Geschichten aus dem Wald – Poesie am Rothaarsteig

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Schulkinder aus Oberkirchen schrieben über den „Hexenplatz“ von Lilli Fischer von Cedric Müller

Es gibt sie noch, diSeite 105ae
Kinder, die ihre Freizeit
lieber draußen verbringen,
als vor dem Fernseher oder
mit der Spielkonsole. Das
hat man deutlich gemerkt,
als sich die kleine Gruppe
von Viertklässlern aus der
Oberkirchener Grundschule
St. Michael zum
Waldskulpturenweg aufmachte.
Gewappnet mit
Notizblock und bunten
Stiften stapfte das gut gelaunte Dutzend den Waldweg entlang
und sammelte fleißig Ideen für eine Geschichte.
Südwestfalen-Ranger Ralf Schmidt geleitete die wackere
Kinderschar vom Schulhof aus, quer durch den Wald, bis hin
zum „Hexenplatz“. Viel erklären musste er den Kindern auf dem
Weg nicht, denn schnell zeigte sich, wie gut sich die Schülerinnen
und Schüler im Sauerländer Forst auskennen. Da wurden vorbeiflatternde Schmetterlinge
benannt, auf dem
Waldboden die verschiedenen
Frühblüher identifiziert
und das überall
noch herumliegende Laub
vom Vorjahr eloquent den
richtigen Bäumen zugeordnet.
Nur Ranger-Hündin
Cora interessierte all das
wenig und so zog die alte
Dame an der Leine und tappelte fröhlich weiter, bis schließlich
das Ziel erreicht war. Am „Hexenplatz“ angekommen, sahen sich
die Kinder dann aber auch mit einem düsteren Kapitel der
Region konfrontiert, an das Lilli Fischer mit ihren Kunstobjekten
erinnert. Nur gut, dass Ranger Ralf die passenden Worte parat
hatte und die Gruppe behutsam an das schwierige Thema der
Hexenverfolgung heranführte. Besonders die Prozesstafeln boten
Anlass für viele Fragen und die meisten Erklärungen wurden mit
traurigen Blicken und Kopfschütteln quittiert. Aber damit sollte
das Thema noch lange nicht abgehakt sein…
Wer sich die Texte der Neun- bis Elfjährigen anschaut, die bei
diesem Ausflug entstanden sind, dem wird auffallen, wie ernsthaft,
aber zugleich auch frei
und kreativ sich die Kinder
mit dem Kunstprojekt am
Rothaarsteig auseinandergesetzt
haben. „Es ist auch ein
bisschen wie ein Denkmal“Seite 105b
meint Sarah Voß in ihrem
Aufsatz. Und selbst, wenn es
dort ein bisschen gruselig ist
und nachdenklich stimmt, so überwiegt doch letztlich der Zauber der mystisch-schönen
Szenerie. Schade nur, dass keine Zeit mehr zum Spielen blieb, etwa um den kleinen
Wildbach herum, oder im großen Hexenkessel. In der Ferne kündete die Kirchturmuhr
vom baldigen Schulschluss – also ging’s mit raschen Schritten wieder zurück. Nach
Hause. Dabei wäre man doch so gerne noch hier draußen geblieben!
Die Geschichten der Kinder (unter anderem aus Westfeld, Rehsiepen, Oberkirchen,
Schmallenberg und dem Sorpetal) finden Sie allesamt im Buch „Poesie am Rothaarsteig“,
das ab sofort überall im Buch handel und direkt über den WOLL-Online-Shop erhältlich ist.

Gedicht:

Scheinbar sichtbar,
scheinbar nicht,
wir war’n wandern,
aber wir sah’n ihn nicht.
Wir guckten genauer,
dann war er da!
Die gelbe Blüte!
Huflattich, er ist wunderbar!
(Paula Lietz, 9 Jahre)

 

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