Meran – Taunus – Sauerland

Print Friendly

Mehr als 900 Kilometer liegen zwischen den drei Regionen und doch gibt es eine Verbindung.

Text und Bilder: Heidi Bücker

hb_elisabeth_florin_04Elisabeth Florin, Autorin des Romans „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“, der lange Zeit weit oben auf der offiziellen Bestsellerliste in Südtirol, davon mehrere Monate auf Platz 1 stand, hat pünktlich zur Buchmesse ihren zweiten Kriminalroman „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ herausgebracht.
Da sie während ihrer Schreibphase immer wieder ins Sauerland kommt, um Ruhe zum Schreiben zu finden und sich inspirieren zu lassen, fand eine Lesung, noch vor der Vorstellung auf der Buchmesse, im Hotel Jagdhaus Wiese in Schmallenberg statt. Vor einer großen Anzahl interessierter Zuhörer zitierte Elisabeth Florin lebhaft und gut gelaunt einzelne Passagen aus ihren beiden Büchern.

 Interview mit der Bestsellerautorin Elisabeth Florin

 WOLL: Beschreiben Sie kurz Ihre Person. Wo leben Sie und welchen Beruf üben Sie aus?

Florin: Aufgewachsen bin ich in Süddeutschland. Seit zwanzig Jahren lebe ich jedoch mit meinem Mann und unserem sehr alten Kater in einem Dorf im Hochtaunus und arbeite als Finanzjournalistin und PR-Beraterin in Frankfurt am Main.
Um flexibler zu sein, übe ich meinen Beruf seit eineinhalb Jahren freiberuflich aus. So habe ich mehr Zeit für die Arbeit an meinen Büchern. Da Finanzbranche und Kriminalliteratur nicht wirklich zusammen passen, schreibe ich unter dem Pseudonym Elisabeth Florin. Mein wahrer Name würde auch nicht so gut klingen. Ich finde der Name Florin passt sehr gut zum Südtiroler Umfeld, dem Schauplatz meiner Romane.

 WOLL: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Florin: Bereits vor zehn Jahren, während einem Urlaub in Meran, hatte ich die Idee, einen Kriminalroman zu schreiben. Ich notierte sogar einige Zeilen auf einem Blatt Papier, welches allerdings wieder für einige Jahre in der Schublade verschwand. Doch irgendwann fiel es mir wieder in die Hände und ich arbeitete daran weiter. Heute findet man diese Seite, leicht abgeändert, noch in meinem ersten Buch.hb_elisabeth_florin_06

Als Finanzjournalistin pendel ich oft zwischen Städten wie Frankfurt und Berlin umher und erhalte so die Zeit, in der Bahn oder dem Flugzeug mal abzuschalten. Dabei entwickeln sich neue Ideen zum Schreiben. Es ist für mich ein Ausgleich zum hektischen Berufsalltag.

 WOLL: Warum spielen Ihre Romane ausgerechnet in Meran?

Florin:Bereits während meiner Ausbildung hatte ich eine enge Bindung zu Südtirol. Meine journalistische Laufbahn begann in Bozen bei dem deutschen Sender der Radiotelevisione Italiana. Auch heute noch verbringe ich so viel Zeit wie möglich in Südtirol, am liebsten in Meran. Der Schauplatz der Kriminalgeschichten befindet sich allerdings jenseits der Urlaubsidylle.

WOLL: Lassen die Namen der Hauptfiguren „Commisario Pavarotti“ und „Lissie von Spiegel“ auf eine gewisse inhaltliche Leichtigkeit schließen?

lorin: Hinter den Namen der beiden ermittelnden Kommissare verbirgt sich eine kleine Wortspielerei, wobei man sich einen beleibten Luciano Pavarotti und eine redselige Lissie von Spiegel gut vorstellen kann. Ihre gegensätzlichen Charaktere verleihen der Geschichte eine gewisse Humoristik gespickt mit etwas schwarzem Humor.

Mein neuer Roman „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ spielt in einer privaten Psychiatrie in Italien. Psychiatrie ist ein komplexes Thema. Mir liegt daran, so authentisch wie möglich zu schreiben, daher habe ich viel recherchiert, Psychiatrien besucht und mit einem praktizierenden Psychiater gesprochen. Mit ihm stand ich während der ganzen Zeit in Kontakt.

Letztendlich führt die Kriminalgeschichte in die Vergangenheit und verbindet den gemeinsamen zeitgeschichtlichen Inhalt von Italien und Deutschland.

WOLL: Warum kommen Sie zum Schreiben ins Sauerland?

Florin: Vor zehn Jahren haben mein Mann und ich auf der Durchreise zufällig das Hotel Jagdhaus Wiese entdeckt. Bei einer Tasse Kaffee war mir damals klar, dass ich nicht das letzte Mal dort sein würde.
Wenn ein Buch in die entscheidende Schreibphase geht oder wenn noch Ideen fehlen, komme ich hierher zum Schreiben. Am liebsten schreibe ich im Erkerzimmer. Dort habe ich meinen festen Fensterplatz. Der Blick hinaus in die Natur und die Ruhe, die mich dort umgibt, inspirieren mich.

 WOLL: Was gefällt Ihnen besonders am Sauerland?

Florin: Das Gefühl, beim Betreten des Hotels „angekommen zu sein“, so als ob das Haus schon auf mich gewartet hätte. Und die herrliche Natur, von der ich hier umgeben bin mit den ausgedehnten Wäldern. Man kann direkt vom Haus aus wunderbare Touren unternehmen. Hier finde ich die Distanz zu meinem normalen schreiberischen Umfeld, werde nicht abgelenkt und bin umgeben von einer angenehmen Atmosphäre.

WOLL: Vielen Dank für das interessante und sehr nette Gespräch. hb_elisabeth_florin_13

 

Zum Inhalt des neuen Kriminalromans:

„Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“

Pavarottis zweiter Fall

Ein Mord in einem Privatsanatorium für psychische Störungen in Meran stellt Commissario Pavarotti vor ein Rätsel. Das Opfer zu identifizieren, scheint zunächst eine Routineangelegenheit: Der Mann war Chefingenieur eines italienischen Kreuzfahrtschiffes und hatte wegen einer verhängnisvollen Entscheidung im Dienst einen psychischen Zusammenbruch erlitten. Doch dann stellt sich heraus, dass der Ermordete unter falschem Namen gelebt hat. In dem Verwirrspiel um seine Identität wird Pavarotti in der psychiatrischen Klinik mit seinen eigenen Ängsten konfrontiert.

Lissies Recherchen führen sie zunächst auf das Schiff des Ermordeten und hinaus aufs Tyrrhenische Meer, bis plötzlich eine Spur nach Frankfurt weist – zurück in die achtziger Jahre, eine Zeit, die Lissie am liebsten vergessen möchte. Der Fall entwickelt sich zu einer quälenden Jagd nach dem Opfer und seinem Mörder gleichermaßen. Ein Psychiatriethriller, der nicht nur die italienische Psychiatriereform der 80er thematisiert, sondern die Schwächen der Psychiatrie und ihrer Vertreter aufs Korn nimmt. Vertraue niemandem, und schon gar nicht deinem Psychiater …

Deine Meinung ist uns wichtig

*