Musik als Sprache der Emotionen

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Auftritt des „Choral Arts Ensembles“ in Meschede

Choral Arts Ensemble

Choral Arts Ensemble

Begeisterter Applaus füllt die Abteikirche des Benediktinerklosters Königsmünster in Meschede. Strahlende Gesichter im Publikum und in den Reihen der Sänger. Applaudiert wird jungen Studentinnen und Studenten aus den USA, allesamt Mitglieder des „Choral Arts Ensembles“, sowie Organist Kim Kasling und Chorleiter Axel Theimer.

Das „Choral Arts Ensemble“ aus dem Bundestaat Minnesota ist ein ganz besonderes, denn es existiert nur alle vier Jahre, wenn die Studenten gemeinsam auf internationale Tour gehen. Es setzt sich zusammen aus den Mitgliedern verschiedener Chöre zweier von Benediktinermönchen gegründeter Universitäten, dem College of Saint Benedict und der Saint John’s University. Erstmals fand solch eine Tournee in den 1980er Jahren statt. In diesem Jahr sind 50 Sänger im Alter von 18 bis 22 Jahren gemeinsam unterwegs und präsentieren geistliche Chor- und Orgelmusik aus verschiedenen Traditionen. Mit dabei sind auch amerikanische Spirituals, da diese, so Theimer, vom europäischen Publikum besonders gerne gehört werden.

Theimer dirigiert den Chor auf den internationalen Reisen seit der ersten Tournee. Der gebürtige Österreicher ist schon fast 50 Jahre in der Musikabteilung der Saint John’s University tätig. Sein Leben ist seit der Kindheit von Musik geprägt: Er nahm Klavierunterricht, noch bevor er zur Volksschule ging, verbrachte seine Jugendzeit mit den Wiener Sängerknaben und sang später im Chorus Viennensis, den er auch einige Zeit selbst leitete. Als Stimmpädagoge bereitet es ihm besondere Freude, mit den noch relativ jungen Stimmen der studentischen Sänger zu arbeiten.

Die Musik spielt auch im Leben der Studenten eine zentrale Rolle, aber die Konzertreise ist aus einem weiteren Grund besonders: sie ist für die jungen Amerikaner eine einzigartige Lehrmöglichkeit, wie Theimer betont. „Wir kommen ja nicht nur, um Konzerte zu geben, sondern auch, damit die Studenten sich geschichtlich und kulturell bilden können.“ Dieser Lehrgedanke gab auch den ursprünglichen Anstoß für die internationalen Konzertreisen. Das Erleben der Kultur vor Ort gehe über die Vorlesungen an der Universität hinaus und habe daher eine viel stärkere Auswirkung auf die jungen Sänger, so Theimer. „Außerdem“, fügt er hinzu, „ist die Konzertreise eine Möglichkeit, Europa zu zeigen, dass die USA und vor allem die Jugendlichen dort künstlerisch sehr tätig sind und aktiv viel zur Musik beitragen.“ Die Studenten selbst bestätigen, dass die Gelegenheit, ins Ausland zu gehen, ein wichtiger Grund war, beim „Choral Arts Ensemble“ mitzumachen. „Ich wollte andere Orte, andere Kulturen erleben“, erklärt Alex McIntosh.

In diesem Jahr tritt der Chor in Trier, Meschede, Weimar, Prag, Wien und Salzburg auf. Die Studenten übernachten für gewöhnlich im Hotel. Im Sauerland jedoch sind sie bei Gastfamilien aus den Reihen der Schüler des Gymnasiums der Benediktiner untergebracht – eine außergewöhnliche Erfahrung für beide Seiten. Theimer hält sie für viel intensiver und glaubt, dass gerade die Herzlichkeit der Gastfamilien den Besuch so besonders macht. Kristin Kruse aus Elleringhausen, eine der Gastmütter, schwärmt vom Besuch zweier Studenten. „Eigentlich war die gemeinsame Zeit viel zu kurz. Die Studenten waren an allem unglaublich interessiert und sehr dankbar, dass wir sie aufgenommen haben.“ Kruse hat in ihrer Schulzeit selbst an einem Austausch teilgenommen und findet es schön, ihre eigenen positiven Erfahrungen weitergeben zu können. „Solche Aktionen sollten unterstützt werden, denn so können die Studenten Deutschland aus einer ganz anderen Perspektive erleben.“ Außerdem, so fügt sie hinzu, sei der Besuch eine tolle Möglichkeit, das eigene Englisch noch einmal auszugraben. Auch Kruses Sohn Tilo, der in die 5. Klasse des Gymnasiums der Benediktiner geht, hatte die zwei Studenten gern zu Gast. „Man kann dabei seine Englischkenntnisse ausbauen“, erklärt er, „und außerdem waren die beiden sehr nett!“

Zusammen mit den Gastfamilien stellten sich die Mitglieder des Chores im Altarraum der Abtei für ein Gruppenfoto auf.

Zusammen mit den Gastfamilien stellten sich die Mitglieder des Chores im Altarraum der Abtei für ein Gruppenfoto auf.

