Neue Chancen und gelebte Träume

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Ihr habt wohl ne Schraube locker“

Wohl jeder kennt dieses Phänomen: Hier und da muss mal eine neue Schraube rein, dort müsste was gedübelt werden und im Garten rostet das Kletter- und Schaukelgerüst für die Kinder munter vor sich hin. Natürlich fehlt genau in diesem Augenblick die passende Schraube und dem Metallskelett im Garten ist sowieso nicht mehr zu helfen. „Das nächste Mal nehmen wir lieber Holz… und warum gibt es Schrauben im Super-Baumarkt nur in großen Packungen- nach einem Suchmarathon durch scheinbar endlose Regalreihen?“ Allen leidgeprüften Heimwerklern sei an dieser Stelle gesagt: Es geht auch anders! Gaby und Hermann Gies überzeugen seit Mai diesen Jahres in Cobbenrode vom Gegenteil.

Auf der Höhe kurz vor der Ortschaft Cobbenrode sind sie hier mit ihren Firmen Gies- Schrauben und GieCo- Holz zu Hause. Auf dem Gelände eines ehemaligen Sägewerkes gibt es im roten Holzblockhaus alles was das Schrauber- Herz begehrt. Das besondere: Hier kann man seine Schrauben auch noch einzeln kaufen. Die Auswahl ist beeindruckend und Gaby Gies steht der Kundschaft stets beratend zur Seite. Mit Schrauben kennt die 55-jährige sich aus.

Vom kleinen Keller ins knallrote Blockhaus

1987 gründete sie ihr ersten „Schrauben- Geschäft“. Ein ziemlich ungewöhnlicher Weg, für eine gelernte Erzieherin. „Ich wollte etwas nebenbei machen. Mein Mann arbeitete damals in einem Sägewerk. Da lag das mit den Schrauben schon nah und schließlich braucht man sie immer.“ Man kann alles lernen! Nach diesem Motto startete der Schraubenverkauf auf sieben Quadratmetern im Keller des Gies‘schen Hauses in Lennestadt- Oedingen. Der Laden lief gut und während Hermann Gies noch immer seinem Job im Sägewerk nachging, vergrößerte sich das Schrauben-Geschäft und zog eine Etage höher in die Einliegerwohnung des Hauses.

Eine neue berufliche Perspektive für Hermann Gies war es dann schließlich, was den abschließenden und großen Schritt in die Selbständigkeit auslöste. Nach mehr als dreißig Jahren hängte er seinen Job im Sägewerk an den Nagel und begann Holzspielgeräte für den privaten Gebrauch, selbst zu bauen. „Zuerst nur im Nebenerwerb“, erzählt Hermann Gies. Kurz darauf wagte er den Schritt in die Selbständigkeit. „Die Entscheidung nach mehr als dreißig Jahren im Job die Selbständigkeit zu suchen…. dazu brauchte es schon einige Stunden Überlegung. Mit über 50 macht man sich da sicher mehr Gedanken als mit 25“, sagt Hermann Gies. „Letztendlich hatten wir die Wahl entweder noch einen Schritt nach vorn zu wagen, oder aufzuhören. Wir haben uns für Ersteres entschieden. Denn mittlerweile hatte das solche Ausmaße angenommen, dass es nicht mehr möglich war in unserem Wohnhaus beides unterzubringen.“

Traum ist ein Stück vom Leben“

Auf Risiko gehen und Veränderung erleben…

Das Sägewerksgelände in Cobbenrode kam da wie gerufen und das Ehepaar wagte mit Mitte bzw. Ende fünfzig den Schritt nach vorn. Im persönlichen Umfeld des Paares, stieß diese Entscheidung allderdings auf ein geteiltes Echo:“ Warum macht ihr das in Eurem Alter noch? Sieben Jahre vor der Rente die ganze Sicherheit aufgeben. Ihr seid doch bekloppt. “ Bekamen sie mehr als einmal zu hören. Währenddessen schufen die beiden motivierten Sauerländer, die sich noch längst nicht zum alten Eisen zählen, ihren Traum. Das rote Blockhaus entstand. Auf einem Schild an der Tür ist zu lesen: Traum ist ein Stück vom Leben. Familie Gies ist angekommen. Und, was mindestens genauso wichtig ist: Sie sind glücklich.

Es fühlt sich gut an, im Leben, wenn auch erst später, nochmal etwas zu verändern“, resümiert Gaby Gies, „viele Steine waren im Weg und wir haben viel gelernt. Aber die Veränderung dann zu erleben fühlt sich gut an. Viel besser, als das Gefühl jetzt nur noch auszuharren. Ich würde es wieder tun!“ Da sind sich die beiden einig. Dem Risiko, welches sie mit ihrem Schritt eingingen, sind sie sich durchaus bewusst. Denn mit dem festen, sicheren Job, gibt man auch ein Stück finanzielle und wirtschaftliche Sicherheit auf. Was wird in ein paar Jahren sein? „Ich hatte immer ein gutes Gefühl, daß es klappt“, erinnert sich Hermann Gies, „ und was in fünf, sechs, sieben Jahren ist? Was weiß ich. Wenn man anfängt darüber nachzudenken, dann blockiert man sich selbst.“

Kreative Ideen aus heimischen Hölzern- die Rente soll warten!

Hermann und Gaby Gies denken gar nicht daran „händchenhaltend und kaffetrinkend“ auf das Rentenalter zu warten, „das können wir später irgendwann noch machen“, sagen sie entschieden. Stattdessen sprudeln die Ideen bei der Firma Gies und GieCo nur so aus den Köpfen und werden direkt in die Tat umgesetzt. Neben den vielen Holzspielgeräten, die das Außenareal zu einem Schaukelparadies für Kinder machen, welches sogar am Wochenende gerne genutzt wird, findet man auch bequeme Relax- Bänke aus Holz- die gern im Wunschdesign angestrichen werden. Die „Schubkarren- Bank mit integriertem Bierhalter“ erweist sich als ultimatives und beliebtes Möbel für den gestandenen Sauerländer. Alle Spielgeräte und „Möbel“ werden aus heimischen Hölzern hergestellt. Fichte, Kiefer und Douglasie werden hier vorrangig verarbeitet. „Wir haben uns auf die Fahne geschrieben nur heimische Hölzer zu verwenden“, erläutert Hermann Gies bei einem Rundgang durch die Werkstatt. Mit dekorativen Weihnachtsengeln aus Holz und hölzernen Weihnachtskerzen arbeitet Gaby Gies kontinuierlich an der Sortimentserweiterung die „es in keinem Baumarkt gibt“. „Ich war schon immer kreativ, „ erzählt sie, „ und hier mit dem Holz bietet sich das einfach an. Der Gies‘sche Weihnachtsengel- es hat wohl selten ein ähnlich niedliches und hübsches „Nebenprodukt der Holzverwertung“ gegeben- und kein Holz und Schraubengeschäft wie das von Gaby und Hermann Gies.

Fotos: Klaus- Peter Kappest / Text: Daniela Köhler

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