Die Vermessung des Sauerlands vom Schombergturm aus

Print Friendly

Prof. Hans Fröhlich auf den Spuren des preußischen Landvermessers Hauptmann Bendemann

Prof. Dr. Hans Fröhlich

Prof. Dr. Hans Fröhlich

Es kann fast kein Zufall, es muss Schicksal sein, dass Hans Fröhlich, Professor für Landesvermessung an der Hochschule Bochum, im Jahre 1984 das Tagebuch des preußischen Landesvermessers Hauptmann Hans Bendemann in die Hände fiel. 1886 hatte die Königlich Preußische Landesaufnahme beim Großen Generalstab Bendemann befohlen, ein circa 70.000 km2 großes Gebiet zwischen Münster und Trier, belgisch-niederländischer Grenze und Thüringen – und damit auch das damalige Gebiet des Sauerlands zu vermessen. Vier Jahre war er unterwegs, bestieg Berge und setzte Punkte zur Vermessung fest. Die Faszination des gebürtigen Plettenbergers Hans Fröhlich hatte sein Kollege aus preußischen Zeiten damit längst geweckt. Der Wissenschaftler forschte, vollzog Bendemanns Reiseroute und seine Arbeit nach – und fühlte sich von Tag zu Tag immer ein wenig mehr als Hauptmann Bendemann. Man mag es schon ahnen: Ein Vermessungsingenieur mit Herzblut …

Hauptmann Bendemann, al. Prof. Dr. Hans Fröhlich

Hauptmann Bendemann, al. Prof. Dr. Hans Fröhlich

Kein Wunder also, dass Fröhlich, der heute in Sankt Augustin bei Bonn lebt, der Eifer packte, als er von einer ehemaligen SGV-Hütte auf der Kuppe von Wildewiese las, von der aus man um 1900 das Siebengebirge bei Bonn habe sehen können. Wildewiese – einer jener Punkt, wie sie auch Bendemann bei seinen Vermessungsarbeiten angesteuert haben mag. Der 64-jährige Plettenberger wollte von seiner ehemaligen Heimat, dem Sauerland, aus in seine neue Heimat, das mehr als 80 km entfernte Rheinland, sehen können – und so bestieg er den Schombergturm, der mit seiner Aussichtsplattform in 30 m Höhe eine weite Sicht verspricht. Doch zu seinem Erstaunen und enttäuscht musste der Vermessungsingenieur feststellen: „Ich konnte kein Siebengebirge erkennen. Nicht einmal im Ansatz.“  Dafür aber traf er auf den Künstler Friedrich Freiburg aus Rönkhausen bei Finnentrop, den er mit seinen Aussichtsträumen ansteckte: die Vermessung des Sauerlandes mit den eigenen Augen vom Schonbergturm aus. Und die beiden fassten einen Plan.

2007 schrieben sie einen Preis aus: für das beste Foto vom Siebengebirge, das vom Schombergturm aus geschossen wurde. Ein hochgestecktes Ziel, und weitgesteckt im wahrsten Sinne des Wortes. Fröhlich staunte deshalb nicht schlecht, als es dem 13-jährigen Fabian Weisser aus Sundern gelang, mit einem speziellen Objektiv den 82 km entfernten Oelberg und die Ruine Löwenburg einzufangen. Das Siebengebirge war also zu sehen, das wusste der Sauerländer nun. „Aber mit meinen eigenen Augen und einem Fernglas konnte ich es noch immer nicht ausmachen!“, wirft er empört ein. Erst als er und Freiburg eine Inversionswetterlage im Dezember 2007 nutzten – die Täler mit Nebel durchzogen, aber in Wildewiese klarste Sicht – , entdeckten sie durch das Fernglas das lang ersehnte Siebengebirge. Und noch viel mehr: Seither gelangen dem Bochumer Forscher Aussichten in bis zu über 100 km entfernte Gebiete, seine geschulten Augen machten Berge, Türme und Kraftwerke am fernen Horizont aus, in der Eifel und im Münsterland.

Hauptmann Bendemann, al. Prof. Dr. Hans Fröhlich präsentiert den neuen Bildband

Hauptmann Bendemann, al. Prof. Dr. Hans Fröhlich präsentiert den neuen Bildband

Doch müssen es nicht unbedingt die Augen eines Landvermessers sein, die von Wildewiese aus ferne Länder und Türme entdecken können. Und so gestaltete Fröhlich in Zusammenarbeit mit Freiburg einen Flyer, der – kostenlos ausgelegt am Fuße des Schombergturms – jeden Wanderer und Turmbesteiger zur eigenen Landesvermessung einlädt und der die Suche nach den weit entfernten Zielen erleichtert. Oben auf der Aussichtsplattform finden sich Schildchen angebracht, die in die entsprechenden Richtungen weisen.

Seine Vorliebe für Türme – wurden doch viele einst als Vermessungspunkte genutzt, wie ihn auch „Kollege“ Bendemanns Tagebuch lehrt – brachten den Professor dazu, 1986 ein Buch über Aussichtstürme im Sauerland zu verfassen. Das ist heute längst vergriffen. Und weil er im Laufe der Jahre von immer mehr Türmen erfahren hat, auch von solchen, die heute schon gar nicht mehr stehen, hat er das Projekt wieder aufgenommen und arbeitet aktuell an seinem Buch: „Aussichtstürme im Sauerland und Siegerland – gestern und heute“. Das sind, sage und schreibe, 86 an der Zahl. Und darunter dürfen natürlich der Schombergturm und das Kriegerdenkmal in Langscheid am Sorpesee nicht fehlen.

Und wenn er nicht gerade als Professor Fröhlich vor seinen Studenten steht und sie in Landesvermessung unterrichtet, dann schlüpft er ab und zu auch gern einmal in Bendemanns Uniform, erzählt den Leuten von der Landesvermessung damals und heute. Dabei wird der ein oder andere Scherz sicher nicht zu kurz kommen – dafür steht schon sein Name. Für alle Landesvermessungsbegeisterten und Ferngucker also wirklich gute Aussichten …

Mehr Infos und Kontakt unter: www.prof-hansfroehlich.de

Prof. Dr. Hans Fröhlich hat mit seinem Buch "So weit das Auge reicht. Aussichtstürme im Sauerland und Siegerland." nicht nur ein Fachbuch für Türmeeroberer, Wanderer und Landvermesser geschrieben, sondern einen schön Bildband für Sauerländer, Siegerländer und alle, die das Land der tausend Berge und die Aussichtstürme schätzen und lieben.

Prof. Dr. Hans Fröhlich hat mit seinem Buch „So weit das Auge reicht. Aussichtstürme im Sauerland und Siegerland.“ nicht nur ein Fachbuch für Türmeeroberer, Wanderer und Landvermesser geschrieben, sondern einen schön Bildband für Sauerländer, Siegerländer und alle, die das Land der tausend Berge schätzen und lieben und einen oder alle (fast 100) Türme entdecken und erobern wollen.

Das Buch „So weit das Auge reicht. – Aussichtstürme im Sauerland und Siegerland gibt es in vielen Sauerländer Buchhandlungen und im WOLL-Onlineshop.

Deine Meinung ist uns wichtig

*