„Do biste platt“ – Plattdeutscher Tag in Cobbenrode

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Sauerland / Cobbenrode / Oesdorf. Ursula Mathweis (Sauerländer Heimatbund e. V.), Dr. Werner Beckmann (Sauerländer Mundartarchiv) und Manfred Habbel (Heimat- und Förderverein Cobbenrode e. V.) hatten als Begrüßungskomitee des 21. plattdeutschen Tages im Sauerland im Stertschultenhof Cobbenrode das Funkeln in den Augen. Angereist war auf Einladung des Sauerländer Heimatbundes e. V. nämlich ein ganzer Bus mit Marsberger und Briloner Freunden der plattdeutschen Sprache – also aus dem östlichsten Gebiet des Hochsauerlandkreises. Organisiert hatte die Fahrt der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“.

Insgesamt 43 Marsberger und Briloner Freunde der plattdeutschen Sprache reisten mit dem Bus aus dem östlichsten Teil des Sauerlandes an. Sie wurden von Ursula Mathweis und Dr. Werner Beckmann vor dem Stertschultenhof in Cobbenrode empfangen.

Insgesamt 43 Marsberger und Briloner Freunde der plattdeutschen Sprache reisten mit dem Bus aus dem östlichsten Teil des Sauerlandes an. Sie wurden von Ursula Mathweis und Dr. Werner Beckmann vor dem Stertschultenhof in Cobbenrode empfangen.

Oesdorfer Platt hielt Einzug in Cobbenrode

Plattdeutsche Lieder gehörten zum umfangreichen Repertoire der Oesdorfer. Begleitet wurden sie von Johannes Klüppel auf dem Akkordeon.

Plattdeutsche Lieder gehörten zum umfangreichen Repertoire der Oesdorfer. Begleitet wurden sie von Johannes Klüppel auf dem Akkordeon.

rühmorgens startete der „Cobbenrode-Express“ im Marsberger Ortsteil „Oesdorf“. Die rund 700 Einwohner zählende Ortschaft hatte sich bereit erklärt, die inhaltliche Gestaltung des plattdeutschen Tages zu übernehmen. Gespannt warteten die Gäste aus dem gesamten kurkölnischen Sauerland im rappelvollen Stertschultenhof auf die Darbietungen. Vom Norden bis zum Süden und vom Westen bis zum Osten waren alle vertreten, denen das Plattdeutsche am Herzen liegt. Sunderner fanden sich so neben Erlinghäusern und Geseker neben Olpern wieder. Radio-Moderator Markus Hiegemann aus Scharfenberg führte nach den Grußworten von offizieller Seite souverän und gekonnt mit Witz, Charme und der nötigen Würze durch das Programm. Alfred Müller, Ortsheimatpfleger von Oesdorf, stellte vorweg kurz seinen Heimatort vor. Das 1170 erstmals urkundlich erwähnte Oesdorf gehörte bis zur Kommunalen Neugliederung im Jahr 1975 zum Kreis Büren. Seit 40 Jahren ist die ehemals eigenständige Gemeinde Ortsteil sowie lebendiger Mittelpunkt in der Stadt Marsberg und liegt seitdem im Hochsauerlandkreis. Plattdeutsch wird noch heute von zahlreichen Bürgern im Ort gesprochen, was die nachfolgenden 15 Sprecher gekonnt unter Beweis stellten. Neugierig auf Oesdorf machte zum Einstieg in das Programm das plattdeutsche Lied: „Greitken kum mol an dat Fenster“, das von den Oesdorfern in Begleitung von Johannes Klüppel samt seinem Akkordeon gesungen wurde. Magdalene Breidenbach, Ortschronistin von Oesdorf, stimmte mit einem Gedicht auf den Monat Mai ein. Es folgte Käthe Wiegers mit weiteren plattdeutschen Fakten aus der Geschichte und zum Ort Oesdorf.

Die Oesdorfer präsentierten Anekdoten, Wissenswertes zum Ort, Gedichte und Geschichten.

