Ständige Kunstausstellung in Schmallenberger IT-Unternehmen M3B

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Fleckenberger Künstlerin Helga Tröster freut sich über beste Präsentationsmöglichkeiten

Helga Tröster

Foto: Wilfred Neuse

Schmallenberg. Wie gut und hilfreich es sein kann, die heimische Kunstszene ein wenig zu kennen, zeigt ein aktuelles Beispiel, das weitere Nachahmer verdient. Das Schmallenberger IT-Unternehmen M3B verlagerte in diesem Sommer seine Betriebsstätte aus angemieteten Räumen im Gewerbegebiet Lake II in einen Neubau im Bereich Alter Sportplatz Lake 1. Durch eine Empfehlung von befreundeter Seite bekamen die Inhaber Martin und Monika Deitmerg den Tipp, Kontakt mit der Fleckenberger Künstlerin Helga Tröster aufzunehmen. Aus dem spontanen Kontakt wurde eine intensive Auseinandersetzung mit den Kunstwerken der in Köln arbeitenden und wohnenden Malerin. Und schnell wurde die Idee geboren, die hellen Räume und Wände mit den farbintensiven und anregenden Gemälden der Künstlerin auszustatten.

Jetzt zur offiziellen Einweihung des Gebäudes am vergangenen Freitag waren die Bilder erstmalig zu sehen. Und ab sofort kann die allgemeine Öffentlichkeit die Kunstwerke betrachten. Die Firma M3B macht ihren Eingangsbereich und die offenen Büroräume zur Dauerausstellung für die Gemälde von Helga Tröster. Während der üblichen Arbeitszeiten kann die Ausstellung ohne Voranmeldung besucht werden. Monika Deitmerg: „Unsere neuen Büroräume haben durch die Bilder von Helga Tröster eine wunderbare Aufwertung bekommen. EingangsbereichDer Eingangsbereich und die Büroräume sind auf einmal viel lebendiger und angenehmer. Unsere Mitarbeiter sind begeistert und wir sind froh, die ständige Ausstellung mit Werken von Helga Tröster hier bei uns zu haben“. „Und vielleicht kommt ja auch der eine oder andere Kunstinteressierte aus dem Sauerland vorbei und entdeckt dabei, was wir als IT-Unternehmen so alles können“, schmunzelt Martin Deitmerg. „Für unsere Kunden jedenfalls wird ein Besuch bei uns nun nicht mehr nur zu einem Geschäfts-Meeting sondern auch zu einem Kunstgenuss“, sind sich Monika und Martin Deitmerg einig.

Die Bonner Kunsthistorikerin Dr. Mila Horky meint über die Ausstellung bei M3B: „Die Auswahl von 30 zumeist großformatigen Gemälden auf Leinwand und Karton spiegelt den Aufbruch der Künstlerin in die Abstraktion, ein Schritt, der für jene, die das Schaffen von Helga Tröster schon über längere Zeit verfolgt haben, mehr als nur konsequent erscheint.“

 

Diptychon mit dem Titel "Aufstrebend"

Foto: Esther Vietz

Kunsthistorikerin Dr. Mila Horky über Helga Tröster

Helga Tröster hat sich vor allem mit Porträts, Blumenstudien und Landschaftsbildern einen Namen gemacht. Inspiriert haben sie dabei insbesondere die Werke der gro­ßen Meister des 19. Jahrhunderts wie Claude Monet, Vincent van Gogh und William Turner. Ein zentrales Thema ihrer Bilder ist das Licht und damit die individuelle Atmosphäre eines Ortes. Helga Tröster liebt die Natur und sucht das sinnliche Erleb­nis für sie „magischer“ Orte auf die Leinwand zu überführen. Exemplarisch zeigt dies das Bild Hennesee, das ein landschaftliches Kleinod ihrer Heimat Sauerland darstellt. Ist hier noch der Bezug zu einem realen Landschaftsraum gegeben, entstanden zeit­gleich – auch im Zuge des kontinuierlichen Überarbeitens erster Expositionen – zu­nehmend „ideale“ Landschaften, in denen die Gegenstandsfarbe sukzessive durch eine Ausdrucksfarbe ersetzt wurde. Dieses Vorgehen inspirierte bereits die Expres­sionisten des frühen 20. Jahrhunderts. Die Formen und Farben der Gemälde spie­geln die innere Welt der Künstlerin, die Bilder von Helga Tröster evozieren wie die Kompositionen eines Musikers eine Stimmung, einen Ort oder eine Atmosphäre. Die intensiven Farben und offenen Kompositionen laden den Betrachter ein zu einer Reise der Sinne, offerieren ihm die Möglichkeit einer inneren Schau und eigener Assoziationen.

Die sinnliche Dimension ihrer Malerei betont Helga Tröster mit unterschiedlichen malerischen Mitteln. Mal trägt sie die Farbe mit einem breiten Pinsel in einer lockeren gestischen Handschrift auf, in dem Diptychon Aufstrebend hingegen appliziert sie die Farbe konzentriert mit dem Spachtel, was eine verstärkte Plastizität der Gemälde zur Folge hat. Auch zeugen viele – mit bloßem Auge erkennbare – Malschichten davon, dass dem endgültigen Bild ein langer Prozess des stetigen Übermalens vorausging, und damit möglicherweise auch vorausgegangene Kompositionen vernichtet wurden. Diese Praktik verdeutlicht der Begriff „Palimpsest“: Ursprünglich bezeichnet er das Reinigen antiker oder mittelalterlicher Schriftstücke, von denen der ursprüngliche Text aus Sparsamkeit getilgt wurde, um das Trägermaterial neu beschriften zu kön­nen. Im übertragenen Sinne verwenden diesen Begriff auch bildende Künstler, wenn eine Wiederverwendung eines bereits gestalteten Bildträgers erfolgt. Abstraktion be­deutet immer einen künstlerischen Entwicklungsgang, dessen Spuren Helga Tröster dem Betrachter nicht vorenthält.

Die sinnliche Seite des Malaktes spiegeln insbesondere die Bilder von Helga Tröster, die in einer Serie verortet werden können. Solche Werkgruppen veranschaulichen den Prozess, in dem sich die Künstlerin selbst befindet, wenn sie, gleich eines Musi­kers, der ein musikalisches Motiv variiert, die Aussagekraft einer Farbe oder einer Komposition überprüft. Als solche Einheiten können die drei Studien in Rot oder auch die Folge mit Variationen in Türkis, Beige und Schwarz verstanden werden, denen die Künstlerin den Titel Begegnung gab. Ein durchgehendes Motiv bilden die Gelb- und Ockertöne, Farben, die per se Natur, Erde, Sand und Sonne assoziieren lassen. So findet man sich in dem großformatigen Gemälde Sandsturm in einem regelrech­ten Wüstensturm wieder – wobei hier kein realgeografisches Ereignis gemeint ist, sondern die Kraft der Materie an sich, hier repräsentiert durch das Material der Male­rei, das so zur Matrix und Metapher für überindividuelle Deutungen wird.

 

Dr. Mila Horký

Kunsthistorikerin (Bonn)

Im Atelier

Foto: Wilfred Neuse

 

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