Anbau von Naturkautschuk bald in Deutschland möglich

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Naturkautschuk – bei diesem Wort denkt man unweigerlich an riesige Gummibaumplantagen in den Tropen. Auf den Import der wertvollen Kautschukmasse wird man jedoch bald nicht mehr angewiesen sein, wenn es nach dem Willen des Reifenherstellers Continental und des Fraunhofer Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie geht.

Löwenzahnwiese im Sauerland

Löwenzahnwiese im Sauerland

Denn nach jahrelanger Forschungsarbeit und mit modernsten Methoden der Züchtung ist es gelungen, Naturkautschuk aus der Wurzel einer genetisch veränderten, ursprünglich in der russischen Steppe wachsenden Löwenzahnart zu gewinnen, so eine Pressemitteilung des Fraunhofer Instituts.
Historisch gesehen führte der Mangel an Kautschuk zur synthetischen Gummiherstellung im Zweiten Weltkrieg, der sowohl Achsenmächte als auch Alliierte betraf, da aufgrund des Krieges im Pazifikraum die Zugänge zu den Anbaugebieten blockiert waren. Insbesondere die USA und Deutschland waren Spitzenreiter bei der Produktion von Synthesekautschuk. Das Problem mit synthetisiertem Kautschuk ist jedoch die Konsistenz, die sich nicht für die Herstellung von Winterreifen eignet, deren Gummimischung besonders weich sein muss, um auch in der kalten Jahreszeit Halt zu bieten. Für die Anforderungen an heutige Winterreifen ist Naturkautschuk also unverzichtbar.

Bereits im zweiten Weltkrieg suchten alle Mächte nach Alternativlösungen, um ihren enormen Bedarf an Kautschuk zur Gummiherstellung zu decken. Auf deutscher Seite stieß man auf Pläne der Sowjetunion, eine an natürlichem Kautschuk reiche russische Löwenzahnart industriell zu nutzen. Jedoch waren weder die Sowjetunion noch Deutschland, das damals technologisch anderen Mächten überlegen war, in der Lage diese Pläne in die Tat umzusetzen.
Die Forschungen wurden jedoch vor ein paar Jahren wieder aufgenommen und scheinen nun den Durchbruch erzielt zu haben. Denn einerseits lässt sich so die Abhängigkeit von Rohstoffimporten reduzieren und andererseits die durch Spekulation und Missernten verursachten Preisschwankungen auf dem Weltmarkt umgehen. Obendrein entfallen Kosten für Transport und Logistik, wenn Anbaugebiete und Produktionsstandorte näher zusammen liegen.

Branchenübergreifende Auswirkungen

Die seit Oktober 2013 bestehende Testanlage in Münster als Kooperationsprojekt zwischen dem Fraunhofer Forschungsinstitut und Continental lässt bereits eine industrielle Gewinnung von Naturkautschuk im Tonnenbereich zu.
In den nächsten Jahren erfolgt eine intensive Testphase für den Straßenverkehr mit Reifen, deren Gummimischungen aus Naturkautschuk auf Basis von Löwenzahn bestehen. Danach sollten sie Marktreife erlangt haben. Selbstverständlich wird der neue Kautschuk bei allen Reifentypen Anwendung finden, so auch bei Kompletträdern, sobald er die Sicherheitstests bestanden hat. Fahrzeughalter und Reifenhändler wie beispielsweise der überregionale Online-Anbieter Tirendo werden sich nicht nur in dieser Reifenkategorie über niedrigere Preise bzw. höheren Absatz freuen können.
Da aus der Wurzel von Löwenzahn gewonnener Kautschuk demjenigen aus Gummibäumen in nichts nachsteht und ersterer sogar einfacher und kostengünstiger anzubauen ist, werden branchenübergreifende Auswirkungen erwartet. Denn Löwenzahn ist bereits nach einem Jahr aberntbar – im Vergleich zu ganzen fünf Jahren beim Gummibaum. Dazu kann Löwenzahn im Gegensatz zum Gummibaum in Europa großflächig angebaut werden, ist witterungsbeständig, wird kaum von Schädlingen befallen und lässt sich aufgrund der Anspruchslosigkeit der Pflanze sogar auf bislang für die Landwirtschaft nicht nutzbaren Flächen anbauen. Landwirte werden insofern vom Forschungserfolg des Fraunhofer Instituts genauso profitieren wie Industrie und Wirtschaft.

Kommentare

  1. Suche nach Alternativen Nutzung für unsere Baumschule
    Können sie mir Informationen zukommen lassen

    Innovation aus Deutschland echt super!!!!!

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