Für viele Studenten ist dies der erste Besuch in Europa. Vom Sauerland sind sie dabei sehr angetan. „Hier lernen wir richtig viel über die deutsche Kultur“, sagt Erik Larson. „Wie ist das Leben in den Familien? Was wird gegessen? Das erfahren wir nur hier.“ Alex fügt hinzu, dass im Sauerland alles authentischer wirke als in den großen Städten, die oft ein eher touristisches Gefühl vermitteln würden. „Hier erlebe ich Dinge, die ich zuvor noch nie erlebt habe. Bisher ist der Besuch im Sauerland der lehrreichste Teil der Fahrt.“ Und beide schwärmen gleichermaßen sowohl von der Freundlichkeit der deutschen Gastfamilien als auch von der bergigen Landschaft, die ganz anders ist als das flache Land, das sie aus Minnesota kennen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Meschede Axel Theimer und Studenten des „Choral Arts Ensembles“ begrüßt. Der Kontakt ins Sauerland kam zustande während der Tournee des Chores bei verschiedenen europäischen Benediktinerabteien im Jahr 1980, anlässlich des 1500. Geburtstags des Heiligen Benedikt. Da damals bereits die Saint John’s High School, die auf dem gleichen Campus wie die Saint John’s University liegt, und das Gymnasium der Benediktiner Partnerschulen waren, war eine musikalische Verbindung naheliegend. Vorangetrieben wurde sie auf deutscher Seite vor allem von Pater Michael Hermes. „Als wir beim ersten Besuch in der Abtei gesungen haben, waren alle Mönche da“, erinnert sich Theimer. „Da hat man die tiefe Verbundenheit zwischen der Mescheder Abtei und der Abtei bei Saint John’s gespürt: ein ganz besonderes Gefühl.“ So freut er sich auch heute noch, in der Abtei aufzutreten, die er als Kulturzentrum der Region erlebt.

Der Besuch im Sauerland ist zwar kurz, aber dafür intensiv. Zwar probt der Chor während des Studienjahrs in Vorbereitung auf die Tour einmal pro Woche. Doch auch vor Ort hört die Arbeit nicht auf. Nachdem die Studenten eine Nacht und einen Vormittag in den Gastfamilien verbringen, wird noch für mehrere Stunden in der Abteikirche geprobt. Denn obwohl das Programm an jeder Station gleich ist, muss der Chor erst ausarbeiten, wie die Klänge im Raum sind, und sich dann anpassen. Warum nehmen die jungen Menschen all diese Proben auf sich und investieren die Zeit in diese Reise? Es ist die Begeisterung für die Musik und das Singen, die sie motiviert. „Ich mag das Gefühl der Harmonie, das entsteht, wenn zwei oder mehr Stimmen zusammenkommen. Diese Gemeinschaft ist wunderbar und ein Grund, warum ich mich immer freue, in neuen Chören und mit anderen Leuten singen zu können“, erklärt Alex. Erik fügt hinzu: „Ich habe ein Talent für das Singen. Da macht es doch Spaß, dieses Talent zu verfeinern und zu fördern. Außerdem kann man anderen damit eine Freude machen und viele verschiedene Ideen vermitteln.“

Auch Theimers Begeisterung für die Musik ist im Gespräch spürbar. Er möchte die Begeisterung mit anderen teilen, die Liebe zur Musik auf sie übertragen. „Die Musik ist Teil der Menschlichkeit“, erklärt der Chorleiter. „Musik ist die Sprache der Emotionen. Wenn wir Musik machen, werden wir emotional angesprochen und berührt. Wir hoffen, das Publikum anzustecken, damit es die Musik mitfühlt.“ Er ist der Ansicht, dass viele Menschen heutzutage nur noch selten Emotionen zeigen und die Musik ihnen eine Möglichkeit dafür bietet.

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Kein schöner Land in dieser Zeit… Axel Theimer ermunterte die Besucher das bekannte deutsche Volkslied „Kein schöner Land in dieser Zeit…“ mitzusingen.

Dem stehenden Schlussapplaus nach zu urteilen, hat der Chor die Emotionen ins Publikum getragen. Auf Theimers Aufforderung hin singt das Sauerländer Publikum sogar gemeinsam das Volkslied „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Theimers Bitte, doch auch zu Hause wieder mehr gemeinsam zu singen, trifft auf Zustimmung.

Am nächsten Tag reist der Chor weiter nach Weimar. Nach dem fulminanten Auftritt und der positiven Resonanz in der Abteikirche darf man hoffen, dass das „Choral Arts Ensemble“ auch auf der nächsten Europatour einen Abstecher ins Sauerland macht. Axel Theimer jedenfalls würde sich freuen und verspricht dem Publikum, beim nächsten Mal dann auch vom Chor ein deutsches Lied singen zu lassen.

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  1. […] Gast in der Abtei Königsmünster in Meschede war. Ein Highlight im Kulturkalender des Sauerlands! Hier könnt ihr die Reportage […]

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