Chöre im Sauerland- Kulturträger mit Zukunft

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„Ta-ta-ta-dam-dam-dam“ tönt es vielstimmig aus dem Pfarrheim in Eslohe-Reiste.

Es ist Dienstagabend, die Chorgemeinschaft Reiste hat ihren wöchentlichen Probeabend. Chorleiter Siegfried Knappstein sitzt vorne am Klavier und gibt den Ton an. Lockerungsübungen – was hier passiert, ist wichtig und viel mehr, als nur einmal die Tonleiter stimmlich rauf und runter zu klettern. Bei den sechzig aktiven Sängerinnen und Sängern ist der ganze Körper im Einsatz – ein Warm-up für Stimme, Körper und Geist – was spätestens nach dem dritten Mal auch auf das letzte verkniffen dreinblickende Gesicht ein Lächeln gezaubert hat.  Jetzt kann es losgehen: Ein Klassiker der Chorliteratur zu Anfang: „Kein schöner Land“!

Eine beindruckende stimmliche Vielfalt erfüllt den Raum.

Die Chorgemeinschaft Reiste ist mit 60 Sänger/Innen zwischen 30 und 84 Jahren personell gut aufgestellt. Im Jahr 2006 hat Siegfried Knappstein die Leitung des Chores übernommen. Alle drei Stufen zum Meisterchor nahm die Chor-Gemeinschaft innerhalb von fünf Jahren. Der Zulauf von neuen Sängerinnen und Sängern, die nicht nur aus Reiste, sondern auch großflächig aus der Umgebung kommen, war groß.

Herausforderungen annehmen: Tote Hosen und alte Zöpfe

„Wir haben uns den Herausforderungen gestellt“, sagt Siegfried Knappstein heute. Hier ist Singen nicht einfach nur Singen – die Chorgemeinschaft setzt Maßstäbe. „Wir singen z. B. alles auswendig und üben auch mit Choreographie. Mit der passenden Körpersprache gibt ein Chor ein ganz besonderes Bild auf der Bühne ab. Denn wenn man Sänger lächeln sieht, ist das ganz entscheidend für den Erfolg beim Publikum.“

Auch das Repertoire, das die Chorgemeinschaft zu bieten hat, will so gar nicht in das heute oft leider noch recht angestaubte Klischee eines „Gesangvereins“ passen. Klassiker, anspruchsvolle Werke der Chorliteratur und volkstümliche Weisen gibt es selbstverständlich auch, allerdings steht mit Gospelsongs und moderner Rock- und Pop-literatur auch englischsprachige Musik auf dem Programm. Auch vor den Toten Hosen und jecken Tön‘ von den Höhnern macht die Chorgemeinschaft nicht halt.

„Denn“, und da ist sich auch der Vorstand des Chores sicher,  „nur so kommt Chorgesang heute auch dauerhaft beim Publikum an. Die Chöre, die zeitgemäß und leistungsorientiert arbeiten, werden überleben!“

Kulturträger mit Zukunft

Denn das Chorsterben macht auch vor dem Hochsauerlandkreis nicht halt, das weiß Knappstein, der auch stellv. Kreischorleiter ist, aus Erfahrung. „Dabei sind unsere Chöre so wichtig für die Region. Die Chöre sind die wichtigsten Basiskulturträger in den Dörfern und haben einen hohen Stellwert.“

„Als stellv. Kreischorleiter liegt es mir sehr am Herzen, auch mal „alte Zöpfe“ abzuschneiden. Es muss sich auch an der Basis noch einiges ändern.“  Die Tatsache, dass im HSK bei Freundschaftskonzerten, die eingeladenen Sänger/innen Eintritt entrichten müssen, ist beispiels-weise so ein alter Zopf.  “Das geht gar nicht und gehört nebenan im Kreis Olpe schon seit vielen Jahren der Vergangenheit an. Es ist nur eine Umverteilung des Geldes!“

Chöre im Sauerland – ein wichtiges dörfliches Kulturgut und – wenn es denn richtig gepflegt wird – eines mit Zukunft.

Die Chorgemeinschaft freut sich immer über neue aktive und passive Mitglieder. Vor allem junge und junggebliebene Männer sind nicht nur bei den Damen gefragt.

Wer sich über die Chorgemeinschaft informieren und sich mit ihr in Verbindung setzen möchte, erreicht dies über die Internetseite des Chores  www.Chorgemeinschaft.reiste.net

Ganz unverbindlich haben Interessenten, immer dienstags, um 20.00 Uhr die Möglichkeit an einer „Schnupperprobe“ im Reister Jugendheim teilzunehmen.

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