Die Zigarre – von Havanna bis nach Meschede

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Zigarre rauchen: Für viele ist das ein Symbol von Macht, Geld und Exklusivität. Aber die Zeiten sind längst vorbei und das Tabakerzeugnis ist heutzutage für jedermann erschwinglich. Gute Zigarren, so weiß man, stammen aus Kuba. Aber dass man vor knapp 150 Jahren Zigarren auch im Hochsauerlandkreis drehte, ist vielen gar nicht bekannt.

Von Kuba in die ganze Welt
Zwar gibt es heutzutage auch die maschinelle Produktion von Zigarren, doch echte Aficionados schwören auf handgerollte Exemplare, am liebsten aus Kuba. Dort, so wie in vielen anderen mittel- und südamerikanischen Staaten, wird dieser Vorgang genau kontrolliert, um eine hohe Qualität des Endproduktes zu gewährleisten.

Der Ursprung der Zigarre
Woher stammt eigentlich der dicke Stumpen? Als erster Europäer soll Kolumbus mit der Tabakpflanze in Kontakt gekommen sein: Bei seinen Reisen in die Neue Welt im 15. und 16. Jahrhundert beobachtete er, wie die indigenen Völker in Südamerika die Pflanze rauchten – auch in zigarrenähnlichen Formen. Die Kolonialzeit ebnete diesem Brauch den Weg: Der Franzose Jean Nicot brachte den Tabak als Heilpflanze nach Frankreich. Nach ihm ist heute der Wirkstoff Nikotin benannt. Es dauerte nicht lange und die Zigarre wurde im 19. Jahrhundert europaweit sehr populär und die Herstellung derselben entwickelte sich zu einem Industriezweig von großer Bedeutung – auch in Deutschland.

Zigarrenproduktion in Meschede
Auch im Hochsauerlandkreis florierte die Produktion. In Meschede gründete im Jahre 1863 Josef E. Kremer eine Zigarrenfabrik, die zwei Jahre später durch die Gebrüder Schulte übernommen wurde. Stammsitz des Unternehmens war an der Ruhrstraße, es gab aber auch andere Standorte in der Stadt: Wo später einmal die Post sein sollte, standen Gebäude, die als Lager- und Produktionsräume dienten.

1838 wurde die Pfarrkirche Beatae Virginis abgerissen, an ihrer Stelle entstand im Rebell (so auch noch der heutige Straßenname) eine neue Schule. Diese wurde 1895 von den Gebrüdern Schulte als weiterer Produktionsstandort dazugepachtet, nachdem die Emhildisschule 1891 eröffnet und der Unterricht dorthin verlegt wurde. Bis zu ihrer Zerstörung durch Bomber der Alliierten am 19. Februar 1945 drehte man dort „dicke Havannas“.

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