„Wir holen Gott nach draußen auf die Straße!“

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Almuth Ewers im Gespräch mit Katie Grosser

Unsere WOLL-Redakteurin Katie Grosser hat in der aktuellen WOLL-Ausgabe die Mescheder Initiative ‚“New Ground“ vorgestellt. Zu Beginn des Jahres 2014 haben sich in Meschede jungen Menschen mit dem Ziel zusammengefunden, gemeinsam etwas in der Kirche und im Glauben zu bewegen. Hier und in der kommenden Woche veröffentlichen wir zwei Interviews, die Katie Grosser mit zwei der Initatoren geführt hat. Zunächst Almuth Ewers (18) aus Meschede-Eversberg.

Almuth Ewers KopieAlmuth Ewers (18) aus Meschede-Eversberg ist nach ihrer Firmung im November 2013 zu New Ground gestoßen. Seitdem arbeitet sie im Orga-Team und in der Band aktiv in der Initiative mit. WOLL trifft sie zum Interview.

Katie: Almuth, wie ist es dazu gekommen, dass du bei New Ground mitmachst?

Almuth: Bei meiner Firmvorbereitung war ich mir ganz und gar nicht sicher, wie ich zu meinem Glauben stehe und wie überhaupt meine Beziehung zu Gott aussieht. Fast hätte ich mich gar nicht firmen lassen – dennoch habe ich mich bei dem Gedanken, mich aktiv gegen die Firmung zu entscheiden, auch nicht wohlgefühlt. Deshalb habe ich ein sehr langes Gespräch mit meinem Philosophie- und Religionslehrer geführt. Ich habe gehofft, dass er mich wieder auf die richtige Spur bringt – immerhin bin ich, seit ich denken kann, mit einer christlichen Erziehung aufgewachsen. In diesem Gespräch hörte ich zum ersten Mal von einer Organisation von und für junge Christen, die demnächst in Meschede aufgebaut werden sollte.

Katie: Die Initiative New Ground.

Almuth: Genau, wobei der Name „New Ground“ erst bei späteren Gruppentreffen entstanden ist. Zunächst wusste ich noch nicht, was mich erwarten würde, andererseits dachte ich mir: Zumindest kannst du es dort mal versuchen. Also bin ich zu einem der ersten Treffen gegangen. Und habe mich in der Atmosphäre sofort wohlgefühlt! Denn alle haben so ehrlich von sich selbst, ihren Erwartungen an New Ground und an Gott erzählt. Als bei der Frage nach unseren Fähigkeiten eine bunte Mischung an Talenten sichtbar wurde, war mir klar: Ich will ein Teil davon sein, das wird etwas ganz Tolles!

Katie: Was hat dich ganz konkret dann dazu motiviert, mitzumachen?

Almuth: Meine Motivation war am Anfang eher eigennützig: Ich wollte wieder eine bessere Beziehung zu meinem Gott bekommen. Daran arbeite ich auch immer noch (schmunzelt). Mittlerweile steht für mich im Vordergrund, auch anderen Jugendlichen, die mit ihrer Religion hadern oder nicht wissen, wie Gott in ihren Alltag passen kann, zu zeigen, dass es eigentlich ganz einfach ist – und eine schöne und bereichernde Sache noch dazu!

Katie: Übernimmst du bei New Ground eine bestimmte Aufgabe?

Almuth: Ich bin eine der Gitarristinnen in unserer Band. Wir begleiten unsere Gottesdienste immer selbst – meistens mit modernen Worship-Liedern.

Katie: Was genau sind denn Worship-Lieder?

Almuth: Worship-Lieder kann man als englisches Pendant zum deutschen Lobpreis betrachten. Die englischen Lieder sind einer der Wege, gezielt junge Menschen anzusprechen, da man sich mit ihnen meistens wohler fühlt als beim Singen von steifen und altbackenen deutschen Liedern aus dem Gotteslob. Mein Lieblingslied ist „Lord I need you“. Direkt danach kommt „Laudato si“ (schmunzelt).

 Katie: Und neben der Band? Was machst du sonst noch?

