Schauspielerin Sonja Kling stammt aus Bad Fredeburg

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Von Tiny Brouwers

Menschen zum Lachen und
Staunen zu bringen und ihr
Herz zu berühren! – das ist für Sonja
Kling aus Bad Fredeburg (42 Jahre)
das Schönste an ihrem Beruf. WOLL
hat die Show-Business-Frau, die mit
ihrem neuseeländischen Mann und
Partner John Hudson in Köln lebt,
zu einem Interview eingeladen.

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WOLL: Warum sind Sie so gerne
auf der Bühne?
Kling: Man verbindet sich mit den
Menschen im Publikum, kann sie
zum Lachen und Staunen bringen
und ihr Herz berühren. Wenn es mir
dann noch gelingt, Inhalte zu vermitteln,
die mir selber sehr am
Herzen liegen, gibt es für mich
nichts Schöneres!
WOLL: Zu allem, was Sie jetzt tun
– wie sind Sie dazu gekommen?
Kling: Seit 1994 lebe ich von der Schauspielerei, besser gesagt:
vom Show-Business. Denn es war mir immer wichtig, viele
unterschiedliche Dinge zu machen. So habe ich angefangen mit
Tanz, dann kamen Comedy und Moderationen. Während meiner
Schauspielausbildung in Köln habe ich Theater gespielt,
habe eigene Stand-Up-Nummern für „Nightwash“ entwickelt,
war in einem Musical, habe Straßentheater gespielt, Regie
geführt, war sechs Jahre im Ensemble der Münchner Lach- und
Schießgesellschaft. Dort habe ich auch angefangen zu schreiben.
Zurzeit bin ich in vier Theater-Produktionen, drei davon habe
ich mitgeschrieben und produziert.
WOLL: Welche Produktion liegt
Ihnen besonders am Herzen?
Kling: Die ungewöhnlichste davon
ist sicherlich die Science-Comedy-
Show „Mit HIRN, Charme und
Melone“, ein Thriller rund um das
menschliche Gehirn. Eine Mischung
aus wissenschaftlichem Vortrag und
Freak-Show, mit Gesang, Tanz und
großen Projektionen. Mein Mann
und Partner John Hudson und ich
haben die Show vor zweieinhalb
Jahren in Neuseeland entwickelt
und sind dort damit auch auf Tour
gegangen. Damals hieß sie noch
„The Travelling Brain Show“. Das
war sehr abenteuerlich.
WOLL: Ihr Mann ist in Neuseeland
geboren. Wie haben Sie sich
getroffen?
Kling: Das war 2001 in Köln auf
einer Couch, in der Wohnung des Cartoonisten Ralf König,
wenn ich mich recht erinnere. John tourte damals mit seiner
Impro-Comedy-Show durch Deutschland. Er war auch Lehrer
an der Köln-Comedy-Schule, für die ich ein Stipendium bekommen
hatte. Wir haben uns sofort gegenseitig zum Lachen
gebracht, waren extrem verschieden und uns trotzdem schnell
sehr nah. Das sind wir übrigens immer noch. Ich finde das hot!
WOLL: Gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen
Ihnen beiden?
Kling: Gemeinsamkeiten einer Deutschen und eines „Kiwis“,
wie die Neuseeländer heißen? Die Liebe zu gutem Bier!

Scheinbar sind Neuseeländer übrigens der Meinung, dass das
deutsche Bier das beste ist, denn die beliebtesten neuseeländischen
Biersorten heißen „Steinlager“ und „Rheineck“. Nach
dem Reinheitsgebot sind die allerdings nicht gebraut. Übrigens
reisen mehr Neuseeländer zum Oktoberfest nach München als
Sauerländer. Denen geht halt nix über ihr Schützenfest!
Ach ja, da wäre noch was: die Liebe zum Grillwürstchen! Ich
habe mir allerdings vorgenommen, jetzt mehr vegetarisch zu
leben, die Grillwurst ist also runter vom Speiseplan. Zum Glück
ist das für John kein Scheidungsgrund. Im Übrigen würde ich
sagen, dass ich als Deutsche analytischer bin, mehr vorausplane.
John ist spontaner und abenteuerlustiger. Das Gute: Wir lernen
voneinander!
WOLL: Ist Neuseeland ein Land zum Auswandern?
Kling: Landschaftlich ist Neuseeland atemberaubend. John sagt
immer, das läge vor allem daran, dass dort zu wenig Menschen
leben, um es zu zerstören. Als Landmasse sind Nord- und
Südinsel verhältnismäßig jung. Deswegen variiert die Landschaft
so stark: Faltengebirge mit Gletschern, Geysire, Urwälder, Seen,
Höhlen und dazu die unglaubliche Artenvielfalt der Vögel.
Wirklich paradiesisch. Der Nachteil: die Erdbeben! Im Februar
2011 haben wir genau zur Zeit des verheerenden Erdbebens in
Christchurch gelebt. Dieses Erlebnis hat den Gedanken, eines
Tages für immer nach Neuseeland zu ziehen, gleich mit zum
Wackeln gebracht.
WOLL: Wie betrachten Sie heute Ihre Kindheit in Bad
Fredeburg und wie erinnern Sie das Schmallenberger
Sauerland?
Kling: Ich bin ja im Internat Bad Fredeburg aufgewachsen, das
damals noch von meinen Eltern geführt wurde. Ich war also
tagtäglich umgeben von 100 potenziellen Spielkameraden unterschiedlichster
Herkunft und Nationalität, von Sergio Carceffo
aus Wanne-Eickel bis zu Graf Karl von Stauffenberg. Das hat
mich eigentlich besonders geprägt. Aber dieses Szenario war
eben eingebettet in das friedliche, hübsche, bodenständige
Sauerland. Als Schulabgängerin wollte ich so schnell wie möglich
weg von hier, in die große, weite Welt. Heute genieße ich bei
meinen Besuchen die Ruhe, die Schönheit der Landschaft und
die Vertrautheit mit allem.

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