„Nicht nur verwalten, sondern auch mitmachen“

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Seit dem 1. April ist Frau Dr. Andrea Brockmann (42) Leiterin der Kulturabteilung der Stadt Schmallenberg. Geboren in Beckum und aufgewachsen in Liesborn bei Lippstadt ist sie eine überzeugte Westfälin. Das Zusammengehörigkeits gefühl in den Dörfern ist ein Teil der westfälischen Lebensart. Und Verlässlichkeit – das zu tun, was man sagt – ist ein ganz wichtiger Bestandteil. Wir sprechen mit ihr in ihrem Arbeitszimmer im Rathaus von Schmallenberg. Und dort sehen wir etwas Besonderes: Überall Kunst und an der Wand einige Kunstwerke zum Thema Baum. „Ich bin verheiratet mit dem Bildhauer Ulrich Möckel aus Hemer, und der findet seine Themen zu 100 Prozent in der Natur. Bäume sind dabei seine große Leidenschaft“, so Andrea Brockmann.

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„Die Zeit seit dem 1. April habe ich hier in Schmallenberg genutzt, um Menschen kennen zu lernen, von Jung bis Alt. Das ist notwendig, um zu verstehen, was hier im Bereich Kultur vorhanden ist und was die Probleme und Herausforderungen sind. So bin ich zum Beispiel von der Stadt aus Ansprechpartner für das Holthauser Schieferbergbau- und Heimatmuseum. Auch da habe ich Zeit investiert, um den begeisterten und ehrenamtlichen Vorstand sowie die Mitarbeiter besser kennen zu lernen. Und so hoffe ich, mit allen Menschen, die sich in unserer Kommune mit Kultur beschäftigen, ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben“, sagt sie. Dr. Brockmann ist doch ziemlich erstaunt: „Viele sind hier im Bereich Kunst aktiv. Ich denke zum Beispiel an die Jugendkunstschule, die Alte Mühle, die Kur- und
Freizeit GmbH, den Kunstverein, die Kulturelle Vereinigung und die vielen Künstler, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Es gibt hier auch viele interessante Ausstellungen in Schmallenberg,
in Bad Fredeburg und den Dörfern. Das alles hatte ich in dieser Breite eigentlich nicht vermutet. Es ist gut, dass Schmallenberg im Bereich Kunst ein solides Fundament hat. Darauf kann weiter aufgebaut werden.“

Die Zukunft mitgestalten
Frau Dr. Brockmann will gern ambitioniert die Zukunft der Kultur in Schmallenberg mitgestalten. Es gibt vieles zu tun. So ist letzten Monat das interkommunale Modellprojekt „Kulturentwicklungsplanung im ländlichen Raum“ von Schmallenberg und Bad Berleburg gestartet. Unterstützt durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW in Düsseldorf entwickeln die beiden Städte Modelle zur Kulturentwicklungsplanung. Dabei geht es um neue Wege in der Kulturplanung. Das ist wegen desprognostizierten demografischen Wandels in ländlichen Gebieten in den nächsten Jahren notwendig. „Es geht darum, die Kultur im ländlichen Raum fit zu machen. für die Zukunft. Es fängt zuerst mit einer Bestandsaufnahme an. Daraus ergibt sich ein detailliertes Bild, was alles passiert, organisiert wird, welche Vereine womit beschäftigt sind, was ihre Pläne, Probleme und Herausforderungen sind und wie wir neue Wege finden können. Ab Juni gibt es für anderthalb Jahre zusätzlich eine Stelle, sodass wir intensiv an dem Thema arbeiten können“, so Frau Brockmann.

Sie blickt froh auf die Arbeit, die in Schmallenberg auf sie zukommt. Dabei betont sie, nicht nur eine Verwalterin zu sein, sondern dass sie zum Mitmachen angetreten ist. Kennen lernen, dabei sein, bündeln, sich zusammensetzen mit anderen, Gedanken präsentieren und Leute und Vereine unterstützen, das alles können die Bürger von Schmallenberg von ihr erwarten.

Einiges an Erfahrung
Dazu bringt sie auch einiges an Erfahrung im Kunstbereich mit. Kunst läuft wie ein roter Faden durch ihr Leben. Aufgewachsen auf einem Klosterbauernhof war sie schon als Mädchen ehrenamtlich im Museum Abtei Liesborn beschäftigt, dem Museum des Kreises Warendorf. Sie kann sich erinnern, als Jugendliche auch mal das Kloster Grafschaft angeschaut zu haben, weil Liesborn und Grafschaft früher Benediktinerklöster waren und denselben Bauherrn hatten. Nach dem Gymnasium war die zentrale Frage: Kunstakademie oder Universität? Es wurde schließlich ein Studium an der
Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster in den Fächern Neuere Geschichte, Kunstgeschichte und Kommunikationswissenschaften. Nach ihrem Magisterdiplom 1996 war sie von 1996 bis 2001 Mitarbeiterin in Museum Abtei Liesborn, übrigens parallel zum Promotionsstudium. Vom 2001 bis Februar 2013 ist Frau Brockmann als Geschäftsführerin beim Kunstverein Beckum-Warendorf aktiv gewesen. Sie war dort Leiterin der Geschäftsstelle, verantwortlich für Künstlerkontakte und Ausstellungen. Parallel dazu war sie 2004 historische Rechercheurin der Spielfilmredaktion beim WDR Fernsehen in
Köln. 2005 folgte ihre Promotion an der Universität von Münster mit einer Dissertation im Fach „Neuere und Neueste Geschichte“ mit dem Titel „Geschichte im Fernsehen“. 2005 arbeitete sie als Projektmitarbeiterin im Museum Heimathaus Münsterland und im Krippenmuseum Telgte, heute RELiGIO – Westfälisches Museum für religiöse Kultur. Ein Jahr später leitete sie in der Galerie Samuelis Baumgarte in Bielefeld den Bereich Art Consulting. 2007 war sie Projektmitarbeiterin beim Public-Art-Projekt „Tatort Paderborn“. Ab Oktober 2007 bis März 2013 war sie die Künstlerische Leiterin der Galerie
Münsterland Emsdetten, einer Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst im Maschinen- und Kesselhaus der ehemaligen Textilfabrik Stroetmann in Emsdetten. Das sind viele Herausforderungen in kurzer Zeit. Daher drängt sich auch die Frage auf, wie lange Frau Dr. Brockmann in Schmallenberg als Leiterin der Kulturabteilung der Stadt Schmallenberg aktiv sein wird. „Ich habe diese Frage schonerwartet. Ich bin ganz ehrlich, wenn ich sage, noch lange für und mit den Menschen in Schmallenberg arbeiten zu wollen. Durch die Jahre habe ich eine Menge Erfahrung sammeln können. Kunst betrifft hier in Schmallenberg viele Felder und Aspekte und ist sehr breit aufgestellt. Ich habe das Gefühl, hier zur richtigen Zeit gelandet zu sein. Kultur mitzugestalten ist meine Leidenschaft und man muss mich eher bremsen, statt dass ich in
meinem Arbeitszimmer auf den Terminkalender starre und vor mich hin schaue “, so Frau Dr. Brockmann. ■130424-Brockmann-165

 

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