Das Henne-Rarbachtal

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Ein Bilderbuchidyll mit Zukunft

Es gibt sie noch: Die kleinen idyllischen Orte, wo die Welt noch in Ordnung ist, die Einwohner so richtige Sauerländer und die Kühe glücklich sind. Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis für sich. Aus Richtung Bad Fredeburg kommend geht es am Rimberg links bis hinunter in das Teufelsloch. Biegt man dort wiederum links ab, gelangt man nach ein paar weiteren Kilometern, auf denen es nichts weiter gibt als Wald, nach Oberhenneborn, dem ersten und mit 395 Einwohnern auch größten Dorf im Henne-Rartal. Kirchrarbach, der zweitgrößte Ort mit 282 Einwohnern, liegt auf der anderen Seite – im Rartal. Die acht kleineren Ortschaften, die wie gemalt ebenfalls im Henne-Rartal liegen, seien hier natürlich auch nicht vergessen, denn sie geben dem Tal ihren unverwechselbaren Charme. Zwei Täler, zehn Orte, eine Gemeinschaft Die Einwohner sind stolz auf ihr Tal. 250 Kilometer Wanderwege gibt es hier zu erkunden, 150 Ruhebänke bieten spektakuläre Aussichten über das Tal, der gemeinsame Sportverein, der SV Henne-Rartal, hat mehr als 800 Mitglieder – und das bei einer Gesamteinwohnerzahl des Tales von 1.044 Menschen. Der Heimat- und Geschichtsverein Henne-Rartal hat vor kurzem eine über 800 Seiten starke Chronik verfasst – eine Sisyphusarbeit. Denn geschichtlich lässt sich die Historie dieser Region bis ins neunte Jahrhundert zurückverfolgen. Die ehemals stolzen Ritterburgen in Hanxleden und Sögtrop bildeten seinerzeit den Grundstein für die Besiedelung von Kirchrarbach, als sich die Burgherren entschlossen, auf halbem Wege eine Kirche zu errichten. Zusammenhalt im Dorfleben und die Gemeinschaft werden hier großgeschrieben. In Oberhenneborn kümmert sich das Dorf- Team „Wir in Oberhenneborn“ um alle Belange des Ortes. Eine lockere Gruppe, ohne Vereinsstruktur oder Statuten, dafür hoch motiviert mit einer gehörigen Portion Engagement und Heimatliebe – das Dorf-Team ist stets dort, wo es gebraucht wird und sorgt nicht zuletzt dafür, dass alte Traditionen nicht verloren gehen. Und von denen gibt es hier, wie für die Sauerländer Lebensart typisch, viele. Sie bestimmen den Rhythmus des Jahres und niemand möchte sie hier missen. Im Henne-Rartal findet man noch Traditionen, die anderswo schon ausgestorben sind – in Vergessenheit geraten. Das Sonnenvogeljagen, der Blumenteppich zu Fronleichnam, Böllern zu Ostern – gelebte Tradition ist hier kein wiederentdeckter Trend, sondern eben echte Sauerländer Art.

Gemeinschaft mit eigener Identität

Natürlich gibt es auch Unterschiede zwischen den Tälern. So ist beispielsweise Oberhenneborn noch heute stark von der Landwirtschaft geprägt. Die sieben Landwirte im Ort (davon sechs im Vollerwerb) produzieren im Jahr mehr als zwei Millionen Liter Milch. Während man in Oberhenneborn stolz ist, die größte Jugendfeuerwehr im Stadtgebiet Schmallenberg und eine der größten im ganzen Hochsauerlandkreis zu haben, so sind die Kirchrarbacher stolz auf ihre eigene Grundschule. Mit weniger als 50 Schülern ist hier die kleinste Grundschule in NRW zu Hause. In den Kindergarten gehen die Kids aus dem Tal in Oberhenneborn. Das ehemalige Schulgebäude wird hier schon seit 40 Jahren als „TOT“ (Teil offene Tür) genutzt. Musikschule, Jugend- und Seniorentreff, Turnen, Gruppenstunden – das alte Schulgebäude bietet im wahrsten Sinne des Wortes „Dorfräume“. Mit Oberhenneborn und Kirchrarbach hat das Henne-Rartal gleich zwei Bundesgolddörfer zu bieten. Auf der jeweiligen Golddorfroute lassen sich die Orte herrlich erwandern, ohne dass der Wanderer etwas Sehenswertes versäumt. Das kleinere Oberrarbach ist in diesem Jahr auf Landesebene des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ vertreten und damit auf dem besten Weg, das Henne-Rartal zum dritten Mal zu vergolden. Abseits von Massentourismus und hektischem Alltag lassen sich in wunderschönen, alt eingesessenen Gasthöfen, urigen Bauernhofpensionen oder in einer der gemütlichen Ferienwohnungen, erholsame Tage verbringen. 118 Betten für Gäste stehen im Henne-Rartal zur Verfügung.

Gastronomie und Tourismus im Henne-Rartal

Drei wunderschöne, alt eingesessene Gasthöfe

  • Wüllner’s Landgasthof in Oberhenneborn (Mitglied der Sauerländer Wandergasthöfe)
  • Gasthof zur Post in Kirchrarbach
  • Gasthaus Wollmeiner in Oberrarbach

Drei Bauernhofpensionen (alle Kinderlandbetriebe)

  • Heumes Hof in Oberhenneborn
  • Bauernhof Gördes in Oberhenneborn
  • Ferienwohnungen Steimel in Kirchrarbach

Kommentare

  1. Gerhard Plugge meint:

    Da muss man erst fast ins Ruhrgebiet fahren, um diesen schönen Artikel über die Heimat und über die Heimatdörfer zu lesen!
    Zwei Zahlen möchten ich geringfügig korrigieren:
    a) Föckinghausen hat 16 nicht 116 Einwohner und
    b) der SV hat nicht über 800 sondern z.Zt.735 Mitglieder.

    Viele Grüße aus Kirchrarbach von
    Gerhard

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