Fußball, Träume und noch mehr – Fußballer Julian Schauerte aus Grafschaft im Interview

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Von Hermann-J. Hoffe

Er ist 24 Jahre alt und Stammspieler
beim 2.-Bundesligisten SV Sandhausen:
Julian Schauerte aus Grafschaft gilt mittlerweile
als fester Bestandteil des Vereins. In
der Saison 2009/10 absolvierte er dort als
Neuzugang alle 38 Spiele. Seine
Spielposition ist das linke, offensive
Mittelfeld. Vor seinem Wechsel nach
Sandhausen war der sympathische
Sauerländer als Balljunge bei Bayer 04
Leverkusen. Dort hat er auch zum ersten
Mal Bundesliga-Atmosphäre gespürt. Diese
Faszination ließ ihn nicht mehr los.
Insgesamt hat er bei Leverkusen acht Jahre gespielt. Seinen Kontakt
zur Heimat hat Julian Schauerte aber nie abgebrochen. Über seine
Ziele und Träume sprach er mit Hermann-J. Hoffe.
WOLL: Wie fühlt sich ein Fußballspieler und
Leistungssportler, wenn mal nicht der Sport im Mittelpunkt
des Lebens steht?
Schauerte: Sehr gut, ein bisschen abschalten, Weihnachten feiern
mit der Familie und mal wieder Freunde sehen ist schon
wichtig. Ganz ohne Sport geht es dann aber auch nicht, denn
man muss fit bleiben.
Das Fußballspielen hat Julian Schauerte hier im Sauerland in
Grafschaft, Wormbach und Arpe gelernt. Mit vielen seiner früheren
Mannschaftskollegen steht er auch heute noch in engem Kontakt, um
auch in seiner Heimat stets auf dem Laufenden zu sein. Er informiert
sich regelmäßig über das Geschehen in der „Sauerland-Bundesliga“.
WOLL: Was war das für ein Gefühl, wegen des Fußballs seine
gewohnte, heimische Umgebung zu verlassen?
Schauerte: Anfangs sind wir drei- bis viermal die Woche gependelt.
Dann bin ich mit 16 Jahren umgezogen und ich muss
sagen, dass ich es mir schwieriger vorgestellt
habe. Ich habe in einer Gastfamilie
mit zwei anderen Spielern zusammen
gewohnt und neben dem Fußball noch
eine Ausbildung gemacht. Man war einfach
viel unterwegs.
WOLL: Was bleibt nach den Jahren im
professionellen Fußballgeschäft noch
von den Erlebnissen, Eindrücken und
Idealen aus der Jugendzeit zurück?
Schauerte: Der Traum, einmal in der
Bundesliga zu spielen, stand bei mir
schon sehr früh fest. In ganz jungen Jahren hat man noch nicht
so ganz realisiert, was da passiert. Aber spätestens in Leverkusen
wurde alles etwas realer. Man ist im Stadion hautnah dran und
der Traum lässt einen nicht mehr los.
Einen großen Schritt auf seinem fußballerischen Weg hat Julian
Schauerte sicher schon hinter sich gelassen. Doch noch nicht alle
seine Träume sind erfüllt, denn die Konkurrenz ist hart.
WOLL: Sicher gehört auch der glückliche Moment bei der
Erfüllung solcher Träume dazu, oder?
Schauerte: Wir waren in Leverkusen ein starker Jahrgang und da
war es schon schwierig, sich durchzusetzen. Da muss man auch
mal einen anderen Weg einschlagen, man kann sich nicht nur
darauf versteifen, 1. Bundesliga zu spielen. Dann kam der
Wechsel nach Sandhausen – und die 2. Bundesliga ist auch nicht
ohne. Man muss weiter trainieren, weiter kämpfen.
Ein weiterer Traum mit ganz besonderem Gänsehaut-Feeling ist
sicher auch ein Spiel vor ganz großem Publikum. Für Julian war
dieser besondere Moment das Pokalspiel in Schalke im vergangenen
Sommer. Eigentlich war er noch verletzt, rutschte dann aber doch
noch in den Kader hinein und spielte 30 Minuten. „Vor etwa
60.000 Zuschauern zu spielen, das ist schon etwas Besonderes“, sagt
einer, der es wissen muss.
Apropos Verletzung: Die Gefahr, sich im Profi-Sport zu verletzen
