwölf Stunden vergingen wie im Flug. Als ich nach Hause gehe, drückt Marita mir ein Glas mit schwarzer, warmer Kohle in die Hand. Als Erinnerung an ein Erlebnis, das ich wahrscheinlich nie vergesse.

 

Kontakt und Info:

Detlef und Marita Springob
Bilsteiner Weg 4
57439 Attendorn-Mecklinghausen (Sauerland, Repetal)
Telefon 02722 – 635222

http://treff.springob.com

 

Konrad Gruber
Tauberfelder Weg 2
85117 Eitensheim
Telefon 08458 / 3 11 00 88
www.neuehorizonte-gruber.de/

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