Print Friendly

Einen ungewöhnlichen Ort für die Jahrespressekonferenz haben sich in diesem Jahr die Volksbanken und Spar- und Darlehenskassen im Hochsauerlandkreis ausgewählt. Im Ausstellungsraum der Abtei Königsmünster Meschede stellten die Vorstände die Ergebnisse des abgelaufenen Jahres 2013 dar und gaben einen Ausblick auf die Entwicklungen und Tendenzen in diesem Jahr sowie den Folgejahren. Die Tendenz ist klar. Unabhängig von Zahlen und Fakten müssen sich auch unsere heimischen Banken den globalen Entwicklungen anpassen. Online-Banking, demografischer Wandel, Niedrigzinsnivau, sinkende Sparraten und zurückhaltendes Investitionsniveau bei Unternehmen und privaten Kreditnehmern prägen das Geschäft der Banken. Dabei wollen die Volksbanken und Spar- und Darlehenskassen im HSK weiter die verlässlichen und starken Partner ihrer Kunden bleiben. Zwei junge Mitarbeiter aus Arnsberg und Attendorn legten im Rahmen der Pressekonferenz ein bemerkenswertes Bekenntnis für ihre Berufsperspektiven als Bankmitarbeiter im Sauerland ab.

Volksbanken und Spar- und Darlehnskasse im Hochsauerlandkreis stellen Bilanz 2013 vor

Jürgen Dörner, Andreas Ermecke und Michael Griese bei der Jahrespressekonferenz

Jürgen Dörner, Andreas Ermecke und Michael Griese bei der Jahrespressekonferenz

In der Größe liegen Welten zwischen den Volksbanken Sauerland oder Bigge-Lenne mit Bilanzsummen von jeweils gut 1,2 Milliarden Euro und der Spar- und Darlehnskasse Oeventrop mit knapp 70 Millionen Euro.  Und doch eint alle sieben Genossenschaftsbanken im Hochsauerlandkreis das von Friedrich Wilhelm Raiffeisen ausgegebene Ideal: „Was einer nicht schafft, schaffen viele“. Was zählt, sind Eigenverantwortlichkeit, Selbständigkeit und Solidarität.

Damit ist die Richtung klar: „2013 haben wir mit einem sehr schönen Ergebnis abgeschlossen“, informierte Vorstand Jürgen Dörner während der Jahrespressekonferenz in der Abtei Königsmünster in Meschede. Die Bilanzsumme ist moderat um 76 Millionen Euro auf 3,563 Milliarden Euro angestiegen. Das ist im Vergleich zu 2012 ein Zuwachs von 2,2 Prozent.

Viel interessanter noch als diese „nackte“ Bilanzsumme ist für Jürgen Dörner und seine Vorstandskollegen das Kundengesamtvolumen, das um 2,6 Prozent auf jetzt 6,872 Milliarden Euro angestiegen ist. Es spiegelt den Umfang aller Kundengeschäfte wider – also auch die, die über den genossenschaftlichen Finanzverbund mit der Bausparkasse Schwäbisch Hall oder der R + V Versicherung getätigt worden sind. Gerade hier, so Dörner, spiele der ganzheitliche Betreuungsansatz der Genossenschaftsbanken im HSK eine große Rolle.

Belohnt wurde das durch eine weiter steigende Mitgliederzahl. 102.749 Bürger in der Region besitzen heute Anteile an einer Genossenschaftsbank. Das sind 1.050 mehr als im Jahr zuvor.Von der Politik forderte er die Schaffung von mehr Marktgerechtigkeit – auch vor dem Hintergrund, dass sich die sieben HSK-Genossenschaftsbanken  durch die Steuer vor Ort und die Bereitstellung von beträchtlichen Spendensummen gezielt für die Region einsetzen. So wurden 2013 über zehn Millionen Euro an Steuern aufgebracht und rund 658.000 Euro gespendet. Im Blick hatten die Banken dabei immer die nachhaltige Stärkung des ehrenamtlichen Engagements.

„Im letzten Jahr haben wir mit 5,3 Millionen Euro fast 700.000 Euro mehr investiert als im Jahr zuvor“, erläuterte Dörner weiter. „Dadurch sind wir ein großer und interessanter Auftraggeber für Handel, Handwerk und Gewerbe in der Region. 818.000 Euro haben die sieben Banken 2013 in die Personalentwicklung, also in die Aus- und Weiterbildung, investiert. Mit einer Ausbildungsquote von 8,4 Prozent gehört die Bankengruppe außerdem zu den großen Lehrstellenanbietern in der Region.