Die Oesdorfer präsentierten Anekdoten, Wissenswertes zum Ort, Gedichte und Geschichten.

Magdalene Breidenbach, Bernhard Hillebrand, Josef Wiegers, Berthold Hillebrand, Hans-Josef Sieren und Ferdi Scholand stellten im Laufe des Programms einige Vereine, Bauwerke, Wissenswertes, Persönlichkeiten sowie Festivitäten des Ortes vor und machten somit Lust auf Oesdorf. Vom Arion Chor, über die Schützenbruderschaft, das Stadtschützenfest Marsbergs Mitte August 2015, die Pastöre des Ortes und den bekannten Pfarrer Heitemeyer, bis hin zur Pfarrkirche St. Johannes Baptist, der wunderschönen Lourdes Grotte, dem Sportverein und dem Eggegebirgsverein erstreckt sich das Vereins- und Dorfleben. Die, die dann noch mehr über Oesdorf wissen wollten, brachten sich in der anschließenden, plattdeutschen Fragerunde ein. Die reichhaltige Vielfalt des Ortes konnte man auch bei allen weiteren Beiträgen der Oesdorfer spüren. Hildegard Sprenger präsentierte auf Oesdorfer Platt das „Dourpkind“, bevor Bernhard Hillebrand mit dem Herrgott den „Sauerländer“ erschuf. Hubert Hillebrand als „Opa vum Dourpe“ präsentierte auch die „Bauernschläue“. Magdalene Breidenbach sorgte für den Nachwuchs im Sauerland und „gebar die 14 Nothelfer“, die von Ferdi Scholand direkt zum „1. Schultag“ geschickt wurden. Die Töchter vom Oesdorfer Heimatdichter „Jupp Förster“ waren auch mit von der Partie. Brigitte Köster und Roswitha Glock trugen hier zusammen mit Josef Hillebrand aus dem großen Nachlass von Jupp Förster einige Weisheiten und Gedichte vor. Ein Höhepunkt des Tages war mit Sicherheit der Auftritt von Johannes Klüppel mit „Fipala“. Seinen Sprechgesang zum Text von Franz Rinsche begleitete er persönlich – jeweils im Wechsel – mit einer Melodie von Karl Schmadalla auf der Blockflöte. Weitere Liedbeiträge der Oesdorfer waren „De Groupschmied“ und „Herrn Pastor sin Kauh“. Zum Abschluss sprach Magdalene Breidenbach noch einen „Mädchentraum“ aus, bevor Berthold Hillebrand nochmals den Wildschütz Klostermann, den Robin Hood der Egge, auferstehen ließ. Passend hierzu hatte die Brauerei Westheim für jeden Teilnehmer des plattdeutschen Tages ein kleines Präsent vorbereitet. Die plattdeutsche Version des Oesdorf-Lieds und das traditionelle „Guat Goan“, angestimmt von Dr. Beckmann, beendeten das anspruchsvolle Programm.

Mit dem traditionellen „Guat Goan“ verabschiedeten sich alle Teilnehmer aus dem Stertschultenhof in Cobbenrode bis zum nächsten Mal - Anfang Mai 2016.

Mit dem traditionellen „Guat Goan“ verabschiedeten sich alle Teilnehmer aus dem Stertschultenhof in Cobbenrode bis zum nächsten Mal – Anfang Mai 2016.

Wilma Ohly (Olpe), ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Sauerländer Heimatbundes e. V., resümierte den Tag folgendermaßen: „Ich bin total begeistert von der Zusammenstellung des Tages, den Darbietungen der Sprecher sowie vom Ort Oesdorf und freue mich schon jetzt auf den nächsten plattdeutschen Tag im Sauerland Anfang Mai nächsten Jahres!“. Alle, die im Stertschultenhof in Cobbenrode nicht dabei sein konnten, haben die Möglichkeit am Montag, dem 18.05.2015 ab 20 Uhr, Auszüge des Programms im Bürgerfunk in der Sendereihe „Do biste platt“ über Radio Sauerland zu hören.

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