Tröten , Trillerpfeifen und der Wind

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Windkraft-Gegner verteilen vor der Diskussion mit Umweltminister Johannes Remmel Tröten und Trillerpfeifen in der Schützenhalle. Die wurden reichlich genutzt, als Remmel den Windkraft-Gegnern vorwarf, für Atomkraft zu sein. Foto: Jörg Taron

Windkraft-Gegner verteilen vor der Diskussion mit Umweltminister Johannes Remmel Tröten und Trillerpfeifen in der Schützenhalle. Die wurden reichlich genutzt, als Remmel den Windkraft-Gegnern vorwarf, für Atomkraft zu sein.
Foto: Jörg Taron

Von Jörg Taron

Windkraft soll helfen, die Energiewende voranzutreiben. Doch im Sauerland spalten die Windkraft-Pläne der Bezirksregierung derzeit ganze Orte. Auf der einen Seite stehen die Ökostrom-Befürworter und all jene, die sich zum Beispiel durch die Verpachtung von Flächen gute Geschäfte versprechen. Auf der anderen Seite haben viele Menschen Angst, dass die Landschaft ihr Erscheinungsbild grundsätzlich ändern wird, wenn auf den Bergen bis zu 200 Meter hohe Windmühlen in den Himmel ragen. Und die Nachbarn der geplanten Flächen sorgen sich um ihre Gesundheit und Lebensqualität: Sie fürchten Schlagschatten, Infra-Schall und die Windgeräusche. All das war der Zündstoff, der am Mittwoch in der Schützenhalle in Bödefeld für hitzige Diskussionen sorgte. Der Radiosender WDR 5 hatte zum Stadtgespräch eingeladen.

Kaum noch freie Plätze: Das Interesse an der vom Radiosender WDR 5 organsierten Diskussionsveranstaltung war groß. Die meisten waren gekommen, um vor allem dem Umweltminister ihre Sorgen mitzuteilen. Viele befürchten neben der Veränderung des Landschaftsbildes auch persönliche Folgen, wenn Windräder in der Nähe ihrer Häuser gebaut werden. Schlagschatten, Infra-Schall oder die Geräuschentwicklung sorgen die Menschen. Foto: Jörg Taron

Kaum noch freie Plätze: Das Interesse an der vom Radiosender WDR 5 organsierten Diskussionsveranstaltung war groß. Die meisten waren gekommen, um vor allem dem Umweltminister ihre Sorgen mitzuteilen. Viele befürchten neben der Veränderung des Landschaftsbildes auch persönliche Folgen, wenn Windräder in der Nähe ihrer Häuser gebaut werden. Schlagschatten, Infra-Schall oder die Geräuschentwicklung sorgen die Menschen.
Foto: Jörg Taron

Gekommen waren rund 700 Bürger aus dem Sauerland, dem Siegerland und zum Teil sogar aus noch weiterer Entfernung. Sie wollten vor allem ihre Sorgen loswerden. Und da wähnten sie sich mit Umweltminister Johannes Remmel an der richtigen Adresse. Neben dem Minister saßen noch der Schmallenberger Bürgermeister Bernhard Halbe, der NABU-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck, der Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien, Jan Dobertin und Michael Guse von der Bürgerinitiative Gegenwind aus Siegen auf dem Podium.

Doch vor allem der Minister sorgte für Aufregung: Als er den Windkraftgegern vorwarf, für Atomkraftwerke zu sein, griffen diese zu den zuvor verteilten Tröten und Trillerpfeifen. Doch insgesamt verlief das Gespräch sehr sachlich, die Bürger hatten viel Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen. „Das hat aber nicht viel gebracht“, sagen viele nach der Diskussion. Denn die Fronten sind verhärtet.

