Neue Arztpraxis in Schmallenberg-Bödefeld stellt hausärztliche Versorgung sicher

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SAMSUNG CSCVor einem Jahr wurde die einzige Arztpraxis in Bödefeld geschlossen, als Dr. Ochsenfeld in den Ruhestand ging. Einen Nachfolger gab es bisher nicht. Das soll sich ab dem kommenden Sommer ändern.
Die Stadt Schmallenberg und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) haben intensiv an einer Lösung gearbeitet, denn dass dort Bedarf besteht, ist unumstritten.
Die Sicherstellung der ambulanten Versorgung in Westfalen ist eine wesentliche Aufgabe der KVWL. Derzeit ist der Versorgungsgrad im Schmallenberger Sauerland noch sehr gut, er liegt bei nahezu 100%. Doch die Fläche ist sehr groß. Und gerade Bödefeld und sein Umland liegen sehr weit entfernt von der nächsten Arztpraxis. Mindestens 15-20 Kilometer – eine nicht zumutbare Entfernung.

SAMSUNG CSCHinzu kommt, dass sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Versorgungsdichte verschlechtern wird, denn etwa jeder dritte Hausarzt ist über 60 Jahre alt und Nachfolger finden sich nur schwer. Für die jungen Ärzte ist die ländliche Region oft nicht attraktiv. Die Sorge, 24 Stunden bereit sein zu müssen, wenig Unterstützung durch Kollegen zu haben und alleinverantwortlich eine Praxis zu führen, erschweren die Situation. In Gemeinschaftspraxen ist das ein wenig einfacher.
Die KVWL hat bereits vielfältige Maßnahmen ergriffen, um mehr junge Ärztinnen und Ärzte für eine hausärztliche Versorgung zu gewinnen. Um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung im Raum Bödefeld wieder herzustellen, wurde erstmals in dieser Art ein Pilotprojekt ins Leben gerufen. Im Rahmen einer Förderung werden Lösungsmaßnahmen finanziell unterstützt. Und ein Praxisbetreiber mit modernem Leistungsspektrum wurde jetzt gefunden. Die Versorgungslücke soll nun geschlossen werden.
Am heutigen Freitag wurden bei einer Präsentation im Landhotel Albers Dr. med. Oliver Haas und Dr. med. Annia Röhl vorgestellt, ebenso das neue Konzept.

SAMSUNG CSCSeit 2011 führen Dr. Haas (rechts) und Dr. Röhl (links) erfolgereich eine Gemeinschaftspraxis in Erndtebrück. Nach der Schließung einer Praxis und dringendem Handlungsbedarf kam im vergangenen Jahr noch eine Zweigpraxis in Aue hinzu. Gemeinsam mit drei weiteren Ärzten und einigen Mitarbeiterinnen, darunter auch die Ehefrau von Dr. Haas (Bildmitte) ist eine moderne medizinische Versorgung gegeben. Und das soll ab Juni/Juli auch in Bödefeld so sein. Mögliche Schwierigkeiten sieht Dr. Haas darin, dass die alte Praxis nicht mehr zur Verfügung steht und die bisherigen Patienten neue Ärzte in der Region gefunden haben.
„Die hausärztliche Versorgung auf dem Land wird immer schwieriger, doch sie muss Zukunft haben“, bemerkte Dr. Haas. „Der Anspruch der Patienten ist anders geworden. Der Patient will eine gute Versorgung haben und wir möchten diese breite, medizinische Versorgung gewährleisten“.
An fünf Tagen in der Woche soll Sprechstunde sein, einmal sogar eine späte für Berufstätige. Im Wechsel sollen alle fünf Ärzte ihre Sprechzeiten haben. Ein Rotationsprinzip, aber mit Systematik. So hat jeder Patient auch die Möglichkeit seiner persönlichen Wahl des Arztes. Auch Routine-Hausbesuche sollen die Versorgung sicherstellen.
Dr. med. Hans Heiner Decker, Bezirksstellenleiter der KVWL in Arnsberg, betonte: „Die neue Praxis ist eine Bereicherung für Bödefeld und Umland, ich hoffe, dass die Bürger das Angebot annehmen. Die jungen Kollegen geben eine richtige Antwort auf den Landarztmangel“.
Auf das Vertrauen der Bödefelder Bürger hoffen auch die neuen Ärzte. Neben der allgemeinen Versorgung mit moderner Technik soll auch die Notfalldiagnostik vor Ort gewährleistet sein.
Hunderttausende Euro müssen dafür investiert werden, für die Ausstattung der neuen Praxis und alle anderen anfallenden Kosten.
Bürgermeister Bernhard Halbe betonte: „Ich freue mich, dass sich die KVWL mit Nachdruck für den Standort Bödefeld einsetzt und hoffe, dass wir gemeinsam Erfolg haben“.
Dieses „Leuchtturmprojekt“ wird das komplette erste Jahr von der KVWL unterstützt. Das hohe Engagement der Betreiber ist sicher eine gute Perspektive, die zum Erfolg der Praxis führen kann. Dr. Haas und Dr. Röhl sehen neben der medizinischen Versorgung nach diesem neuen Praxismodell auch „eine erfüllende Arbeit“. „Wir wollen nicht nur akzeptiert werden, weil wir da sind, sondern weil wir gut sind“, versichert Dr. Haas. Und die positive Resonanz der Einwohner ist auch erkennbar: „Herzlich Willkommen. Die Bödefelder freuen sich sehr“.
Zuvor wurde ein mögliches, räumliches Objekt in der Graf-Gottfried-Straße begutachtet.

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