Vonner Küste inne Drüste Teil 4

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Bereits seit vier Wochen lässt uns unser Marathon- Mann Michael Martin an seinen Vorbreitungen für den Rothaarsteigmarathon teilhaben. Unerbittlich tickt die Uhr gen Start am 20. Oktober in Fleckenberg.

In dieser Woche macht eine Erkältung unserem Marathoni das Leben schwer.

Aber… stammt der Husten wirklich von einer Erkältung?Lesen Sie selbst!

Montag, 8. Oktober 2012. Noch zwei Wochen bis zum Rothaarsteigmatahon…

Gesundheit!

Der Herbst ist da und die Wildgänse ziehen über die Felder hinter meinem Haus in Richtung Süden. Passend zur Jahreszeit hat mich leider zwei Wochen vor dem Marathonstart noch die obligatorische Oktobererkältung am Halswickel. Klar, denkt sich jetzt der regelmäßige Leser dieser Kolumne, das hadder nu davon, wenner als alter Sack immer im dünnem Leibchen durchen Regen wetzen muss, woll. Falsch gedacht! Schuld an meiner Kröchzerei ist der zivile Ungehorsam der deutschen Raucherschaft.

Denn während man sich hier in England seit 2007 ganz easy an das allgemeine Rauchverbot hält und weder am Arbeitsplatz, noch in der Kneipe oder in öffentlichen Gebäuden schmeukt, denkt der rauchende Sauerländer eher antiautoritär und steckt sich weiterhin und fast überall einfach mal eine an. Oder zwei. Oder drei. Man muss ja nur alle Fenster öffnen, für extremen Durchzug sorgen und den Rauch heimlich aus dem Fenster wedeln.  So wie letzten Mittwoch, wo mich eiskalte Zugluft im Krankenzimmer einer großen Klinik voll erwischte. Der besuchte Kranke trug beim heimlichen Paffen am Fenster einen molligen deutschen Bademantel, ich hingegen nur ein dünnes englisches Sommershirt. Dä!

Finde ich als Exil-Sauerländer schon bemerkenswert, dass man in meiner Heimat stundenlang vor defekten roten Ampeln wartet, Parkscheiben korrekt einstellt und Nummern in der Bäckerei zieht, aber wenn es ums Rauchen geht – im Gegensatz zu den Briten – jedes gesetzliche Schlupfloch nutzt, damit der Nikotinpegel nicht in Gefahr gerät. Hier auf der Insel raucht man natürlich auch fröhlich weiter, allerdings nur zuhause und nur vor der Kneipe. Meine Südwestfalen erinnern mich hingegen eher an die Gallier in den Asterix-Heften: Ganz Europa wird von der Nichtraucherlobby unterdrückt, nur ein Volk leistet noch erbitterten Widerstand. In diesem Sinne: Feuer frei!

Noch mehr haben mich nur zwei spindeldürre Läufer beeindruckt, die beim Hamburg-Marathon vor einigen Jahren kurz nach mir ins Ziel kamen. Wir marschierten gut gelaunt zur Theke des Bierwagens, wo es frisch gezapftes Holsten gab. Noch vor dem ersten Schluck öffneten die Sportkameraden ihre kleinen Lauftaschen, die sie um die Hüften trugen, kramten in aufgeweichten Energieriegelkrumen und holten jeweils ein Päckchen Roth Händle plus Feuerzeug heraus. Während wir uns zuprosteten und die beiden erst das Holsten, und danach ihre Filterlosen genussvoll inhalierten, war ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob es sich um richtig harte Kerle oder um totale Vollpfosten handelte.

Ich werde in vierzehn Tagen in Fleckenberg jedenfalls ohne Zigarette an den Start gehen. Das einzige, was ihr qualmen sehen werdet, sind meine Socken.

Hust, hust!

Euern Michael Martin

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