Hasse schonn gehört? – Teil V

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Fragen Sie Dr. Nürsel

Frage:

Lieber Dr.Nürsel! Hasse schonn gehört, dass Mediziner demnächst Sprachkurse belegen sollen, bevor sie eine Praxis im Sauerland eröffnen dürfen? Änne Hülsdonk, Hallenberg

 Dr. Nürsel:

Selbstverständlich, liebe Frau Hülsdonk, schließlich bin ich Initiator und Veranstalter dieser dringend notwendigen Kurse. Aufgrund sprachlicher Missverständnisse kommt es bei Jungmedizinern, die nicht aus dem Sauerland stammen und dort Praxen übernehmen, immer wieder zu dramatischen Fehldiagnosen, die das Wohl der Patienten gefährden und im Extremfall zu bleibenden gesundheitlichen Problemen führen können. Problemen, die unsere Krankenkassen unnötig belasten. Daher habe ich in Zusammenarbeit mit der AOK Niedersorpe einen Mediziner-Sprachkurs entwickelt, der nicht nur Leben retten kann, sondern gleichzeitig auch meinen neuen Carport finanziert: Eine echte Win-Win-Situation. Da der Sprachkurs kostenpflichtig ist, möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten, sondern nur ein paar typische Beispiele und ihre Übersetzungen für den behandelnden Arzt darstellen.

„Herr Dockter, ich happ wieder Rücken.“

Der Patient leidet unter gelegentlichen Rückenschmerzen. Oder er ist von Beruf Metzger und schaut nur kurz in der Praxis rein, um sein Tagesangebot persönlich anzupreisen.

„Herr Dockter, meine Frau schickt mich mit meim Bein.“

Der Patient wurde von seiner Frau zum Arztbesuch genötigt, weil sie das ewige Wimmern leid war. Hüpft er auf einem Bein in die Sprechstunde, bitte rasch einen Blick in die große Plastiktüte unter seinem Arm werfen.

„Herr Dockter, ich happ da so ‘n  Tattrigen!“

„Herr Dockter, ich happ da so ‘n Tattrigen!“

„Herr Dockter, ich happ da so ’n Tattrigen.“

Der Patient zittert am ganzen Körper. Meist keine akute Schüttellähmung, sondern nur die Spätfolgen von drei Tagen Schützenfest. Es könnte auch sein, das nicht ein Patient vor ihnen sitzt, sondern seine Frau, die ihn beschreibt.

„Herr Dockter, meine Ohren sind im Arsch.“

Der Patient leidet unter Hörbeschwerden oder hatte einen schweren Gymnastikunfall.

„Herr Dockter, unsern Kurzen is so ‘n Hibbeligen / is so ’n Wippop.“

Der Patient ist das kleine Energiebündel, mit dem die Sprechstundenhilfe draußen im Wartezimmer ringt.

„Herr Dockter, mir geht’s kodderich / klödderich.“

Der Patient leidet unter allgemeinem Unwohlsein. Sauerländer sind hart im Nehmen, sofort prüfen, ob der Puls noch spürbar ist und der Kopf noch auf dem Hals sitzt.

Diese einfachen Beispiele zeigen, dass gute Sauerländischkenntnisse Leben retten können und mein Mediziner-Sprachkurs daher verschreibungspflichtig werden sollte. Damit aber genug für heute, ich happ schwer Maleste mitter Omme und muss dringend beim Arzt.

 

 

 

 

„Herr Dockter, ich happ da so ‘n Tattrigen!“

 

 

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