Hasse schonn gehört? – Folge 9

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Fragen Sie Dr. Nürsel

Frage:

Lieber Dr. Nürsel! Hasse schonn gehört, dass unser schönes Wort „Omma“ angeblich nur mit einem „m“ geschrieben wird? Oma oder Omma: Was ist denn getz richtich? Dein Lutz aus Lennestadt

Dr. Nürsel: Lieber Lutz, wenn Du in der Schule ein Diktat schreibst oder der einen Aufsatz, verwendest Du am besten die ein-emmige Oma oder die Großmutter. Dann bekommst Du keinen Ärger mit dem Lehrkörper, denn so steht es im allmächtigen Duden. Sobald Du nachhause kommst, kriegt Omma ihr Sauerländer Doppel-M natürlich sofort zurück, denn es klingt viel schöner, hört sich liebevoller an und gefällt Deiner Omma garantiert besser, als dieses quengelige, taschengeldfordernde O-ma. Der Begriff „Großmutter“ existiert im Sauerländischen übrigens nicht, weil es ihm an menschlicher Wärme mangelt und sich sogar der böse Wolf darin versteckt.

Omma„Lutz, komm doch bitte mal zu deiner Großmutter“ hört sich doch auch echt krank an, oder? Ein fröhliches „Lutz, komma bei de Omma“ verspricht hingegen eine Knuddeleinheit oder zumindest ein Bömmsken.

Echte Sauerländer Ommas erkennt man aber nicht nur am Doppel-M, sondern sie haben außerdem ihre alten Familiennamen abgelegt und durch Wortkreationen ihrer geliebten Enkel ersetzt. Meine Ommas hießen zum Beispiel Martin und Schulte mit Nachnamen, ich taufte sie aber schon als Dötzken Omma Eins und Omma Bus: Omma Eins war die ältere, Omma Bus kam immer mit der Linie 64 aus Neuenrade zu Besuch.

Und was unser Ommas ihr mm, ist natürlich unsern Oppas ihr pp. Opa klingt alt, faltig und gebrechlich, Oppa hat hingegen noch Saft inne Knochen und Spaß anne Backen. So wie Achims Oppa Menger, der mit weit über 80 noch falsch vor seiner Einfahrt geparkte Kleinwagen wegschieben konnte, oder wie unser Oppa Albert, der satte 100 Jahre alt war, als er mit seiner Enkelin ihren Hochzeitswalzer tanzte. Leider müssen aber selbst so coole Oppas im offiziellen Schriftdeutsch auf das zärtlich gemeinte zweite „p“ verzichten auf dem Papier zu ganz normalen Opas werden, Lutz.

Doch Rettung naht. Bekannte Autoren wie Frank Goesmann pfeifen bei Ommas und Oppas schon immer auf den Duden und Kathrin Heinrichs schreibt weder Oma, noch Omma, sondern sogar Ommma mit Triple-M. Auch in meinen Büchern kommen nur echte Sauerländer Ommas vor, anders wurden sie bei uns zu Hause schließlich nie genannt. Also, Lutz: Omas sind für Klassenarbeiten, Ommas für zum Liebhaben, woll.

 

 

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