Almuth: Jeder trägt auch bei der Gottesdienstplanung seinen Teil zum Gelingen bei. So habe ich beispielsweise das Improvisations-Krippenspiel für unsere Christmette im Stall geschrieben. Jeder hat einen Aufgabenbereich, kann sich aber immer überall mit einbringen. Ich denke, dass das ein Grund ist, warum New Ground so lebendig ist.

Katie: Was findest du denn an New Ground ganz besonders?

Almuth: Wir sind so viele unterschiedliche Leute, die sich alle dafür einsetzen, dass unsere Kirche jugendlich bleibt und mit der Zeit geht. Das ist ja meistens ein Kritikpunkt von jungen Menschen, die sich mit der konservativen Kirche nicht identifizieren können. Wir wollen zeigen, dass Gott überall ist – nicht nur in der Kirche. Daher feiern wir unsere Gottesdienste ja in Kneipen, Fußballstadien oder eben auch im Stall. Gott ist ja nicht in seiner Kirche eingesperrt. Deshalb holen wir ihn nach draußen auf die Straße und zeigen den Leuten: Hey, Gott ist mitten unter euch! Ihr müsst nur die Augen aufmachen!

Katie: Gab es im vergangenen Jahr dabei für dich ein bestimmtes Highlight?

Almuth: Mein persönliches Highlight war, dass New Ground in nur einem Jahr so weite Wellen geschlagen hat! Immer öfter werde ich auf New Ground angesprochen und gefragt, was wir als Nächstes machen wollen. Das motiviert, unbedingt weiterzumachen. An meiner Pinnwand hängen mittlerweile zahlreiche Zeitungsausschnitte von unseren Aktionen, das macht mich stolz und zeigt mir, dass wir etwas bewegen können! Schmunzeln musste ich über eine Kritik, in der es hieß, wir würden christliche Werte untergraben und die Liturgie missbrauchen, da wir statt Hostien Brotstücke bei der Kommunion verteilt haben und im Fußballstadion keinen Altar hatten. Wir scheinen also eine ernst zu nehmende Gefahr für das Christentum zu sein! Eine kleine Jugendgruppe aus dem Sauerland. Das ist eine ganz schön beachtliche Leistung, wie ich finde (lacht). Aber darüber hinaus war ein absolut gigantisches Erlebnis das Konzert von Samuel Harfst im August, das wir organisiert haben. Auch der Gottesdienst zu Weihnachten, den wir in einem Stall, umgeben von Kühen gefeiert haben, mit einem Altar aus Stroh, war eine unvergessliche Erfahrung für mich. So erlebt man Kirche ganz anders.

Katie: Was wünschst du dir für New Ground in der Zukunft?

Almuth: Ich wünsche mir, dass wir mit unseren Aktionen auch weiterhin einen Nerv treffen und nicht an Kreativität nachlassen. Denn, dass New Ground anders ist, macht uns in meinen Augen zu etwas Besonderem – und wie das letzte Jahr gezeigt hat, kommt das vor allem bei der jüngeren Generation gut an. Wo sonst unterhalten sich Jugendliche am Montagmorgen begeistert über den Gottesdienst? Es wäre schön, wenn noch mehr Leute mitmachen und sich engagieren würden, damit New Ground so schön bunt bleibt. Außerdem hoffe ich, dass auch diejenigen von uns, die mittlerweile studieren oder in diesem Jahr mit dem Studium beginnen, noch weiter bei unserer Initiative mitwirken können.

Katie: New Ground ist also für dich wirklich Teil des Alltags geworden. Was bedeutet denn für dich im Alltag dein Glaube?

Almuth: Durch New Ground ist mir wieder bewusst geworden, dass mein Glaube eine wichtige Stütze für mich sein kann – egal, ob es mir gut oder schlecht geht, ob ich glücklich bin oder total im Stress. Mittlerweile ist mir Gott wieder richtig ans Herz gewachsen, weil ich einen Weg gefunden habe, ihn auch in meinem Alltag wieder zu finden. Ich bin sehr dankbar, dass sich durch New Ground diese Möglichkeit für mich aufgetan hat. Glaube ist für mich auch eine Verbindung zu anderen Menschen geworden, die so denken wie ich und sich für dieselben Ziele einsetzen. Das ist ein unglaublich schönes Gefühl.

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