Weltkulturerbe Kloster Corvey

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Weltkulturerbe Corvey – Historische Beziehungen zu Obermarsberg

Obermarsberg/Corvey. Herzlichen Glückwunsch – Wir sind Weltkulturerbe! Westfalen kann ab sofort eine erste Weltkulturerbestätte aufweisen. Am Samstag hat die UNESCO das Kloster Corvey zum Weltkulturerbe ernannt.

Dieses Luftbild zu Obermarsberg aus der Zeit um 1945 zeigt die Stiftskirche, das ehemalige Benediktinerkloster und die daran angrenzende ehemalige Zehntscheune

Dieses Luftbild zu Obermarsberg aus der Zeit um 1945 zeigt die Stiftskirche, das ehemalige Benediktinerkloster und die daran angrenzende ehemalige Zehntscheune

Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen gab dieses in Doha im Golfstaat Katar bekannt. Deutschland hatte die im Jahr 822 gegründete Benediktinerabtei nominiert. Die Abtei gehörte zum geistigen und religiösen Zentrum des damaligen Frankenreiches. Die Anlage mit dem karolingischen Westwerk stand seit 1999 auf der Warteliste für Welterbestätten der deutschen UNESCO-Kommission. Kloster Corvey geht auf die Gründung Ludwig des Frommen zurück, eines Sohns Karls des Großen, der mit diesem Reichskloster den Anspruch über das eroberte Sachsenland festigen wollte.

Das Fensterbild in der Stiftskirche von Obermarsberg: Es zeigt die Wappen von Corvey und Marsberg Seite an Seite und ist auf die engen Beziehungen dieser beiden Orte zurückzuführen.

Das Fensterbild in der Stiftskirche von Obermarsberg: Es zeigt die Wappen von Corvey und Marsberg Seite an Seite und ist auf die engen Beziehungen dieser beiden Orte zurückzuführen.

Und was hat das Ganze jetzt mit Obermarsberg zu tun? Die historischen Beziehungen Obermarsbergs zum Kloster Corvey sind seit der Entstehung dieses Reichsklosters eng miteinander verknüpft. Der Marsberger Geschichts- und Heimatverein „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ hat die vielen Verbindungen vorangegangener Jahrhunderte zwischen Corvey und Obermarsberg durchleuchtet. Das in den Zeiten Karls des Großen (780) gegründete Benediktinerkloster auf der Eresburg (heutiges Obermarsberg) – das Erste im Sachsenland – wurde im Jahr 826 in das Kloster Corvey inkorporiert. Unter der Bezeichnung Propstei existierte eine monastische Gemeinschaft bis zur Aufhebung in 1803 (Säkularisation). Der Marsberger Propst war vollberechtigtes Mitglied des Konvents in Corvey. Die Mitglieder des Konvents in Marsberg entstammten zumeist dem niederen Adel der Region. Der Propstei inkorporiert waren die Pfarreien in Niedermarsberg und Thülen. Für das Jahr 1081 ist Erkenbert von Homburg als erster namentlich bekannter Propst von Obermarsberg belegt. Später in 1107 wurde er Abt von Corvey. Weitere Pröpste in Marsberg waren spätere Äbte oder auch teils vorher Dechanten in Corvey. Neben Abt Erkenbert von Corvey trifft dieses noch für Propst Henrich (1090 Propst in Marsberg, vorher Dechant in Corvey), Propst Thimo (1247 Marsberger Propst, später Abt in Corvey) oder Johann Christoph von Brambach (1618, 1620 Propst in Marsberg, später Abt in Corvey) zu. 1115 empörten sich die Bewohner Obermarsbergs zum ersten Mal gegen die Mönche. Daraufhin veranlasste der Corveyer Abt Erkenbert den Arnsberger Grafen Friedrich I. die Siedlung anzugreifen und die Befestigungen zu zerstören. Auch der erste urkundliche Beleg zum Marsberger Erzabbau stammt aus jenem Jahrhundert. Die Erze des Eresberger Raumes konnten laut verliehener Urkunde König Konrad III. zugunsten des Abtes Wigbold von Corvey aus dem Jahr 1150 abgebaut werden. In 1155 bestätigte Papst Hadrian IV. der Abtei Corvey den Besitz der Eresburg samt dem Zehnten in einem Umkreis von 2 Meilen.

Die Totentafel: „Christoph von Bellinghausen“ befindet sich im Stift Obermarsberg. Bellinghausen war von 1678 bis 1696 Abt von Corvey. Unter seiner Regierung wurde der Wiederaufbau der Stiftskirche von Obermarsberg nach dem 30-jährigen Krieg und dessen immensen Zerstörungen vollendet. Die Tafel ist Anno 1697 datiert. Sie ist 85 x 85 cm groß

Die Totentafel: „Christoph von Bellinghausen“ befindet sich im Stift Obermarsberg. Bellinghausen war von 1678 bis 1696 Abt von Corvey. Unter seiner Regierung wurde der Wiederaufbau der Stiftskirche von Obermarsberg nach dem 30-jährigen Krieg und dessen immensen Zerstörungen vollendet. Die Tafel ist Anno 1697 datiert. Sie ist 85 x 85 cm groß

Ab 1176 war die Kirche der im Tal entstandenen Siedlung Horhusen (Niedermarsberg) dem Stift auf dem Eresberg, also Corvey unterstellt. Im Jahr 1205 beginnen die Arbeiten zum Bau einer bedeutenden Festungsanlage durch das Kloster des Eresberges unter Abt Thetmar von Corvey. Das Obermarsberger Stift zählt im Jahr 1325 den Höchststand an Mitgliedern – 12 Konventuale einschließlich des Propstes. Viele weitere Verbindungen zwischen Corvey und Obermarsberg sind bis zur Säkularisation und Aufhebung des Obermarsberger Klosters in 1803 belegt. In der heutigen Stiftskirche gibt es noch weitere Relikte aus und zu Corveyer Zeiten. Im Bereich des Chores der Obermarsberger Kirche befindet sich das Grabmal des Corveyer Abts Heinrich von Aschenbroich, der nach seiner Resignation im Obermarsberger Stift lebte und dort 1626 verstarb. In einem Kirchenfensterbild sind die Wappen Corveys und Obermarsbergs Seite an Seite zu sehen. All dieses kann man im Rahmen von Stadtführungen durch Obermarsberg, die die „Marsberger Geschichten – Schlüssel zur Vergangenheit e. V.“ anbieten und die unter www.Marsberger-Geschichten.de oder unter Telefon 02992-1465 kostenlos gebucht werden können, erfahren. Dank der ursprünglichen, gemeinsamen Geschichte kann sich Obermarsberg zu Recht als Stätte Corveys bezeichnen lassen und ist somit vielleicht eine aus der Geschichte gesehene Nebenstätte eines aktuellen Weltkulturerbes?

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