Prost! – Vonner Küste inne Drüste Teil 3

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Eisern trainert Michael Martin für den immer näher rückenden Rothaarsteig- Marathon.

Sauerländer Bier vs. english tea

Montag, 1. 10. 2012. Noch drei Wochen bis zum Rothaarsteigmarathon

Mahlzeit, liebe Wollsager!

Wie erwartet, war der New Forest Halbmarathon eine hervorragende Vorbereitung auf die von mir erwarteten Rahmenbedingungen beim Falke-Rothaarsteig-Lauf in drei Wochen. Pünktlich zum Start öffnete am letzten Sonntag nämlich der Himmel seine Schleusen und heftigster Dauerregen setzte ein. Ich bekam richtig Heimweh, weil es so wunderbar durchplästerte, wie sonst nur in den Sauerländer Regenwäldern. Eine steife Brise vom Meer sorgte zudem dafür, dass der Regen uns nicht nur von oben, sondern auch frontal voll erwischte. Dabei hatte ich es noch gut, weil ich nur knapp über 90 Minuten brauchte, bis ich pitschnass am Ziel war. Die langsamen Läufer gurkten beim Vollmarathon nämlich über fünfeinhalb Stunden  durch den Regen und sahen hinter aus wie die Stalagmiten in der Attahöhle: Nass, kalt, steif und kreidebleich. Nur gut, dass es in England im Ziel kein eiskaltes alkoholfreies Bier gibt, sondern stets einen Becher mit heißem Tee.

Tee spielt in England generell eine größere Rolle, als bei uns inner Heimat. Während wir höchstens drei Beutel Kamille- oder Feffamünztee pro Jahr verbrauchen, kommt der durchschnittliche britische Bauarbeiter zum Beispiel, auf geschätzte zehn Beutel Schwarztee pro Tag. Immer stark, immer mit Milch, immer mit Zucker, für einen echten builder’s tea gern auch mal mit drei bis vier Stücken. Das ganze Sortengetöse mit Early Grey, Darjeeling oder Ceylon spielt im Alltag nur eine sehr untergeordnete Rolle. Der Durchschnittsbrite greift zur Fertigmischung, dem sogenannten breakfast tea. Als meine gute deutsche Freundin Gabi die erste Runde Bürotee für ihre neuen Kollegen bei Vodafone in Newbury braute, hatte sie extra sündhaft teuren Earl Grey besorgt. Ihr Chef trank nur einen ganz kleinen Schluck, schnupperte dann am Becher und kippte die Brühe wortlos in seine Büropflanze. Danach musste Gabi nie wieder Tee machen, also irgendwie doch ein Erfolg.

Als erfahrener Marathoni mit über 150 Rennen auf dem Buckel, ist mein Tipp für die Regeneration nach einem harten Wettkampf allerdings weder Tee, noch Bayernbrühe alkoholfrei, sondern selbstverständlich ein heimisches Bier. Das ist von gleich umme Ecke, schmeckt besser als Bananen, Sportgetränke und Energie-Gels und zaubert bereits beim ersten Schluck ein zufriedenes Grinsen auf Dein Gesicht. Falls nicht, schau mal in deine Geburtsurkunde, denn eventuell bist Du doch kein echter Sauerländer. Und das täte mir nun echt very sorry für Dich, woll.

In diesem Sinne: Prost.

Euer Michael Martin

 

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