„Woll“ hat es in die FAZ geschafft

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Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet über die Aktion „Woll in den Duden“ von Radio MK

Zahlreiche Zeitungen in Westfalen und darüber hinaus haben in den letzten Tagen über die Aktion „Woll in den Duden“ von Radio MK berichtet. So zum Beispiel  am 3. März die Ruhr Nachrichten in Dortmund. Der Beitrag schließt mit dem Satz: „Und wer weiss, vielleicht wird ja mit Duden-Hilfe auch in „ne“-Land bald wieder mehr „woll“ gesprochen.

IMG_2302Den jorunalistischen Ritterschlag bekam die Aktion aber gestern auf der ersten Feuilleton-Seite der renomierten FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung.   Leider ist der Bericht nicht online verfügbar. Wir erlauben uns den vollstänidgen Bericht hier im Sinne aller Sauerländer, die wollen, dass „Woll“ in den Duden kommt, abzudrucken.

Woll

Da biste platt, woll?!“, sagt der Sauerländer, und das lässt sich in diesem Fall auch sehr gut nachempfinden. Denn das Wörtchen „woll“, mit dem der Sauerländer gerne einen guten Satz zu Ende bringt, soll in den Duden. Dafür macht sich Radio MK in Iserlohn, dem „Tor zum Sauerland“, in einer Themenwoche stark: „Wir von Radio MK und unsere Hörer sind stolz auf unsere Heimat und unseren Dialekt. Darum wollen wir ‚woll‘ den Platz verschaffen, der ihm zusteht“, teilt der Sender mit und sammelt Unterschriften, die er an die Duden-Redaktion weiterleitet. Dabei geht es um nicht weniger als um eine landsmannschaftliche Gleichstellung, denn was im Süden „gell“ und im Norden „nech“ ist, lautet im Sauerland „woll“, nur dass „woll“, anders als „gell“, eben (noch!) nicht im Duden steht. Was es mit „woll“ so alles auf sich hat, das kann sehr schön Dr. Werner Beckmann erklären, der in Cobbenrode, einem Ortsteil von Eslohe, das in einem Bilderbuch-Fachwerkhaus beheimatete „Mundartarchiv Sauerland“ hütet: Eine „Formel der Bestätigungserheischung“ sei das, mit deren Gebrauch der Sauerländer überall in der Fremde auffalle. Ob das denn nicht ungewöhnlich sei für den Sauerländer, der – auch so ein Klischee – als dickschädelig, trinkfest und traditionsbewusst gilt, dass er mit „woll“ in den Duden wolle, wollen wir von Dr. Beckmann wissen: Aber nein, findet der, das sei keineswegs spezifisch sauerländisch, die Menschen hätten einfach das Bedürfnis, sich mit ihrer Sprache zu identifizieren. Was übrigens, sagt Dr. Beckmann, mit „woll“ bis tief ins Ruhrgebiet hinein möglich sei, denn auch in Dortmund werde noch „woll“ gesagt, und erst hinter Bochum-Langendreer verlaufe die Grenze zum „ne“. Auch in die Literatur hat „woll“ längst Eingang gefunden, wie uns ein kluger und sehr belesener Kopf verrät, der, geboren in Meinerzhagen, Abitur in Lüdenscheid, verheiratet mit einer Dortmunderin, bekennender Sauerländer ist. Dass er auf den „Tell“, wenn auch nicht von, sondern nur nach Schiller verweist, ist insofern keine Überraschung, als er in Marbach am Neckar das Deutsche Literaturarchiv leitet: „Der Pfeil traf tödlich — einen Wurm, der in dem Apfel wohnte. Erst war es still, dann brach ein Sturm des Jubels los, der’n Schützen lohnte! Man rief: ‚Ein Hoch dir, Willi Tell! Jetzt gehn wir einen trinken, gell?‘“, reimt Heinz Erhardt in seinem Gedicht „Der Apfelschuss“, das den Schluss auch in einer „westfälischen Fassung“, eigentlich einer „sauerländischen“, korrigiert Dr. Beckmann, anbietet: „Man rief: ‚Der Tell, der schießt ja toll! Jetzt gehn wir einen trinken, woll?‘“ Unser Gewährsmann, der Sauerländer auf der Schillerhöhe, kommentiert es stolz: „Danach erübrigt sich der Duden. Wir sind schon auf dem Parnass, woll?!“      aro.

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