Für uns das Paradies auf Erden

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Goldener Herbst im Sauerland. Man hört das Rauschen des Windes in den Wipfeln der mächtigen Bäume am Forsthaus Rehsiepen. Mehr hört man nicht. Keine Straße, keine Autos, keine Hektik. Bärbel Michels, die das historische Denkmal zusammen mit ihrem Ehemann Peter bewohnt und hier, in der Stille am Waldrand, schon einige Bücher schrieb, sitzt auf einer kleinen Bank vor dem Haus, als wir sie besuchen. Letzte wärmende Sonnenstrahlen begleiten unser Gespräch, die Zeit scheint hier stillzustehen. Ein Blick in die Zeitgeschichte: Das Revierförster-Dienstgehöft in Rehsiepen wird im Jahr 1885 errichtet. 127 Jahre später: Bärbel und Peter Michels leben in einem Denkmal …

WOLL: Sie leben hier mitten in einem Idyll wie aus dem Bilderbuch. Was bedeutet dieses Haus für Sie?

Michels: Es ist ein Idyll, das mit harter Arbeit verbunden ist. Das alte Haus und dazu 15.000 Quadratmeter Grundstück wollen gepflegt werden. Aber diese Arbeit tut man gerne. Dieses Haus ist überhaupt mein Dreh- und Angelpunkt. Hier bin ich auch zum Schreiben gekommen, hier kann ich mich selbst verwirklichen und hänge mit jeder Faser meines Herzens an diesem Haus.

WOLL: Lebt sonst noch jemand hier?

Michels: Nein. Nur mein Mann und ich. Bis vor kurzem hatten wir noch Hunde und Pferde, jetzt wohnen wir zum ersten Mal ganz ohne Tiere. Mittlerweile leben wir seit 41 Jahren hier.

WOLL: Wie sind Sie zu diesem Haus gekommen?

Michels: Wir sind gebürtig vom Niederrhein und wollten schon immer aufs Land ziehen. Damals, es war 1971, haben wir eine Anzeige in der Zeitung gesehen, wo ein „ehemaliges Revierförster- Dienstgehöft“ zum Verkauf stand. Vom Ort Rehsiepen hatten wir noch nie gehört. Wir schauten uns das Haus an, es sah seinerzeit alles sehr trostlos aus und wir hatten sofort so viele Ideen, was man hier alles machen könnte. Ich konnte vor Aufregung gar nicht mehr schlafen und habe nur noch von dem Haus gesponnen. Als Kind habe ich immer gerne Bücher von Försterkindern gelesen. Die Kinder in den Geschichten leben in ähnlichen Försterhäusern am Waldrand. Vielleicht liegt meine Begeisterung für dieses Haus deshalb auch in meiner Kindheit.

WOLL: Wie ging es dann weiter?

Michels: Wir kauften schließlich das Haus und haben hier Tag und Nacht geschuftet. Wissen Sie, wenn man ein altes Haus hat, dann erzählt es einem an jeder Ecke etwas. Wir wollten nicht auf Teufel komm raus alles verändern. Wir haben versucht, so viel wie möglich zu erhalten. Es ist vielleicht nicht optimal, aber es ist schön so, wie es ist: für uns das Paradies auf Erden – ein wahr gewordener Traum.

WOLL: Sie leben hier oben sehr einsam. Langweilt Sie das nicht?

Michels: Ganz im Gegenteil. Durch dieses Leben „im Abseits“ in diesem alten Haus, habe ich angefangen, mich zu fragen, wie die Menschen hier wohl früher gelebt haben. Mich hat das Leben der kleinen Leute von damals interessiert. Ich habe dann einige Bücher darüber geschrieben. Einsam fühle ich mich überhaupt nicht, auch wenn mein Mann schon immer der eher „Außerhäusige“ war. Ich liebe es, hier zu schreiben, zu lesen oder die Natur zu beobachten. Man hat hier keine großen Erlebnisse, dafür aber tiefe Beobachtungen und ich verspüre hier ein großes Gefühl von Geborgenheit. Und im letzten Jahr waren beim Tag des offenen Denkmals, an dem wir zum ersten Mal teilgenommen haben, immerhin 220 Besucher hier.

WOLL: Vor drei Jahren haben Sie die Stiftung Altes Forsthaus Rehsiepen gegründet. Warum?

Michels: Nun ja, wir haben keine Kinder. Aber wir möchten, dass das Haus, so wie es ist, erhalten bleibt, auch wenn mein Mann und ich eines Tages nicht mehr da sind. Unser Plan ist, dass es dann mal ein Forsthausmuseum wird und dass die viele, viele Literatur, die hier im Haus ist, öffentlich zugänglich gemacht wird und von den Menschen genutzt werden kann, die damit arbeiten möchten.

WOLL: Warum lohnt es sich, dieses Haus zu erhalten?

Michels: Es ist eines der wenigen Denkmäler, das in Privatbesitz ist, bewohnt wird und zudem noch wie ursprünglich erhalten ist. Wir haben zum Beispiel auch keine Zentralheizung. Hier wird noch mit Ofen geheizt. Es ist ein Haus voller Erinnerungen und Geschichten. Jedes einzelne Teil, besonders auch von der Inneneinrichtung, hat seine eigene Geschichte. Wir umgeben uns nur mit Dingen, die uns gefallen, auch wenn manche Leute sagen, wir würden jetzt schon in einem Museum leben.

WOLL: Sie haben hier auch drei Weihnachtsbücher geschrieben. Sind Sie ein Weihnachtsfan?

Michels: JA!! Weihnachten ist hier anders. Die Weihnachtszeit ist immer mit einer ganz besonderen Stimmung verbunden. Ich glaube sogar, dieses Haus ist ein richtiges Weihnachtshaus. Und hier oben liegt auch meistens Schnee. Wir schlagen unseren Weihnachtsbaum selbst und er bekommt echte Kerzen. Auch die Krippe ist selbstgebaut. Das ist bei uns alles sehr bodenständig.

WOLL: Würden Sie sich wünschen, in die Zeit vor hundert Jahren, die Sie so fasziniert, zurückreisen zu können, um mal zu sehen, wie das so war?

Michels: „Die gute alte Zeit“ – das klingt heute alles furchtbar romantisch. Aber es war ein sehr hartes Leben damals für die Menschen. Heute sieht man das nicht mehr so. Der Überfluss, in dem wir heute leben macht vieles kaputt. Vielleicht wäre es gut, mal erleben zu können, wie hart das Leben, vor allem der „kleinen Leute“, früher war.

Am 15. und 22. Dezember ist die weihnachtliche Stimmung vom Forsthaus im WDR-Fernsehen zu sehen. Samstag, um 18.30 Uhr – Hier und Heute unterwegs. Winterreise.

Kommentare

  1. Marlies Tack meint:

    Hallo Woll-Team, im Fernsehen gestern gesehen und heute hier nochmal angeschaut. Das ist Sauerländer-Winter-Weihnachtsfeeling pur!!!
    Ihnen allen ein frohes Fest

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