Sauerländerin berichtet von der Fußball-WM in Brasilien

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Für die Journalistin Solveig Floerke ist die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien eine Art Heimspiel. Über vier Jahre hat die Balverin in Rio de Janeiro gelebt, jetzt berichtet sie unter anderem für ARD und ZDF über die Geschehnisse rund um die WM. Auch für WOLL wird sie berichten.

Solveig Floerke berichtet von der WM in Brasilien

Solveig Floerke berichtet von der WM in Brasilien

WOLL: In wenigen Tagen beginnt die Fußball-WM in Brasilien. Wie erlebst du als Sauerländerin die Vorbereitungen und die Erwartungen auf dieses Ereignis?
Floerke: Das ist hier im Moment die ganz große Überraschung:
In Brasilien, eigentlich das fußballverrückteste Land der Welt, ist
von Vorfreude oder allgemeinem WM-Fieber bei den Menschen
nicht viel zu spüren. Zu groß ist die Wut und Enttäuschung der
Bevölkerung über ihre Regierung, die Unsummen von Geld, die
einfach verschwunden sind, die Korruption im Land und die
stark angestiegenen Lebenshaltungskosten, unter denen ein
Großteil der Bevölkerung leidet. Ich finde diese Geisterstimmung,
wenige Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft, absolut bemerkenswert.
Gleichzeitig ist es ein wichtiges Zeichen der Menschen
hier und ich kann sie gut verstehen. Als Sauerländerin erlebe ich die Vorbereitungen ansonsten wie jeder andere auch, wie immer muss ich erst mal beschreiben, wo die Stadt, aus der ich komme, überhaupt liegt. Selbsterklärend wie Berlin ist Balve halt nicht, auch die deutschen Kollegen haben meist noch nie davon gehört.
Dafür entdecke ich auch hier in Brasilien öfter Produkte aus dem Sauerland. So wie kürzlich einen großen Fernsehstecker
aus Kirchhundem. Da konnte ich zu meinen Kollegen sagen: „Hier, ohne das Sauerland wären wir aufgeschmissen.“

Sauerländerin Solveig Floerke im Brasilianischen Fernsehen

Sauerländerin Solveig Floerke im Brasilianischen Fernsehen

WOLL: Auf welche Besonderheiten muss sich unsere
Nationalmannschaft bei dieser WM einstellen?
Floerke: Aus meiner Sicht, die natürlich nicht der eines
Mannschaftsbetreuers oder Trainers entspricht, liegt die große Besonderheit dieser Weltmeisterschaft in der gigantischen Größe des Landes. Brasilien hat kontinentale Ausmaße, ist fast 25-mal so groß wie Deutschland und das werden sicherlich auch die Mannschaften zu spüren bekommen. Die deutsche Nationalmannschaft
hat da mit den Vorrunden-Spielen noch Glück,
denn die finden alle im nördlichen Teil Brasiliens statt. Trotzdem sind die Entfernungen riesig und die Anreise ist jedes Mal aufwendig, zumal Jogi Löw als Mannschaftsquartier einen Ort gewählt hat, den man nur per Boot erreicht und verlässt.
WOLL: Wie werden die Chancen der europäischen Mannschaften und speziell Deutschlands bei der WM von den Einheimischen gesehen?
Floerke: Deutschland gilt bei den Brasilianern schon als ein Favorit dieser WM. Und nicht nur das, ich kenne viele Brasilianer, die Deutschland sogar die Daumen drücken, den Titel in diesem Jahr zu gewinnen. Das liegt bei manchen Fans daran, dass sie deutsche Vorfahren haben, bei einem Großteil der Brasilianer spielt aber die besagte Unzufriedenheit eine große Rolle. Sie sagen, dass ein Sieg der Seleção die schlechte Politik der letzten Jahre nur vereiteln und von den großen Problemen des Landes ablenken würde.

Sauerländer Wörter auch in Rio heiß begehrt.

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