Stein, Erde, Eisen, Stoff und mittendrin das Kreuz – OPUS MAGNUM: auf der Suche nach dem Besten

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Eine Ausstellung, die im Rahmen des „Spirituellen Sommers“ im Kunsthaus Alte Mühle am 23. Juni eröffnet wurde und noch bis zum 28. Juli zu sehen ist – immer Mittwochs bis Sonntags von 15:00 bis 18:00 Uhr. Opus Magnum – das große Werk, so lautet der Titel der Ausstellung. Den gleichen Titel trägt auch die raumgreifende, 5-teilige Installation, die den Schwerpunkt der Ausstellung bildet. Dieses Kunstwerk, ein Gewand in Form eines Antoniuskreuzes und dazu in Bezug gesetzte vier Tücher ist eine Gemeinschaftsarbeit der beiden Künstler Arno Lemberg und Wolfgang Jankowsky aus Hagen. Die Künstler verwenden Materialien wie Sediment, Eisenoxyd und Rost und verweisen durch Zeichen, Chiffren und das auf Kreuz und Glauben und Erlösung, aber auch auf Endlichkeit des Lebens.

Arno Lemberg und Wolfgang Jankowsky "OPUS MAGNUM"

Arno Lemberg und Wolfgang Jankowsky „OPUS MAGNUM“

Die Leiterin der Kulturredaktion der Westfalenpost, Hagen, Frau Dr. Monika Willer bracht es in ihrer Laudatio auf den Punkt: „Wenn man so will, lässt sich die raumgreifende Installation der beiden Hagener Künstler Arno Lemberg und Wolfgang Jankowsky als mehrdimensionales „Arma-Christi-Kreuz“ verstehen. Doch diese Interpretation alleine würde zu kurz greifen. Denn die beiden Künstler arbeiten zwar mit Zeichen, die aus der christlichen Tradition überliefert sind, bei denen es sich aber im Prinzip um Ursymbole und  auch Urmaterialien der Menschheit handelt: Stein, Erde, Eisen, Stoff. Mehr braucht man nicht, um eine Siedlung aufzubauen. Mehr braucht man nicht, um Krieg zu führen und Siedlungen zu zerstören.“ Als „Arma-Christi-Kreuz“ wird  schon seit dem Mittelalter ein Passionskreuz in der Kunstgeschichte bzw. christlichen Ikonografie bezeichnet, was eine spezielle Form des Andachtsbildes darstellt.“

Somit gilt es Andacht zu halten. Andacht zu halten vor den zurückhaltenden und doch schon auf den ersten Blick beeindruckenden und beeinflussenden Bildern von Wolfgang Jankowsky und Arno Lemberg und sie würdevoll zu betrachten. Dazu Monika Willer: „Zu dem wichtigsten Motiv in den gezeigten Arbeiten zählt das KreuOPUS MAGNUM 2z. Es ist nicht nur das Werkzeug der Passion Christi und das Symbol für die Erlösung der Christen, sondern ein bereits in vorchristlicher Zeit bekanntes Zeichen für die Verbindung von Himmel und Erde: Der waagerechte Balken steht für die Erde, der senkrechte verweist in den Himmel.“ Zusammen mit der Dualität der Bedeutungen: Glaubenssymbol und Zeichen der Ächtung, Folterinstrument und Mittel der Heilung korrespondiert das Kreuz mit der Mehrdeutigkeit der verwendeten Materialien: mit dem Tuch, der Leiter, der Erde, den Steinen sowie dem Lavastaub, dem Eisen und dem Rost.

Auch in unseren sauerländischen Naturlandschaften begleitet und begegnet uns das Kreuz an vielen Stellen. Es fällt auf beim achtlosten Vorübergehen und wirkt doch immer wieder auffällig und zur Andacht herausfordernd. Monika Willer dazu in der Eröffnungsansprache: „Vom Hosianna bis zum „Kreuziget ihn“ ist der Weg sehr kurz. Arno Lemberg und Wolfgang Jankowsky unternehmen  in diesen  vielschichtigen Arbeiten eine Art symbolarchäologischer  Spurensuche. Verwundung, Versehrtheit, Gewalt und das Ringen um Heilung und Erlösung sind die Themenkomplexe, die das Schaffen der beiden Künstler durchdringen. Arno Lemberg und Wolfgang Jankowsky setzen diese  vertrauten Zeichen und Materialien   in einen neuen Kontext und schaffen damit neue  Bezüge. Der BeOPUS MAGNUM 4trachter ist eingeladen, sie zu ergründen – oder über ihre Bedeutung zu meditieren – wie bei einem mittelalterlichen Arma-Christi-Kreuz.“

Wenn man will, kann man die Ausstellung im Kunsthaus „Alte Mühle“ als „lästiges Kreuz“ abtun und zum gewöhnlichen Alltag zurückkehren. Man kann aber auch in einer ruhigen Stunde beim Betrachten der ausgestellten Bilder die Ehrfurcht und Hoffnung zurückgewinnen, die mit dem Kreuz so eng wie mit sonst nichts anderem verbunden ist. Monika Willer hat in ihren Schlussworten zur Ausstellungseröffnung die passenden Worte gefunden: Das virtuos erzeugte  Spannungsfeld von Material und Gestaltungskonzept bleibt dabei in seinen Deutungsmöglichkeiten stets offen. Doch es sensibilisiert den Betrachter für die Kraft, die diese Ursymbole des Menschlichen haben – und ihre Fähigkeit zur Verwandlung.

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