Hasse schonn gehört? – Teil 4

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Fragen Sie Dr. Nürsel

Frage:

Lieber Dr.Nürsel! Hasse schonn gehört, dass der Sauerländer Jugend von heute angeblich alles total egal ist?

 Dr. Nürsel:

Jau. Das finde ich aber nicht so schlimm, auch wenn ich als Sauerländer das „wurst“ dem „egal“ vorziehe. Hauptsache, die Kinder kommen in der Schule einigermaßen mit und auf Schützenfest zum Eierbacken nicht ausgerechnet in unsere Küche. Viel bedenklicher finde hingegen ich die nachlässige Steigerung des schönen Wörtchens zu „egal“ zu „total egal“, hier bietet unsere Sprache deutlich schönere Alternativen. Da es aber noch etwas dauern wird, bis Sauerländer Chrammatikübungen wieder Teil des Lehrplans an unseren Schulen werden, übernehme ich hiermit den Egal-Unterricht.

„Egal“ lässt sich, im Gegensatz zum Hochdeutschen, vom Positiv über den Komparativ bis zum Superlativ auf Sauerländisch wunderbar steigern. Richtig, Ömmes, ähnlich wie bei „groß, größer, am größten“. Steigern wir also gemeinsam mal „egal“. Ömmes, du fängst an.

„Egal, egaler, am egalsten.“

Netter Versuch, Ömmes, trotzdem eine Fünf minus, denn korrekterweise lautet es so: Egal, piepegal, schnurzpiepegal. Und es geht noch weiter, über den ElativDas geht mir am Arsch vorbei“ bis zum Exzessiv „Das geht mir volle Kanne am Arsch vorbei“. Da ist es dann sogar egal, dass beiden Fällen gar kein „egal“ mehr vorkommt.

Das im Elativ und Exzessiv verlorene „egal“ finden wir erst im Sauerländer Hosenlängenvergleich wieder: Didis Buxe hat unegale Beine (für Buiterlinge: Dietrichs Hosenbeine sind nicht gleich lang). Stellen wir uns nun vor, Dietrich arbeitet als Model in der internationalen Modewelt und soll die neueste Hosenkollektion eines berühmten Couturiers präsentieren. Dabei stellt der Modeschöpfer fest, dass Didi das neue Beinkleid mit den ungleichmäßig abgesteckten Hosenbeinen nicht wirklich gut steht.

egalEr ruft Dietrich also zu: Didi! Die unegale Buxe lässt dir nich!

Worauf Didi antwortet: Das ist mir schnurzpiepegal, Herr Lagerfeld!“

Dann springt Didi auf den Laufsteg und die unegale Buxe wird trotz aller Zweifel von Herrn Lagerfeld zum Trend der Saison. So kannz gehen inner Weltgeschichte, und mittendrin mal wieder ein Sauerländer, woll.

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