Benjamin Moser gibt begeisterndes Solokonzert auf Gut Glindfeld

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Anrührende Poesie und Dramatik auf dem Klavier

BenjaminMoserErleichtert und dankbar: Benjamin Moser nach seiner begeisternden Glanzleistung

Was Poesie oder auch Dramatik ist, fällt auf Anhieb nicht leicht zu erklären. Wer beim ersten Konzert des Kulturrings Medebach auf Gut Glindfeld dabei war, dürfte nach diesem Erlebnis klarer sehen. Der brillante Soloauftritt Benjamin Mosers am Flügel lieferte eindrucksvoll sowohl für Poesie als auch Dramatik Anschauungsunterricht über das Zuhören.

Das beinahe zweistündige auswendig vorgetragene Programm startet im ersten Teil mit Schuberts B-Dur-Sonate D 290. Sie bildet vielerlei menschliche Gestimmtheiten ab: Heiterkeit, tiefes lyrisches Empfinden in großer Bandbreite, aber auch immer wieder anklingend Schuberts Ahnung seines nahe bevorstehenden Endes.

Im zweiten Teil zu Beginn Edvard Griegs „Vier lyrische Stücke“. Sie lassen beim Zuhörer Bilder von dessen norwegischer Heimat wach werden: schmelzende Wasser im Frühling, Schmetterlinge stellen sich in ihren sehr bewegten Abläufen dem Zuhörer vor, ebenso die für Norwegen charakteristischen Trolle, die sich sowohl als lustige, aber auch Unglück verheißende Gesellen erweisen.
Mit Claude Debussys „Clair de Lune“ und Maurice Ravels „Ondine“ hatte sich B. Moser zwei weitere Werke mit sehr hohem pianistisch technischem Anspruch ausgesucht. Das glitzernd perlende Mondlicht („Clair de Lune“) bildet hier gleichsam die passende Kulisse für die Geschichte um die magisch verzaubernde Meerjungfrau „Ondine“ . Zwei Stücke für Virtuosen auf dem Klavier, zu denen man Benjamin Moser absolut zählen muss.

Die „Fantasie Op. 28“ von A.N. Skrjabin zum Schluss bildete den Höhepunkt. Sowohl dem Instrument als auch dem Künstler verlangt sie in ihrer Dramatik alles ab. Eins der schwierigsten Werke für das Klavier – wirkt es durch seine Komposition wie durch die gekonnte virtuose Darbietung des Künstlers, als ob ihm hier mit der Schichtung von Akkorden und Klängen und rasanten Tonläufen die Klanggewalt einer Orgel zur Verfügung gestanden hätte.

Mit dem vertrauten Stück aus Schumanns „Kinderszenen“ („von fremden Ländern und Menschen“) als Zugabe führt Benjamin Moser sein Publikum wieder in ruhigere Gefilde zurück nach einem Abend zahlreicher Bilder, Empfindungen und stürmischer Bewegung – erzeugt durch die überragenden Kunst seines Klavierspiels.

Nach weltläufigen Aufführungsorten wie z. B. New York, Tokyo, Argentinien, London, Moskau u.a. reiht sich nun zum zweiten Male das zu Medebach gehörende Glindfeld ein.

Die begeisterten Zuhörer darf es freuen: Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein.

 

 

 

 

Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Hoffe, sehr geehrte Damen und Herren.

    Wir bedanken uns für die schnelle und ausführliche Berichterstattung über das Konzert mit dem Pianisten Benjamin Moser.

    Herzliche Grüße
    Kulturring Medebach
    Karl Josef Linn
    (Vors.)

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