Über Konfessiongsgrenzen hinaus

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Gleidorf/Raumland. „Viele Jahrhunderte bildete das Rothaargebirge nicht nur eine Landes-, sondern auch eine Konfessionsgrenze. Das änderte sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts allmählich. So kam im Jahre 1807 aus Arfeld der Hammerschmied Johannes Jodokus Richstein nach Gleidorf. Alsbald holte er seine Ehefrau und seien Eltern nach. Diese erste evangelische Familie legte den Grundstein für evangelisches Leben in Gleidorf.“ Wenn man jene Sätze im 1981 erschienen Buch „Die Evangelische Kirchengemeinde Gleidorf – Schmallenberg – Fredeburg im Wandel der Zeit “von Walter Opitz liest, dann wundert man sich auch gar nicht mehr so sehr darüber, dass die Evangelische Kirchengemeinde Gleidorf im Hochsauerland zum Wittgensteiner Kirchenkreis gehört. Im Spirituellen Sommer – ein Ergebnis des Regionale-Projekts „Wege zum Leben. In Südwestfalen.“ – erinnert jetzt eine ganze Veranstaltungsreihe an diese alte Verbindung über den Rothaarkamm.

 

Künstlerin Gabrile Schulz

Künstlerin Gabrile Schulz

Dafür wird quer durch den Kirchenkreis Wittgenstein unter der Überschrift „Wege durch Raum und Zeit“ eine geistige und vielleicht auch geistliche Brücke geschlagen zwischen der 750 Jahre alten Evangelischen Kirche in Raumland und der ebenfalls Evangelischen, aber gerade mal erst 60 Jahre alten Auferstehungskirche Gleidorf. Die Schmallenberger Bildhauerin Gabriele Schulz zeigt an beiden Orten Objekte und Installationen aus Materialien wie Schiefer und Zellulose. Sensibel setzt sich die Künstlerin mit der Spiritualität der Kirchenräume, mit deren Geschichte und ästhetischem Erscheinungsbild auseinander. Symbole und Zeichen des Göttlichen und Spuren des Menschlichen vereint die Künstlerin in beiden Kirchen zu einer Installation, die in Form und Material den Weg durch Raum und Zeit versinnbildlicht. Verbindendes Element sind zwei große Kelche, geformt aus Zellulose und bedeckt mit feinen Salzkristallen. Eigens für die Ausstellungen hat die Künstlerin zudem schlicht-eindringliche Schuhformen geschaffen – Symbole für die Wander- und Pilgerbewegung.
Der Auftakt des Veranstaltungsreigens ist am Freitag, 11. Juli, um 17 Uhr in der Raumländer Kirche, ab 19 Uhr dann in der Gleidorfer Auferstehungskirche. Ein Shuttle-Bus sorgt dafür, dass Interessierte – auch ohne selbst zu fahren – an beiden Eröffnungen teilnehmen können. Dafür sieht der Ablauf folgendermaßen aus: Um 16 Uhr startet der Bus in Gleidorf an der Bundesstraße unterhalb der Kirche und bringt seine Mitfahrer pünktlich zur Eröffnung in Raumland, dort startet der Bus um 18 Uhr wieder in Richtung Gleidorf, um die Eröffnungs-Besucher pünktlich an der Auferstehungskirche zu haben. Die Rückfahrt für die Wittgensteiner nach Raumland steht um 21 Uhr an. Die Ausstellungen sind bis Freitag, 22. August, zu sehen, täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr.

Auferstehungskirche Gleidorf

Auferstehungskirche Gleidorf

Zudem beginnt am Sonntag, 20. Juli, um 10.30 Uhr ein besonderer Gottesdienst in der Raumländer Kirche, der das Psalmwort „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“ in den Mittelpunkt stellt. Dem schließt sich eine Kirchenführung und ein Gespräch mit Gabriele Schulz ab 11.30 Uhr an. Am Donnerstag, 24. Juli, findet an gleicher Stelle ab 19 Uhr ein Werkgespräch mit der Künstlerin statt. Analog dazu findet am Sonntag, 3. August, ab 10 Uhr ein besonderer Gottesdienst in der Gleidorfer Auferstehungskirche statt. Auch hier geht es um ein Psalmwort, nämlich: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Etwa um 11 Uhr beginnt eine spirituelle Kirchenführung und eine Gespräch mit der Schmallenberger Bildhauerin. Das Werksgespräch mit Gabriele Schulz in der Auferstehungskirche findet am Donnerstag, 21. August, ab 19 Uhr statt.
So weit, so gut, so erwartbar, wenn sich Kunst und Kirche begegnen. Aber mittendrin gibt es noch einen ganz außergewöhnlichen Termin. So wie sich in früheren Zeiten Wittgensteiner auf den Weg ins Sauerland machten, um dort zu arbeiten, zu leben, heimisch zu werden, so macht sich am Samstag, 2. August, eine Wandergruppe auf ihren Weg durch Raum und Zeit. Und zwar zu Fuß. Um 10 Uhr geht es los an der Raumländer Kirche, der Urpfarrei des nördlichen Wittgensteins. Aus der Dichte und Geborgenheit des sakralen Raumes der Raumländer Kirche aufbrechend geht es um die gemeinsame Erfahrung des Unterwegsseins. Unterbrochen wird die Wanderung durch spirituelle Impulse auf dem Weg und ein gemeinsames Picknick. Ziel ist die Auferstehungskirche in Gleidorf, wo der zweite Teil der Kunstinstallation die Reise auch gedanklich beschließt. Das Ende der Veranstaltung ist für 18 Uhr geplant. Auch hier wird es wieder einen Shuttle-Service per Bus geben.
Und wer heute denkt, dass solch eine einmalige Wanderung von knapp 25 Kilometern Länge schon sehr lang ist, der kann nochmal bei Walter Opitz nachschlagen: „Die Richsteins und deren Nachkommen sind noch viele Jahre lang zu Fuß über Oberkirchen nach Girkhausen (17 Kilometer) zum sonntäglichen Gottesdienst gegangen oder über Jagdhaus nach Wingeshausen (20 Kilometer).“
Weitere Informationen gibt es bei der Gleidorfer Pfarrerin Elisabeth Grube unter Tel. (02972) 4833341 oder nach einer E-Mail an elisabeth.grube@t-online.de sowie beim Raumländer Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer unter Tel. (02751) 5456 oder durch eine E-Mail an dirk.spornhauer@kg-raumland.de. Insbesondere für die Shuttle-Angebote ist eine Anmeldung aus organisatorischen Gründen unbedingt notwendig, für den Bus-Pendeldienst wird ein Unkostenbeitrag erhoben.

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