„Vom alten Denken lösen“- Dr. Frank Schirrmacher referierte in Schmallenberg

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Das 2. Volksbank- Forum in Schmallenberg zog am Mittwochabend zahlreiche interessierte Gäste in die Stadthalle Schmallenberg. Mit Dr. frank Schirrmacher, Mitherausgeber der FAZ und Autor des Buches „Das Methusalem- Komplott“ referierte zum Thema „ demografischer Wandel“.

Dass dieser Wandel längst da ist und wir uns bereits in der zweiten Phase dessen befinden, machte Schirrmacher eindrucksvoll deutlich. Fusionierte Vereine, Schließung von Schulen und Kindergärten, Fachkräftemangel – überall sind die Anzeichen sichtbar. Diese Entwicklung, die, so Schirrmacher bereits  1970 begann, setzt sich in unserer Zeit erbarmungslos fort. Wir altern, weil wir länger leben und weniger Kinder zu kommen. „Es fehlen nicht nur Kinder, sondern auch die Eltern, die diese auf die Welt bringen“, so Schirrmacher. Somit steht Deutschland in der globalen „Methusalem- Statistik“ nach Japan an zweiter Stelle. Will man dieser Entwicklung entgegenwirken, so müsse die Geburtenrate sprunghaft auf  2,1 Prozent ansteigen oder aber ab sofort, bis zum Jahr 2050 190 Millionen Menschen nach Deutschland einwandern.

„Keiner, der heute in Deutschland lebenden jungen Menschen, wird jemals wieder in einem Deutschland leben, dessen Bevölkerungszahl ansteigt“, lautet die düstere Prognose. Frank Schirrmacher:“ Altern ist ein Thema, was jeden einzelnen betrifft. Es ist eine völlige Umstellung der Gesellschaft und ein Wertewandel nötig.“ Denn, statistisch gesehen, ist ein heute 70-jähriger Mensch auf dem geistigen und gesundheitlichen Stand eines 49- jährigen des Jahres 1960. Heute spräche also kaum etwas dagegen, länger zu arbeiten oder mit 60 Jahren nochmal etwas was ganz Neues anzufangen. „Wir müssen uns von alten Vorstellungen lösen“, appellierte Schirrmacher, „Die Politik, die Wirtschaft und jeder einzelne ist gefordert, die Ressource „Zeit“ zu nutzen.“ Auch im Sauerland schrumpft die Bevölkerung seit Jahren kontinuierlich in jedem Jahr um 2000 Menschen. Und das obwohl diese Region wirtschaftlich, zum Herzen des Landes gehört.“

Arbeitslosenzahlen die von „Vollbeschäftigung“ sprechen, sind sicher positiv. Sie seien aber auch der Spiegel mangelnder Nachfrage. „Die Kinder die behütet im Sauerland aufgewachsen sind und gut ausgebildet wurden, beglücken heute die großen Wirtschaftsmetropolen“, stellte Schirrmacher ernüchternd fest.

Mut machten aber die verschiedenen Lösungswege, um den Problem „demografischer Wandel“ nachhaltig zu begegnen. „Man muss sich im Klaren darüber sein, dass dies kein Problem ist, was in zwanzig Jahren „wieder gut“ ist“, betonte Schirrmacher und so sei vor allem auch die vermehrte Berufstätigkeit von Frauen, unverzichtbar.

Umdenken ist also angesagt, auch wenn dies gar nicht so einfach ist. Mit althergebrachten Strukturen manipuliere das Gehirn unsere Denkweisen. „Mit 25- 35 Jahren die rush- hour“ des Lebens und ab 40 ist man alt. Das hatte früher Gültigkeit. Aber, mit Blick auf die heutige Lebenserwartung: mit 48 kommt noch soviel und es spricht auch nichts dagegen mit 60 nochmal was ganz Neues anzufangen.“

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