und längerfristig auszufallen ist immer gegeben. Im letzten Jahr
blieb auch Julian Schauerte nicht davor verschont. Im Spiel gegen
Regensburg sah es anfangs nach einem Kreuzbandriss aus. Gott sei
Dank war es aber nicht so schlimm und so sagte er sich: „Wieder
umschalten im Kopf und nicht ängstlich werden.“ Sehr wichtig ist
ihm der Kontakt zu früheren Mannschaftskollegen,
Schulfreunden und den
Nachbarn und Freunden in Grafschaft.
Schauerte: Ich freue mich immer wieder,
wenn ich hier bin und es macht Spaß,
mit Nachbarn und Freunden zu reden
oder über Fußball zu diskutieren.
Wichtig ist mir aber auch der Kontakt
zu anderen Sauerländer Sportlern wie
Philipp Hofmann und anderen.
WOLL: Du bist derzeit Single und
widmest deine volle Konzentration
dem Sport. Wird also dem Fußball
alles untergeordnet?
Schauerte: Im Moment ja. Nach meiner
Ausbildung zum Bürokaufmann
habe ich auch direkt meine Zeit bei der
Bundeswehr absolviert. Dann konnte ich mich mit 21 Jahren
schon voll auf den Fußball konzentrieren. Beruflich kann ich
später immer noch etwas anderes machen, wenn ich dann mal
sehe, der Zug ist abgefahren.
WOLL: Was beeindruckt dich am Profifußball, was vermisst
du dort aber vielleicht auch?
Schauerte: Im Profifußball erlebt man viele besondere Eindrücke
hautnah. Die ganze Atmosphäre, das Drumherum übt schon
eine große Faszination aus, bei jedem Spiel aufs Neue. Ich freue
mich, wenn ich dann viele Spieler aus früheren Begegnungen
kenne. Man begrüßt sich, tauscht vielleicht später das Trikot.
Das ist schon ein besonderes Gefühl, mit dem jede Menge
Erinnerungen verbunden sind.
Julians Mutter bestätigt die große Sammlung von Trikots, die wohl
geordnet in seinem Zimmer zu Hause in Grafschaft aufbewahrt
werden. Ein sportliches Vorbild hat Julian nicht direkt. Zu seinem
Wunschverein außerhalb der Bundesliga schaut er in Richtung
Spanien: „Der Verein FC Barcelona mit dem ganzen Drumherum
begeistert mich sehr. Da blickt man immer mal mit einem Auge
hin.“ Als bodenständiger Sauerländer liebt er seine Heimat, sein
Zuhause in der gewohnten Umgebung bei Mama und Papa,
Freunden und Nachbarn.
Schauerte: Sauerland bedeutet für mich
Heimat, Laufen durch die Natur und
Sportplatz-Erinnerungen meiner
Kinder- und Jugendzeit, in der Fußball
eigentlich immer im Mittelpunkt stand.
Aber auch Weihnachten, Heiligabend
mit Krippenfeier, Weihnachtsliedern,
Kirche und Plätzchen gehören dazu.
WOLL: Und wenn du nach vorn
schaust – was sind deine Träume?
Schauerte: Mein Traum und sportliches
Ziel ist ganz klar die 1. Bundesliga. Dort
in meinem früheren Verein oder auch
beim BVB oder Schalke 04 zu spielen,
das wäre schon die Erfüllung meiner
Wünsche. Dafür trainiere ich täglich
und halte mich in allen Belangen fit.
Man wird sehen, ob das alles dann ausreicht
für einen Platz in der zurzeit wohl stärksten Liga der Welt.
Eine Botschaft hält sich Julian Schauerte immer vor Augen: Man
muss Träume haben, sein Ziel verfolgen und vollen Einsatz zeigen.
Man sollte eine Sache hundertprozentig machen, trotzdem aber
nicht die Freude an anderen Dingen verlieren. Dankbar ist er vor
allem für die Unterstützung durch seine Eltern und seinen Bruder,
durch Verwandte, Bekannte, den Verein und seine Freunde, die ihm
viel Rückhalt geben. Er weiß, wovon er spricht und was ihm wirklich
wichtig ist. Er ist eben immer noch ein Sauerländer, der trotz
aller Erfolge auf dem Boden geblieben ist.

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