Von links nach rechts: Michael Griese, Volksbank Bigge-Lenne, Jürgen Dörner, Volksbank Sauerland und Andreas Ermecke, Volksbank Bigge-Lenne bei der Jahrespressekonferenz in der Abtei Königsmünster

Von links nach rechts: Michael Griese, Volksbank Bigge-Lenne, Jürgen Dörner, Volksbank Sauerland und Andreas Ermecke, Volksbank Bigge-Lenne bei der Jahrespressekonferenz in der Abtei Königsmünster

„Niedrigzinsen sind ein süßes Gift“. Sparer und Banken leiden unter Vorgaben der Politik

Was hoch verschuldeten EU-Staaten nutzt, bedeutet für die Banken eine große Herausforderung. „Niedrigzinsen sind ein süßes Gift“, warnt denn auch Michael Griese. Das Vorstandmitglied der Volksbank Bigge-Lenne nutzte die Jahrespresskonferenz um aufzuzeigen, wie die sieben Genossenschaftsbanken im Hochsauerlandkreis die wohl noch länger andauernde Niedrigzinsphase bewältigen wollen.

Aus einer  Position der Stärke heraus, so Michael Griese, gelte es jetzt, den sich abzeichnenden negativen Folgen der Niedrigzinsphase zu begegnen. Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgelegte Leitzinssatz von nur noch 0,25 Prozent soll klammen EU-Staaten beim Schuldenabbau helfen und Konsumenten und Firmen europaweit zu Investitionen anregen. Die Kehrseite der Medaille: Sparende Kunden verlieren schleichend ihr Vermögen, weil der Zinsertrag auf ihre Guthaben unter der Inflationsrate liegt. Fazit: Niedrigzinsen, mit denen die EZB die Krisenländer stützt, werden von allen Sparern, Pensionsfonds, Lebensversicherungen, Stiftungen und den Banken teuer bezahlt.

Falsch, so Griese, sei auch die Annahme, der niedrige Zins fördere die Investitionsbereitschaft. Alle Untersuchungen hätten gezeigt, dass dafür das Gesamtumfeld, also auch die Sparquote, stimmen müsse. „So führen die Minizinsen derzeit nur zu einer Vermögensverschiebung weg vom Bürger und hin zum Staat. Dabei nimmt die Politik zusätzlich in Kauf, dass der Handlungsspielraum vieler Kreditinstitute extrem eingeschränkt wird“, kritisiert der erfahrene Banker.

Nachwuchskräfte der Volksbanken Kaliliopi Nani und Dominik Schröder fühlen sich bestens aufgehoben.

Nachwuchskräfte der Volksbanken Kalliopi Nani und Dominik Schröder fühlen sich bestens aufgehoben.

Was tun? Die Genossenschaftsbanken im HSK stellen sich den geänderten Marktstrukturen. Sie richten ihre Angebote in den nächsten Jahren noch konsequenter an den Bedürfnissen von Mitgliedern und Kunden aus. Ziel ist es, auf allen Ebenen weitere Geschäftspartner zu gewinnen, um so mit einer Ausweitung des Volumens den enger werden Margen entgegenzusteuern. Produktivitätssteigerung und Kosteneffizienz sind weitere Stellschrauben, um in der Niedrigzinsphase das Betriebsergebnis im vertretbaren Rahmen zu halten. Ein zentraler Punkt bei dieser Entwicklung ist die Beratungsqualität. Komplexe Anlageprodukte, weit gefächerte Finanzierungsmodelle oder auch komplizierte Erbschaftsregelungen erfordern gut ausgebildete Mitarbeiter, denen moderne Technik zur Verfügung steht. Genau in diese Bereiche wollen die sechs Volksbanken und die Spar- und Darlehnskasse weiter investieren – individuell ausgerichtet natürlich nach Größe und Geschäftsgebiet. „Mit einer großen Kunden- und Mitgliederzufriedenheit, mit motiviertem, umfassend geschultem  Personal und mit einer nachhaltigen Wirtschaftlichkeit können wir die Herausforderungen der Niedrigzinsphase meistern“, sind sich Michael Griese und seine Vorstandskollegen einig.

 

Deine Meinung ist uns wichtig

*