Dieter Ruddies – Ein Sauerländer Unternehmer

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Dieter Ruddies, Bad Fredeburg, Unternehmer – geboren am 28. Oktober 1921 in Alt-Kattenau, Ostpreußen An einem Tag im November 1945 kam Dieter Ruddies morgens um 6:30 Uhr in Fredeburg an. Hochdekoriert, schwer verwundet, ohne einen Pfennig, ausgestattet mit dem Abitur und der Frage „Was nun?“ Ein alter Freund hatte ihm dringlich geraten, einen Lehrberuf zu ergreifen, vorausgesetzt, die Passion dafür sei da. „Auto-Schlosser, Radiotechniker, Möbelbauer oder Ähnliches“, schrieb er ihm, sei „ein gutes Brot“. Dieter Ruddies entschied sich, Möbelbauer zu werden und begann nur einen Tag nach seiner Ankunft in Fredeburg beim Zimmer meister Blüggel. Wie weise der Rat war (und wie vorausschauend, ihn anzunehmen), zeigt die immense unternehmerische Leistung in den folgenden Jahrzehnten. Aus einem kleinen gepachteten Schreinereibetrieb in Berghausen formte Dieter Ruddies ein international erfolgreiches Unternehmen mit Stammsitz in Bad Fredeburg. Prägend für das ganze Leben waren die Ereignisse und persönlichen Erlebnisse des zweiten Weltkrieges. Unmittelbar nach Kriegsbeginn wurde der damals 18jährige eingezogen und vor bis dahin ungeahnte Herausforderungen gestellt. Der Krieg lehrte den früh zum Hauptmann beförderten jungen Mann weitgesteckte Ziele zu setzen, aber auch Rückschläge einzustecken. „Es kommen immer wieder Dinge, die einen überrollen.
Dann gilt es weiterzumachen, auch wenn’s nicht glatt läuft.“ Und es lief nicht immer alles glatt. Aus Unternehmersicht forderten sich ständig verändernde Märkte immer wieder neue Ziele, Strategien und Produkte. Mit Mut zu Visionen und der Fähigkeit, Markttendenzen sehr früh zu erkennen, sicherte Dieter Ruddies das erfolgreiche Bestehen seiner Unternehmung. Als beispielsweise zu Beginn der 1950er Jahre die „Do-it-yourself“-Mentalität aufkam, stellte er die bisherige Herstellung von Holzgegenständen für den alltäglichen Gebrauch auf Tapeziertische um. Nicht verharren, sondern Neues schaffen und weitermachen, lautete das Gebot auch jener Stunde. Eine weitere strategische Neuausrichtung erforderte Mitte der 1960er Jahre der Trend weg von der Einzelgeräte- hin zur Einbauküche. Lange vor allen anderen erkannte Dieter Ruddies, dass sich diese Entwicklung in andere Bereiche des häuslichen Lebens ausdehnen würde und so auch das Badezimmer der Zukunft gänzlich anders zu gestalten sei. Seine unternehmerische Vision hieß, Möbel für mehr „Stauraum und Ordnung“ im Bad zu konzipieren. 1966 begann die Umsetzung dieses Ziels gemeinsam mit dem Keramikhersteller
Ideal Standard. Das Burg Ideal Bad wurde zu einer absoluten Erfolgsgeschichte und legte den Grundstein der heutigen Produktpalette. In den folgenden Jahrzehnten wurden aus strategischen Gründen weitere Firmen hinzu gekauft, am 8. Mai 1985 (genau 40 Jahre nach Beendigung des zweiten Weltkrieges) folgte der Gang an die Börse. „So wurde aus einem Familienunternehmen schließlich eine Unternehmer-Familie…“, resümiert Ruddies, dessen gesamte Familie dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern nach wie vor eng verbunden ist. Seit vielen Jahren steht die burgbad AG an der Spitze des europäischen Marktes für exklusive Badmöbel. Um diese Position auch in Zukunft zu halten und für gesundes Wachstum zu sorgen, ging die Eigentümerfamilie 2008 die strategische Partnerschaft mit dem türkischen Familienkonzern Eczacibasi ein. „Das war für uns alle eine schwierige Entscheidung.“ Doch mit Blick auf die unternehmerische Verantwortung auch für die Mitarbeiter ein notwendiger Schritt. Wie richtig dieser war zeigt sich unter anderem darin, dass die burgbad AG selbst in den Krisen der vergangenen Jahre wuchs und die Arbeitsplätze gesichert werden konnten.
„Wirtschaft besteht aus Unternehmern, die Dinge voran bringen, neue Märkte schaffen und agieren – nicht aus Finanzakrobaten“, sagt Dieter Ruddies mit einem Seitenhieb auf die Finanzkrisen der vergangenen Jahre und sein eigenes Handeln über nahezu siebzig Jahre. Damit meint der inzwischen fünffache Urgroßvater jedoch nicht nur marktbezogenes Handeln. Unternehmer sollten sich engagieren und die Gesellschaft zum Wohle der Menschen mitgestalten. Auch in diesem Punkt bleibt Dieter Ruddies sich treu: Er redet nicht, er macht. Auszeichnungen wie die Ernennung zum „Ritter des Sylvesterordens“ durch Papst Benedikt XVI., die Verleihung des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland oder des „Ehrenrings der Stadt Schmallenberg“ sind nur die sichtbaren Zeichen seines gesellschaftlichen und kommunalpolitischen Einsatzes der vergangenen Jahrzehnte. Aus tiefer Überzeugung heraus gründete die
Familie 1995 in Bad Fredeburg die caritative „Dieter und Ursula Ruddies Stiftung“. Leise, unbürokratisch und ohne Aufhebens hilft sie jenen, die durch die sozialen Netze gerutscht sind. „Verdeckte Armut ist ein Problem.“ Und es wäre nicht Dieter Ruddies, ließe er sich lange darüber aus. Er handelt.

 

Das Interview mit Dieter Ruddies können Sie im WOLL-Magazin Ausgabe 2/2011 lesen.

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