Umweltminister Remmel

Umweltminister Remmel Foto:Jörg Taron

Die Energiewende funktioniere nicht ohne Windkraft, machte Remmel deutlich. Und wenn man zu hohe Maßstäbe anlege, und die Windräder die zehnfache Höhe als Mindestabstand zur nächsten Bebauung einhalten müssten, gebe es in NRW keine Windräder. Doch die zum Teil wütenden Zuhörer sehen vor allem die Landschaft und damit auch den Tourismus bedroht. „Wir werden uns alle vielleicht die Augen reiben“, sagte der Chef des Sauerland-Tourismus, Thomas Weber. Denn eine der schönsten Landschaften Deutschlands werde ihr Gesicht durch die Windräder verändern. Andererseits gab er zu bedenken, dass Deutschland sich möglichst weit unabhängig machen müsse von Energie-Importen. „Das sieht man ja derzeit an Russland.“

Das Podium .... Umweltminister Johannes Remmel, Michael Guse von der BI Gegenwind aus Siegen, Bürgermeister Bernhard Halbe, Jan Dobertin vom Landesverband Erneuerbare Energien und Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW. Foto: Jörg Taron

Das Podium …. Umweltminister Johannes Remmel, Michael Guse von der BI Gegenwind aus Siegen, Bürgermeister Bernhard Halbe, Jan Dobertin vom Landesverband Erneuerbare Energien und Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW.
Foto: Jörg Taron

Josef Tumbrinck sieht sich in seiner Funktion als NABU-Chef auch als Anwalt der Natur. „Wir können nicht die Kohle, die unsere Erde vergraben hat, verheizen“, machte er klar. Die Energiewende sei notwendig, aber: „Man darf den Artenschutz darüber nicht vergessen.“ Tiere hätten keine Anwälte und deshalb müsse der NABU für bedrohte Arten gegen die Windkraft vor Gericht ziehen.

Die Angst, dass Urlauber das Sauerland meiden, wenn die Windkraft ausgebaut wird, wollte Jan Dobertin nicht gelten lassen: Es habe sich an der Nordsee gezeigt, dass dem nicht so ist.

Remmel gestand den Bürgern zu, dass die Veränderungen schon spürbar werden. Das liege aber daran, dass NRW und insbesondere Südwestfalen bisher noch nicht viele Windkraft-Flächen hätten. „Das Potenzial ist hoch und der Bestand derzeit sehr niedrig“, sagte Remmel.

Am Ende der einstündigen Diskussion hatten Befürworter und Gegner ihre Standpunkte deutlich gemacht. Eine Annäherung war aber nicht zu erkennen. Das besorgt Bürgermeister Halbe: Er befürchtet, dass eine Spaltung durch die Dörfer gehe. „Es kann aber nicht sein, dass man deshalb nicht mehr gemeinsam zum Schützenfest geht.“

Schmallenbergs Bürgermeister Bernhard Halbe machte auf dem Podium seine Probleme deutlich. Durch die von der Bezirksregierung ins Gespräch gebrachten Windkraft-Flächen werde die Kommunalpolitik entmündigt, mahnte er. Vor diesem Hintergrund sei auch den Bürgern das Thema nur äußerst schwer zu vermitteln. Außerdem sieht er die Gefahr einer Spaltung der Dorfgemeinschaften in Befürworter und Gegner. "Es kann aber nicht sein, dass man deshalb dann nicht mehr gemeinsam beim Schützenfest feiern kann." Foto: Jörg Taron

Schmallenbergs Bürgermeister Bernhard Halbe machte auf dem Podium seine Probleme deutlich. Durch die von der Bezirksregierung ins Gespräch gebrachten Windkraft-Flächen werde die Kommunalpolitik entmündigt, mahnte er. Vor diesem Hintergrund sei auch den Bürgern das Thema nur äußerst schwer zu vermitteln. Außerdem sieht er die Gefahr einer Spaltung der Dorfgemeinschaften in Befürworter und Gegner. „Es kann aber nicht sein, dass man deshalb dann nicht mehr gemeinsam beim Schützenfest feiern kann.“
Foto: Jörg Taron

 

 

 

 

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