Was ist ein Schäuerken? – Hasse schonn gehört? – Nr. 7

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Fragen Sie Dr. Nürsel

Frage:

Lieber Dr. Nürsel! Hasse schonn gehört, dass die Eskimos angeblich mehr Begriffe für Schnee haben, als wir Sauerländer für Regen? Deine Ute aus Unterkirchen.

Dr. Nürsel: Danke, dass Du das Thema ansprichst, Ute. Wir Sauerländer und die Inuitvölker, auch Eskimos genannt, haben einiges gemeinsam: Wir leben am Arsch der Welt, unsere Buden sind meist kalt und draußen fällt uns das Wetter auf den Kopf. „Eskimo“ bedeutet übrigens übersetzt „indischer Rohfleischfresser“, also gibt es in Grönland und Kanada, wo die meisten Inuit leben, scheinbar auch Tatarbrötchen und Mettigel. Diese werden da oben aber bestimmt nicht aus Rind oder Schwein, sondern eher aus frisch durchgedrehtem Pinguin oder rohem Walrosshack gemacht, vermute ich.

Sauerländer Schäuerken

Sauerländer Schäuerken

Um nun zu klären, ob die Eskimos oder wir mehr Begriffe ortsübliche Niederschläge benutzen, habe ich für Dich einen Blick in das Buch „Einführung in die eskimo-aleutischen Sprachen“ geworfen. Dort werden immerhin 24 Schneewörter unterschieden, zum Beispiel pukak (kristallener Schnee auf dem Boden) illusaq ( Schnee, mit den man einen Iglu bauen kann) oder aniu (Schnee zum Herstellen von Wasser). Da fällt der Vergleich zu unseren Regenwörtern natürlich nicht leicht, denn für uns ist Regen schließlich nur das nasse Zeuchs in der Luft, aus dem nach der Landung eine Pfütze, Päute, Pühte, Päutsche oder ein Kümpel wird. Kein Wunder, dass die Eskimosprache mit diesem Trick auf so viele Schneewörter kommt. Schön finde ich allerdings, dass es besonderen „Schnee zum Herstellen von Wasser“ gibt. Ich nehme an, das ist die weiße Sorte ohne die gelben Stippen von den Schlittenhunden hinterm Iglu.

Doch nun zu unseren Regenwörtern. In einem Mittelgebirge mit locker über 1000 Bergen regnet es natürlich häufiger, als zum Beispiel in der deutlich flacheren Sahara (wo die Beduinen übrigens angeblich mehr Begriffe für Sand haben, als die Franzosen für Käse!) Pro Jahr fallen im Sauerland durchschnittlich um die 1.200 mm Niederschläge, das allermeiste davon in Form von Regen. Mal fällt mehr, mal fällt weniger. Mal fällt er fein, mal in dicken Tropfen. Mal als vereinzelter Schauer, mal als dichte Wasserwand. Es fisselt oder fitzelt, nisselt oder nieselt, es drüppelt, dröppelt, miegt, meimelt, schüttet, suppt, schifft, gießt, pladdert oder plästert, es nubbelt und sabbelt, es ist am Schürren oder, wie meine Omma immer zu sagen pflegte, es ist allzwidder am Regen zugange.

Das sind getz zwar nur achtzehn typisch Sauerländische Regenbegriffe, aber Dir und den übrigen Dr. Nürsel-Lesern fallen bestimmt noch mehr ein, Ute. Also schickt mir bitte, wasser (!) sonnz noch so an Regenwörtern habt, dann kommen wir gegen unsere heimlichen Verwandten aus Grönland bestimmt locker auf ein Unentschieden, woll.

 

 

 

 

 

 

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