Mord an Bord der MS Möhnesee

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Zur Kriminal-Literaturschiffahrt hatte die Christine-Koch-Gesellschaft am Spätnachmittag letzten Samstags die Krimifreunde der Region auf den Möhnesee eingeladen. Und viele waren gekommen, alle 180 Unterdeckplätze an Bord der „MS Möhnesee“ waren schon vor der Veranstaltung vergeben.  

Mochte der Titel „Mord an Bord“, unter dem die Veranstaltung stattfand, im ersten Moment auch schaurig klingen, so sollte die Lesung auf dem See bei aller Spannung doch auch an eine literarische Tradition quasi „andocken“, die das kriminalistische Element ins poetische Spektrum rückt. Eine Tradition, in der vor fast zweihundert Jahren schon der Dichter E.T.A. Hoffmann mit „Das Fräulein von Scuderi“, kriminalistischen Elementen in einer eigentlich romantischen Erzählung zum Durchbruch verhalf. Oder nur wenige Jahre später Annette von Droste Hülshoff mit ihrem heute zur klassischen Schullektüre gehörenden literarischen Landschafts- und Sittengemälde von Weltrang in der westfälischen Dorferzählung „Die Judenbuche“. Ins Zentrum der Handlung stellt die Droste jenen Mord des Protagonisten Friedrich Mergel, der am Ende zwar im juristischen Sinne unaufgeklärt bleibt, jedoch auf mythische Weise Vergeltung findet, während die Tat selbst und das Motiv eher ein furchtbares Geheimnis bleiben.

Für die literarische Erschließung solcher Geheimnisse um Täter und ihre Verbrechen rückten auch die vier Autoren auf dieser besonderen Schiffahrt das kriminalistische Element ins Spektrum. Und dies wenige Tage vor Helloween zwischen Sauerland und Soester Börde vor einer Kulisse, die für eine schummrige Herbstabendstimmung wie geschaffen erscheint. Der Blick aus den Panoramafensterwänden des Schiffes auf der Möhnesee und seine waldreiche Uferlandschaft ließ das Publikum genau in die Atmosphäre eintauchen, die den Zuhörer spannungsgeladene Texte mit möglichst vielen Sinnen wahrnehmen läßt. Für ein übriges sorgten musikalisch der aus Funk und Fernsehen bekannte Jazzvirtuose Winfried Schickentanz und sein Partner Bastian Wiemhöfer. Und auch die souverän durch das Programm führende Moderatorin Kristin Völlmicke aus Bad Sassendorf hatte ihren Anteil am stimmungsvollen Übergang in die Dämmerung, vor der Sonnuntergang und Herbstabendfarben am westlichen Horizont dem Augenmerk noch ein besonderes Gepräge verliehen.

Unter den vier Autoren des Abends lasen mit Mathias Knoll, Herbert Somplatzki und der Nachwuchsautorin Eva Bonke drei aus dem Sauerland vor; Mathias Knoll und Eva Bonke beide Aus Arnsberg, Herberts Somplatzki aus Schmallenberg. Der vierte Autor, Chris Marten alias Herbert Knorr aus Gelsenkirchen, trat in einer Doppelfunktion gleichzeitig als erfolgreicher Krimischriftsteller und als Initiator des Erfolgsprojektes „Mord am Hellweg“ auf, des mittlerweile größten europäischen Krimifestivals.

An vielen Orten der Hellwegregion und des Ruhrgebietes finden in den nächsten Wochen noch weit mehr als hundert Festivalveranstaltungen statt. Darunter zählt die Krimischiffahrt auf dem Möhnesee zu den bestbesuchten. Nächste literarische Veranstaltung auf dem „Westfälischen Meer“ wird im 100. Jahr nach der Errichtung der Sperrmauer und im 70. Jahr nach Ihrer Bombardierung am 29. Juni 2013 die Möhnesee-Literaturschiffahrt der Christine-Koch-Gesellschaft mit der Verleihung des Edelrabe-Preis für Verdienste um die Literaturregion Südwestfalen sein.


 

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