Ein Hawerländer aus dem Sauerland

Print Friendly

Pfarrer Heinz Reperich ist tot

Die Nachricht verbreitete sich am Donnerstag dieser Woche im Hawerland wie ein Lauffeuer: ‚“Pastor Reperich ist gestorben“. Nur anderthalb Jahre nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand hat eine schwere Krankheit seinem wirkungsvollen und prägenden Leben für unsere Region und seinem Leben hier auf Erden ein Ende gesetzt. Unserem WOLL-Magazin war der Verstorbene von Anfang an wohlwollend verbunden. Er war nicht nur ein treuer Abonnent unseres Magazins, er hat uns auch immer wieder Rede und Antwort gestanden. Im Juni 2013  führte unser  Redakteur Tiny Brouwers mit Pastor Reperich ein Gespräch über die Verabschiedung in den Ruhestand und seine neuen Aufgaben und Ziele. Das Interview veröffentlichen wir hier nochmals. Im stillen Gedenken werden wir das Wirken von Pfarrer Heinz Reperich für unsere Gemeinden und Dörfer in Erinnerung und in Ehren halten.

pastor_reperich_5

Pfarrer Heinz Reperich ist tot. Sein Wunsch: die Pflege der dörflichen Kostbarkeiten.

 

Beitrag aus dem WOLL-Magazin Sommer 2013

Sein Wunsch: die Pflege der dörflichen Kostbarkeiten

Pfarrer Heinz Reperich aus Wormbach wird verabschiedet

pastor_reperich_4Die Ereignisse werden schnell aufeinanderfolgen. Pfarrer Heinz Reperich aus Wormbach wird am 8. Juni 70 Jahre alt. Dann verabschiedet er sich am 30. Juni auf dem Patronatsfest der Urpfarrei Peter und Paul von seiner Gemeinde. Und die Tage und Wochen danach nutzt er, um aus dem Pfarrhaus in eine andere Wohnung in Wormbach umzuziehen. Am Vorabend all dieser Aktivitäten hat WOLL ein Gespräch mit dem gebürtigen Olper geführt. „Nein, ich bin nicht aufgewachsen mit dem Wort ,woll‘, aber mit ,ni‘. Das bedeutet „nicht wahr“. ,Woll‘ und ,ni‘ sind für mich Vergewisserungsworte“, so Pfarrer Reperich. Er ist 1982 in Wormbach angetreten, zuvor war er tätig in Kallenhardt. Bedachtsam gibt er zu: „Wormbach war für mich damals ziemlich unbekannt, obwohl ich gerade einige Postkarten mit Abbildungen von Wormbach in meiner Sammlung gefunden habe. Vielleicht habe ich von Olpe aus mal ein Ferienlager in Wormbach besucht.“

Gedanken und Gefühle

Wenn ein Abschied näher rückt, kommen Gedanken und Gefühle auf. Pfarrer Reperich: „Meine Gedanken sind mit dem Abschied beschäftigt. Ich denke nach, wie der Übergang so gut
wie möglich gestaltet wird. Dafür wird vieles detailliert geplant. Meine Gefühle sind natürlich vielfältig. Wenn man fast 32 Jahre unterwegs war in Wormbach, Berghausen, Arpe und den anderen schönen Dörfern im Hawerland, dann hat man als Seelsorger viel mit Menschen zu tun gehabt. Weil ich in Wormbach wohnen bleibe, muss ich mich nicht radikal von allen verabschieden. Dass ich nicht mehr verantwortlich bin in den Kirchengemeinden, das empfinde ich wirklich als eine Erleichterung. Jede Gemeinde hat ihre ,Baustellen‘, auf denen es immer Arbeit gibt. Wenn man älter wird, braucht man mehr Pausen, um Atem zu holen, tief durchzuatmen. Ich hoffe, dass der liebe Gott mir auch in den kommenden Jahren noch viel Gesundheit gibt.“ Denn Pfarrer Reperich hat noch viel vor. Weil er in Wormbach bleibt, kann er auch künftig bei den Gottesdiensten helfen. Daneben wird er Monate damit beschäftigt
sein, seine Papiere durchzuarbeiten. Er hat viele Fotos und Dias gemacht. Die will er durchsehen. Nicht alles will er wegwerfen, denn die alten Bilder können für viele
Menschen richtige Kostbarkeiten sein.

Kostbarkeiten

Ärgern und sich freuen, das sind zwei Dinge, die zum Zurückblicken gehören. Pfarrer Reperich: „Natürlich gibt es Momente, in denen ein Mensch sich ärgert, aber nach einer
Nacht schlafen ist der Ärger wieder weg. Ich bin locker. Aber die Freude ist immer dagewesen, in großen und kleinen Sachen, zum Beispiel, wenn Menschen helfen wollen bei den Walburga-
Wochen. Das und viele andere Dinge machen Freude. Man spricht über die sturen Sauerländer. Aber das ist ein Vorurteil. Ich habe festgestellt, dass die Menschen im Hawerland sehr zugänglich und sehr liebenswürdig sind.“

Auf die Frage, was er sich für das Sauerland wünscht, wird Pfarrer Reperich ganz deutlich: „Dass man dafür sorgt, dass die Kostbarkeiten und Werte, die diese Landschaft und Menschen
prägen, gepflegt werden. Ich sehe die Tendenz, dass sich immer mehr Leute ein Haus kaufen in einem Dorf und irgendwo anders arbeiten. Wenn diese neuen Einwohner sich nicht kümmern um die Vereine und Strukturen im Dorf, verändert sich die Bereitschaft, sich zu engagieren. Und das hat dann Konsequenzen für das Leben in den Dörfern. Darum müssen die neuen Bewohner sich einbringen“, so Pastor Reperich.

Deine Meinung ist uns wichtig

*