Der Bundespräsident aus dem Sauerland

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Der Esloher Peter Bürger hat über Heinrich Lübke, den Präsidenten aus dem Sauerland einen sehr interessanten und lesenswerten dreiteiligen Telepolis-Beitrag veröffentlicht.

23.9.1968: Bundespräsident Heinrich Lübke empfängt den Präsidenten der westafrikanischen Republik Senegal, Léopold Sédar Senghor. Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F027736-0018/ Gathmann, Jens /CC BY-SA 3.0 DE

23.9.1968: Bundespräsident Heinrich Lübke empfängt den Präsidenten der westafrikanischen Republik Senegal, Léopold Sédar Senghor. Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F027736-0018/ Gathmann, Jens /CC BY-SA 3.0 DE

Heinrich Lübke (1894-1972), der Bundespräsident aus dem Sauerland, war – wie die meisten Politiker – kein Intellektueller. Er wirkte vor Kameras gehemmt und besaß nicht die Gabe des ausgefeilten Wortes, schon gar nicht die der freien Rede. Er drückte sich umständlich aus und machte aus seinen Grenzen keinen Hehl: „Ich bin für das Amt eigentlich wenig geeignet. Es hätte bestimmt bessere Kandidaten als mich gegeben.“

Die auf Schallplatte gepressten Redeausschnitte lassen unverwechselbar den Sauerländer hörbar werden und haben in der ganzen Republik die Lachmuskeln strapaziert. Vieles davon ist – abgesehen von den frei erfundenen, besonders peinlichen „Lübke-Zitaten“[1] – jedoch schon einer schleichenden Krankheit geschuldet. In Lübkes Silvesteransprache von 1964 findet man den vielsagenden Satz: „Ähneln wir nicht zuweilen dem Mann, der sich kurz im Spiegel betrachtet, dann aber fortging und vergaß, wie er aussah?“ Während der zweiten Amtszeit als Bundespräsident kam es aufgrund einer fortschreitenden „Hirnsklerose“ ab Anfang 1967 bei öffentlichen Reden zu regelrechten Aussetzern.

Mit dem Wissen um den Krankheitshintergrund müsste uns das Lachen im Hals stecken bleiben. Dies gibt der eher linke Autor Werner Pieper zu bedenken – in seinem Buch „Die 13 Leben des Heinrich Lübke“ (2004), das viel Verblüffendes, insbesondere auch erstaunlich viele positive Anmerkungen zur Persönlichkeit enthält und den zweiten Bundespräsidenten durchaus nicht als einen Trottel vorführt.

Hier geht es zu den drei Telpolis-Beiträgen.

P. Bürger:
DER PRÄSIDENT AUS DEM SAUERLAND.
Die Geheimnisse des Heinrich Lübke – Teil 1: Unternehmungen zur
Erforschung der privaten Biographie erschreckten das zweite
Staatsoberhaupt der Bundesrepublik.
In: Telepolis, 29.12.2014.
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43625/1.html

P. Bürger:
DIE „VERSCHOLLENE“ PRÄSIDENTEN-BIOGRAPHIE.
Die Geheimnisse des Heinrich Lübke – Teil 2: Warum kam das von einem
Schelmenbuch-Autor verfasste Lebensbild nie zur Auslieferung?
In: Telepolis, 30.12.2014.
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43626/1.html 

P. Bürger:
DER PRÄSIDENT UND DIE VERACHTETEN „KÖTTEN“.
Die Geheimnisse des Heinrich Lübke – Teil 3: Wie eng war das
Staatsoberhaupt mit den vagierenden Korbflechtern bzw. „Jenischen“ des
Sauerlandes verwandt?
In: Telepolis, 01.01.2015.
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43668/1.html

 

WEITERFÜHRENDER BUCH-HINWEIS DAZU (mit Quellenangaben):
P. Bürger: Fang dir ein Lied an! Selbsterfinder, Lebenskünstler und
Minderheiten im Sauerland. Eslohe: DampfLandLeute-Museum.
Bezugsadresse: http://museum-eslohe.de/galerie/
http://www.sauerlandmundart.de/pdfs/daunlots%2068.pdf

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