„Die auf der Leinwand tanzt“

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Das etwas andere Künstlerportrait einer etwas anderen Künstlerin

Aus Reinbek bei Hamburg, wo Ricky Winter,  heute lebt und arbeitet, ist sie zum WOLL- Interview angereist. Bei der Vorbereitung auf das Treffen in Eslohe, tun sich in meinem Kopf gedankliche Bilder einer Künstlerin auf, die gedankenverloren und schick an ihrer Staffelei im wohlgeordneten Atelier steht- ganz in ihr Stillleben versunken, das Glas Rotwein in Griffweite. Künstlerromantik pur also. „Unser Nachbar, in der Straße wo ich aufgewachsen bin war Anstreicher. Ihm habe ich immer geholfen. Wissen sie, ich habe schon immer gerne einen Pinsel in der Hand gehabt“, erinnert sich Ricky Winter, während sie mehrere großformatige Bilder auf den Boden legt. „Ein künstlerischer Ausflug in die absolute Kreativität“, befindet die Künstlerin. Abstrakt bunte und haptische Landschaften werden plötzlich sichtbar. Mehrere Lagen aus verschiedensten Farben, Papier, Sand, und sogar Schiefermehl aus dem Bad Fredeburger Felicitas Stollen finden sich auf ihren Bildern wieder.

“Das Schiefermehl gibt einen besonders schönen Grauton“, erklärt die Künstlerin, die bei genauerem Hinschauen immer mehr wie eine Handwerkerin wirkt und meinem gedanklichen Klischee einen derben Tritt versetzt, wenn sie sagt:„ Ich arbeite immer auf den Knien und stehe fast nie an der Staffelei. Die Bilder entstehen so aus der Vogelperspektive- eine Art Satellitenaufnahme. Eigentlich bin ich eine Handwerkerin und Künstlerin. Etwas von beidem.“ Dicke Knieschoner, ein überdimensionaler Metzgerkittel und eine Hose, „die schon seit Jahren einer Farb-Palette gleicht“ sind ihre Arbeitskleidung. Mit einem Pinsel in jeder Hand legt sie los. Beidhändig und mit vollem Körpereinsatz führt sie auf der Leinwand einen Tanz auf, der den Zuschauer schwindlig werden lässt. „Manchmal bin ich auch wütend“, erklärt sie, „und dann werfe ich die Farbe mittels Pinsel, Scheibenwischer, Schaber oder Spachtel mit Schmackes auf die Leinwand .…allerdings sehe ich danach aus wie ein Schwein“, fügt sie ganz trocken hinzu und macht meinem romantischen Künstler-Klischee damit endgültig den Garaus. Abstrakte Kunst- ist das denn nicht ziemlich unrealistisch?

„Kunst ist auch immer ein bisschen Künstlichkeit“, erklärt Ricky Winter, während sie eines ihrer Bilder hinter dem Kopf jongliert, „wenn ich will, dass etwas realistisch ist, dann fotografiere ich es. Abstrakte Kunst hat auch immer etwas Spannendes: man sieht jeden Tag etwas anderes darin“, erklärt sie. So einfach ist das.

Weniger abstrakt sind in diesem Vergleich die Sauerlandbilder, die sie früher malte. Denn obwohl Ricky Winter schon mit 17 Jahren das Sauerland verließ, hat sie die enge Bindung zu ihrer Heimat und ihrer Familie nie verloren und kommt heute regelmäßig nach Eslohe, um Familie und alte Freunde zu besuchen. Ricky Winter- eine Künstlerin jenseits jeden Klischees. „Eine leben ohne Farben ist wie eine Wanderung ohne Einkehr“, gibt sie mir abschließend mit auf den Weg- und damit hat sie recht.

Fotos: Ricky Winter/ Daniela Köhler

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