Ziwschen Trekking und Therapie: Das Husky- Projekt

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Zwischen Trekking und Therapie- Das Husky- Projekt

Wohl kaum jemand kennt ihn nicht: Den Sibirian Husky. Eine Hunderasse, die als „Schlittenhund“ geradezu legendär ist. Ausdauernd und zäh, gegen Kälte weitgehend unempfindlich trotzen die auf den zweiten Blick doch eher zierlich wirkenden Hunde auch den widrigsten winterlichen Bedingungen. Ein Husky kann aber auch viel mehr sein: Therapeut und ein zuverlässiger Wanderbegleiter zum Beispiel. Für Andreas Achenbach und seine Lebenspartnerin Claudia Hesse, die vor drei Jahren die Großstadt Bochum mit dem idyllischen Latrop tauschte, sind sie zudem auch Lebensinhalt. In ihrem Haus direkt am Ortseingang von Latrop leben sie zusammen mit einem Rudel von 12 Hunden, davon zehn Sibirian Huskys, und drei Jugendlichen.

Entspannte Dynamik im Rudel

Mit dem „Husky- Trekking“ hat Andreas Achenbach (Foto links) eine ganz neue Form des Wanderns entdeckt und bietet interessierten Urlaubern geführte Trekking- Touren durch die wundervolle Landschaft des Sauerlandes an. Der Hund wird hierbei nicht nur an der Leine geführt, sondern per Bauchgurt mit dem Wanderer verbunden. Der Wanderer spürt am eigenen Körper welche Energie ein Husky aufbringen kann und erfährt während der dreistündigen Tour viel Wissenswertes über Schlittenhunde. Zuvor hat man Gelegenheit das Rudel ausgiebig kennenzulernen und die besondere Atmosphäre zu genießen. Beim Husky ist vor allem Bewegung angesagt. Moutainbiken, Laufen vor dem Trainingswagen und im Winter vor dem Schlitten- vier bis sechs Hunde je Gespann- ein Husky ist kein Hund für Couch- Potatoes. Bis zu dreißig Kilometer lange Touren sind für diese Hunde gar kein Problem. Andreas Achenbach kann auf eine jahrelange Erfahrung als „Musher“(Schlittenhundeführer), zurückblicken. Anders wäre es auch nicht möglich, gleich zwölf Hunde im Haus zu halten, die freien Zugang zu allen Räumen haben und somit immer präsent sind.

Wo manch ein Leser jetzt ein Tollhaus vermuten dürfte, findet man bei Andreas Achenbach und Claudia Hesse allerdings Hunde vor, die derart entspannt, ausgeglichen und freundlich sind, dass Otto-Normal-Hundehalter einfach nur verblüfft sein dürfte. „Natürlich gibt es auch mal Streit im Rudel. Aber, anders als beim Menschen, beginnen Hunde einen Streit, durchleben und beenden ihn dann. Sie sind nicht nachtragend.“ Mit anderen Worten: Eine gesunde Rudel-Dynamik.

Viel mehr als blaue Augen…

Es sind nicht nur die meist blauen Augen, die Andreas Achenbach seit zehn Jahren an seinen Hunden so faszinieren. “Der Husky ist eigenständig und hängt nicht immer am Rockzipfel des Menschen. Er ist zwar menschenbezogen, kann aber auch gut für sich sein“, erzählt der Hundefachmann, der natürlich auch einen ganz „normalen“ Beruf hat: Andreas Achenbach ist Erzieher bei der Jugendhilfe „Let’s go“ in Brilon. Und genau hier beginnt das Husky- Projekt.

Das Husky- Projekt ist eine tiergestützte Therapie für Jugendliche. Eine sogenannte Intensiv-pädagogische Maßnahme“, erklärt Andreas Achenbach, Projektleiter dieses weit und breit einzigartigen Projektes. Bis zu drei Jugendliche leben im Rahmen des Projektes mit im Wohnhaus des Paares Achenbach/ Hesse. Sie bleiben Wochen, Monate oder auch Jahre. Meist haben sie jegliche Alltagsstrukturen verloren und finden keinen Platz im sozialen Gefüge unserer Gesellschaft. Die Jugendlichen kommen aus Großstädten und Ballungsräumen und die Schwierigkeiten liegen meist in einer fehlenden Gruppenfähigkeit oder sie haben große Probleme im Sozialverhalten.

Der Umzug nach Latrop ist eine Reise in eine andere Welt. „Hier, in der ländlichen und reizarmen Umgebung können die Jugendlichen erstmal bei sich selbst ankommen, um später auch wieder im gesellschaftlichen Gefüge klarzukommen“, erklärt Andreas Achenbach, „ der Hund fungiert hier unbewusst, als Therapeut. Jeder findet seinen persönlichen Bezugshund, um den er sich dann auch kümmert und mit ihm trainiert.“ Dieser Hund stärkt das Selbstbewusstsein und vor allem das Selbstwertgefühl, lehrt Rücksichtnahme und weckt Verantwortungsgefühl. Eine positive Werteverschiebung und Erfolgserlebnisse durch die Arbeit mit dem Hund sind wichtige Faktoren, um die Jugendlichen, die zudem ganz regulär die Schulen im Stadtgebiet besuchen, auf eine vernünftige Lebensgrundlage zu stellen. Durch das Leben im Rudel lernen die Jugendlichen sich ohne große Kommunikation in die bestehende Rangordnung des Hunderudels einzugliedern. Andreas Achenbach: „Erfahrungsgemäß gelingt es sehr schnell diesen Schritt zu erreichen. Auch bei Jugendlichen die bisher pädagogische Maßnahmen abgelehnt haben.

Fotos: Andy Klein (Licht+) / Text: Daniela Köhler / WOLL Magazin Ausgabe Schmallenberg / Eslohe Dez. 2012

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