Da bisse platt, woll ?! Oder: Wo verläuft eigentlich die WOLL-Grenze?

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Es gibt wohl kein typischeres Wort für das Sauerland als das Wörtchen „woll“, woll? Es ist die Allzweckwaffe des Sauerländers, passt eigentlich immer und hinter jeden Satz.

Aber warum sagen wir eigentlich WOLL? Und woher kommt dieses merkwürdige Wort überhaupt? Gibt es eine WOLL- Grenze und wenn ja, dann wo? Um diesen und anderen Fragen mal richtig auf den Grund zu gehen, hat WOLL- sich auf die Socken gemachtund einen Fachmann aufgesucht.

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Fündig werden wir im „Mundartarchiv Sauerland“ in Cobbenrode, wo wir Dr. phil. Werner Beckmann (Foto links) treffen. Er ist Sprachwissenschaftler und leitet das Archiv seit vielen Jahren. „Die hochdeutsche- regionale Umgangssprache hat viele Überbleibsel des Plattdeutschen. So auch das Wort „WOLL““, erklärt Dr. Beckmann. Im Archiv in Cobbenrode, welches vom Hochsauerlandkreis und dem Kreis Olpe gleichermaßen unterstützt wird, sorgt Werner Beckmann dafür, dass unser „Platt“ nicht verloren geht, nicht in Vergessenheit gerät. Denn: Die Menschen, die noch so richtig flüssig Platt sprechen und verstehen können, werden naturgemäß immer weniger. „Unsere Sprache ist ein Teil des Lebens und der Kultur im Sauerland“, sagt Dr. Beckmann, „und wenn sie plötzlich weg wäre, dann ginge eine ganze Kultur zu Grunde.“

Und damit das nicht passiert, wird im Mundartarchiv alles „Platte“ (niederdeutsches Sprachgut) gesammelt, was sich finden lässt. Zudem werden stetig Menschen, die des Sauerländer- Platts noch mächtig sind, interviewt und nach ihrem Lebenslauf befragt. Die Resultate finden sich in les- und hörbarer Form im Mundartarchiv wieder. In kleinen Büchern und auf CD’s werden Gespräche, große und kleine Geschichten, Döneken und Sprichworte festgehalten. „Über das Ohr in den Mund“ ist die beste Art Platt zu erlernen“, befindet Dr. Beckmann. Die Vielzahl der regionalen Unterschiede ist enorm und für den Laien schier unüberschaubar.

Und warum sagen wir woll?

„Woll ist eine hauptsächlich sauerländische Angewohnheit. Es ist eine Bestätigung des Satzes wie etwa „nicht wahr?“ und kommt im Ursprung vom Wort „wohl“.

Beispiel: „Du kommst doch heute Abend, woll?“ soll heißen: „Du kommst doch heute Abend? Das ist doch wohl so?“ Wir antworten mit „Ja“. Das Wort „Woll“ fordert also eine positive Bestätigung auf eine Frage ein.

Und das sogar flächendeckend bis ins Ruhrgebiet. Denn erst dort am Rande von Bochum, genauer gesagt hinter Bochum-Langendreer verläuft die „WOLL-Grenze“. Weiter nördlich, in Bochum Wattenscheid etwa, sagt man „ne“.

Die plattdeutsche Sprache bewahren, erhalten und auch den jungen Menschen näher bringen- das ist die Mission von Werner Beckmann und dem Mundartarchiv Sauerland. Denn besonders bei den jungen Menschen verliert sich das Platt immer mehr. Dr. Werner Beckmann: „Das Sauerländer Platt ist noch keine „tote Sprache“ und wenn man es häufig erwähnt, dann bleibt es erhalten.“ 

Text und Fotos : Daniela Köhler

 

Kommentare

  1. Werner Büngener meint:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    in einer Glosse der Süddeutschen Zeitung von heute heißt es unter anderem: „Wer vom sauerländischen Woll-Gebiet redet, weiß, dass er es mit einer sehr alten Kulturlandschaft zu tun hat, deren sprachliche Färbungen unter dem Fachbegriff der Ripuarischen Dialekte gebündelt werden.“
    Meiner Ansicht nach stimmt das nicht: Das alte Platt des Sauerlandes, das noch meine Oma sprach, ist ein Teil des Westniederdeutschen. Das heutige Sauerländisch ist kein Dialekt, sondern nur eine Mundart des Hochdeutschen. Was meinen Sie?
    Mit freundlichen Grüßen
    Werner Büngener

    • WOLL-Magazin meint:

      Hallo, Herr Büngener,
      diese Frage müssen wir an unser Mundartexperten weitergeben. Sie erhalten hier später eine Antwort.
      WOLL-Magazin

      • WOLL-Magazin meint:

        Guten Abend nach Monteral,

        es gibt auch 70 Jahre nach Ende des Krieges noch Vieles aufzuarbeiten, zu dokumentieren und für die Nachwelt aufzuschreiben, damit nie wieder solche Greueltaten in unserem Land geschehen. Die Autoren haben klar und deutlich gemacht, dass auch ländliche Regionen wie das Sauerland nicht frei von Schuld sind. Ein Blick in die Geschichtsbücher und auf die Kriegsschauplätze von heute zeigt allerdings, dass die Menschheit nur wenig gelernt hat. LG aus dem Sauerland

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